Nach Unfall fast gelähmt Ein junger Welpe und eine wundersame Genesung

Labrador-Collie-Mix Timo begleitet sein Frauchen Alexandra Walberer treu seit 13 Jahren. „Ohne ihn wäre ich nicht wieder auf die Beine gekommen“, sagt die 38-Jährige heute. Foto: Anna Kuhrt

KIRCHENPINGARTEN. Dass Alexandra Walberer heute so lässig an ihrem Küchenfenster stehen und eine Zigarette rauchen kann, grenzt an ein Wunder. Die 38-Jährige steht in ihrem Haus in Kirchenpingarten, genauer in Lienlas und schaut nachdenklich in ihren großen Garten. In einiger Entfernung ist ein Agility-Parcours für Hunde zu erkennen. Gemeinsam mit ihrem Mann Rainer hat sie sich einen Traum erfüllt: Die eigene Hundepension. Allein nur daran zu denken, wäre vor einigen Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Denn Alexandra Walberer hat eine wahre Odyssee hinter sich, an deren Anfang sie nur knapp dem Tod von der Schippe sprang.

Autounfall nach langem Arbeitstag

Es ist Montag, der 29. Oktober 2007. Alexandra Walberer fährt mit ihrem Auto von der Arbeit nach Hause. Mittlerweile ist es 5.25 Uhr, hinter ihr liegt ein 18-Stunden-Tag, für die damals 26-Jährige ganz normal: „Ich habe damals viel gearbeitet – in mehreren Jobs gleichzeitig“, erzählt sie. Übermüdung und Stress sind an der Tagesordnung. Das rächt sich. In Schwandorf gerät sie auf einer Straße in voller Fahrt von der Fahrbahn und prallt mit Wucht gegen einen Baum. „Ich kann mich an kaum etwas erinnern – nur daran, dass ich wohl sehr schnell sehr viel Blut verloren habe“, sagt sie. Eine Dreiviertelstunde muss Walberer auf Rettung warten. Ihr rotes Rücklicht ist von der Straße aus nicht gut zu sehen, da ihr Wagen eine Böschung heruntergerutscht ist.

Überleben wird als Wunder gefeiert

Die Feuerwehr Schwandorf und das Rote Kreuz versorgen die Schwerverletzte, schneiden sie mit einer Rettungsschere aus dem völlig zerstörten Fahrzeug heraus. Mit dem Helikopter geht es in eine Regensburger Klinik, denn ihre schweren Kopfverletzungen sind lebensbedrohlich. Als die halbwegs versorgt sind, dann der nächste Schock: Es gibt Komplikationen bei der Bluttransfusion. Alexander Walberers Körper stößt das fremde Blut ab – sie wird in ein künstliches Koma versetzt. „Ab diesem Zeitpunkt haben alle die Hoffnungen aufgegeben“, sagt sie leise. Und tatsächlich: Ein Pfarrer kommt an ihr Krankenbett, das längst als ihr Sterbebett gilt. „Der hat mir die letzte Ölung gegeben.“ Was dann aber in der Nacht zum 1. November in der Regensburger Klinik passiert, wird in der Presse hinterher als „Das Wunder von Regensburg“ gefeiert.

Hund Timo setzt ungeahnte Kräfte frei

Trotz 32 Trümmerbrüchen in der Schulter, aller Rippen, dem Oberschenkel bis zum Sprunggelenk und zahlreicher schwerer Kopf- und Armverletzungen wacht Alexandra Walberer in den Morgenstunden auf. „Keiner wusste warum, aber die Ärzte waren weiter skeptisch“, sagt sie. Die Mediziner gingen davon aus, dass sie nie wieder laufen wird. „Stellen Sie sich auf ein Leben im Rollstuhl ein, haben sie mir damals gesagt.“ Das ist für Alexandra Walberer nicht akzeptabel. Eines Morgens sitzt sie mit ihrem Hunde-Welpen Timo vor dem Krankenhaus im Rollstuhl. Der Labrador-Collie-Mix ist gerade ein halbes Jahr alt und setzt in Walberer ungeahnte Kräfte frei: „Als er mich da so angeschaut hat wusste ich: Ich werde wieder laufen“, sagt sie.

Heute Leiterin einer Hundepension

Drei Jahre dauert ihre Reha, doch schon 2009 ist ihre Gesundheit wieder so hergestellt, dass sie als mobile Hundefriseurin arbeiten kann. „Etwas später bin ich zu meinem Arzt in die Praxis gerollt und bin vor ihm aus dem Rollstuhl aufgestanden – damit hat der niemals gerechnet.“ 2013 heiratet sie ihren Mann Rainer, mit dem sie heute die Hundepension in der Lienlasmühle betreibt. Was nimmt sie mit aus den schmerzvollen Jahren? Was macht das mit einem Menschen, dem Tod so nahe gewesen zu sein? „Ich verschiebe nichts mehr und ich kann jedem Menschen nur raten, wirklich das zu tun, was einen glücklich macht“, sagt sie, während Hund Timo treu an ihrer Seite sitzt. Heute ist der Hund 13, genauso alt wie das zweite Lebens seines Frauchens.

 

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