Nach zwei Bränden Thiersheim unter Schock

Zwei Menschen kamen bei einem Wohnungsbrand in Thiersheim ums Leben. Der Blick von oben macht das Ausmaß der Brände deutlich. Foto: / Florian Miedl

In der Gemeinde kommt es in kürzester Zeit zu zwei Bränden. Dabei kommen zwei Menschen ums Leben. Die Feuerwehr muss gegen Flammen und Besserwisserei ankämpfen.

Thiersheim - Thiersheim nach einem tragischen Wochenende: Am Freitag sind zwei Frauen bei einem verheerenden Wohnhausbrand ums Leben gekommen. Am Samstag schrillen die Sirenen erneut, als in einem Nachbarhaus ein Feuer ausbricht. Die furchtbare Bilanz: zwei Tote, neun Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, sowie sechs Katzen und vier Hunde, die in den Flammen umkamen. Den Schaden schätzt das Polizeipräsidium Oberfranken auf rund 200 000 Euro.

„Wir stehen noch unter Schock“, sagt Bürgermeister Werner Frohmader. Das Unglück sei Tagesgespräch auf der Straße und in den Geschäften. Es zeigte, dass der Ort zusammenhält. Helfer hätten die Einsatzkräfte versorgt und sich der Betroffenen angenommen, sagt Frohmader. „Aber wir hätten gut auf diese Katastrophe verzichten können.“ Die Betroffenen seien vorläufig in Ferienwohnungen untergebracht worden.

Dauereinsatz für Feuerwehren

170 Einsatzkräfte aus 13 Feuerwehren, BRK, THW, Polizei und Notfallseelsorger waren am Freitagmittag ausgerückt und im Prinzip bis zum frühen Sonntagmorgen ununterbrochen im Einsatz. Es war weit nach Mitternacht, als die Nachlöscharbeiten und Kontrollen erledigt waren und die Feuerwehrleute wieder abziehen konnten. Die Arbeit sei damit aber noch lange nicht erledigt gewesen, sagt Kreisbrandinspektor Armin Welzel, Einsatzleiter bei beiden Bränden. „Nach dem Einrücken ins Gerätehaus müssen Schlauchmaterial, Geräte, Fahrzeuge und die Atemschutzgeräte noch für den nächsten Einsatz vorbereitet werden.“ Wie wichtig diese Routinearbeiten sind, sollte sich nur wenig später zeigen. Denn als sich die Einsatzkräfte nach 20 Stunden, die sie auf den Beinen waren, das erste Mal hätten Ruhe gönnen können – „schlafen kannst du in der Situation eh nicht“, sagt Welzel – kam der nächste Alarm. Am Samstag gegen 5 Uhr hat der Dachstuhl des Mehrfamilienhauses, das durch den ersten Brand schon beschädigt worden war, Feuer gefangen. Wieder rücken die Wehren aus dem Landkreis aus. Es sind dieselben Feuerwehrleute, die wenige Stunden zuvor erschöpft nach Hause gekommen waren.

Schaulustige und Nörgler

„Die Feuerwehrmänner und -Frauen haben Wahnsinniges geleistet“, sagt Welzel. „Die sind wirklich bis ans Ende ihrer Kräfte gegangen.“ In einer Stellungnahme auf der Facebookseite des Kreisfeuerwehrverbandes hat Armin Welzel beschrieben, was es heißt, sich ehrenamtlich in der Feuerwehr zu engagieren. Er hat das auch geschrieben, „weil selbst ernannte Fachleuten mit einer Selbstverständlichkeit wissen, was andere, die ihren Kopf für sie hinhalten, falsch machen“. Auch die Frankenpost erreichen derartige E-Mails. „Kaum vorstellbar, dass nach dem Einsatz der vielen Feuerwehrmänner und der Brandwache anderntags früh gleich noch das Nebenhaus in vollen Flammen stand. War da nicht noch alles nass vom Löschen am Vortag, und wo war die Brandwache?“, heißt es in einer Zuschrift vom Montag. Wie überall werde viel geredet, und Großeinsätze zögen natürlich Schaulustige, solche, die alles besser wissen, und Nörgler an, sagt Welzel. „Da gab es manche, die renitent wurden, weil die Straße gesperrt war.“ Anderen waren die Feuerwehrfahrzeuge zu laut, dann das viele Wasser und der Dreck.

Brandursache noch unklar

Dem Kreisbrandinspektor ist es wichtig, dass die Arbeit der Feuerwehren geschätzt wird. „Es sind alles Freiwillige, die helfen, auch unter Einsatz der eigenen Gesundheit.“ Am Samstag etwa verletzte sich eine Feuerwehrfrau. Neben der physischen komme eine enorme psychische Belastung auf die Dienstleistenden zu. „Wenn es gilt, Tote zu bergen, besprechen wir vorher, wer es tun wird“, sagt Welzel. „Wir versuchen das so würdig wie möglich zu tun. Und nach Möglichkeit, ohne Blicke von außen zuzulassen.“ Den Feuerwehrleuten steht dann auch die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) zur Seite. „Die Gespräche sind sehr wichtig.“

Nach wie vor unklar ist die Brandursache. Wegen der Einsturzgefahr sei es den Ermittlern noch nicht möglich gewesen, die Brandruine zu betreten, teilt das Polizeipräsidium Oberfranken auf Nachfrage mit.

Thiersheim bittet um Spenden
Die Marktgemeinde Thiersheim und die Kirchengemeinen bitten um Spenden für die Betroffenen der beiden Brände. Wer Sachspenden geben möchte, wird gebeten, sich vorab mit den Organisatoren zu besprechen. Das Spendentelefon ist während der Öffnungszeiten der Verwaltungsgemeinschaft unter 09233/7742225 zu erreichen. Eine E-Mail-Adresse für Spendenwillige, hilfsaktion@thiersheim.de, wurde eingerichtet. Geldspenden können unter dem Verwendungszweck “Hilfsaktion für Thiersheim” auf das Spendenkonto der Evangelischen Kirchengemeinde Thiersheim bei der Sparkasse Hochfranken überwiesen werden: BIC: BYLADEM1HOF, IBAN: DE95 7805 0000 0620 2429 74
 

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