Nach Stadtrats-Diskussion Sicherheit an ZOH - Polizei und Stadtwerke äußern sich

Die Bayreuther Polizei und die Stadtwerke haben sich am Donnerstag in ausführlichen Stellungnahmen zur Sicherheitslage an der Zentralen Omnibus-Haltestelle (ZOH) geäußert.

Die Zentrale Omnibushaltestelle in Bayreuth beschäftigt die Stadtwerke und die Polizei wie auch den Stadtrat. Foto: Archiv/Eric Waha

Beide schildern aus ihrer Sicht, wie sie auf die Diskussion um die Sicherheit an der Bayreuther ZOH blicken und welche Maßnahmen sie als sinnvoll ansehen. Das Thema hatte am Vortag den Bayreuther Stadtrat beschäftigt.

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Bayreuther Stadtwerke wollen Sicherheitsgefühl stärken

"ZOH im Fokus: Stadtwerke Bayreuth stärken Sicherheitsgefühl". Unter dieser Überschrift haben die Stadtwerke am Donnerstagmittag folgende Mitteilung veröffentlicht:

"Die Stadtwerke Bayreuth nehmen die Diskussion um die Sicherheit an der Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH) sehr ernst. Gemeinsam mit der Stadt, der Polizei und der Sicherheitswacht wurden in den vergangenen Monaten mehrere Maßnahmen umgesetzt, die das Sicherheitsgefühl von Fahrgästen und Mitarbeitenden spürbar verbessern sollen.

Die ZOH gehört zu den belebtesten Orten der Stadt und ist der zentrale Knotenpunkt für den Stadtbusverkehr. Täglich steigen hier tausende Menschen ein und aus. Dass sich alle dort sicher fühlen, hat für die Stadtwerke Bayreuth höchste Priorität, betont Geschäftsführer Markus Rützel. Daher haben die Stadtwerke mehrere Maßnahmen ins Rollen gebracht: 'Defekte Leuchten an den Bussteigen tauschen wir inzwischen noch schneller aus, um das persönliche Sicherheitsempfinden zu stärken. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist das besonders wichtig. Zusätzlich setzen wir auf hellere LED-Röhren.' Auch die Treppenaufgänge vor dem Kundencenter Energie & Wasser sind wieder besser ausgeleuchtet: 'Während der Energiekrise war Stromsparen der richtige Weg und wir hatten die Leuchtzeiten reduziert – jetzt sorgen längere Beleuchtungszeiten wieder für mehr Licht und damit für mehr Sicherheit.'

Enge Zusammenarbeit mit Polizei und Sicherheitswacht

Bereits im Frühjahr haben die Stadtwerke die Kooperation mit der Polizei deutlich intensiviert. Es gab vertiefende Gespräche und gemeinsame Fokuskontrollen rund um die ZOH. 'Wir freuen uns sehr, dass die Polizei eng an unserer Seite steht. Jeder weiß, wie viel die Beamtinnen und Beamten zu tun haben – und trotzdem sind sie inzwischen noch häufiger an der ZOH präsent', sagt Rützel. Zudem besteht ein direkter Draht zur Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, die dazu ermuntert, bei Vorkommnissen sofort anzurufen. Auch die Fahrerinnen und Fahrer der Stadtwerke wurden sensibilisiert, da es in der Vergangenheit Vorbehalte gab, bereits bei kleineren Vorfällen den Notruf zu wählen.

Ein weiterer wichtiger Partner ist die Sicherheitswacht. Ihre Mitglieder sind regelmäßig rund um die ZOH unterwegs und begleiten – soweit es die Kapazitäten zulassen – auch Fahrten in den Bussen. 'Diese Präsenz ist ein zusätzlicher Baustein unserer gemeinsamen Bemühungen und trägt spürbar dazu bei, das Sicherheitsgefühl zu stärken', sagt Rützel.

Gemeinsam für ein sicheres Umfeld

Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten ist entscheidend für die positiven Entwicklungen. 'Es ist gut und wichtig, dass wir diese Diskussion führen. Als wichtiger Player an der ZOH wissen wir um die Sorgen von Fahrgästen und Mitarbeitenden. Diese nehmen wir und auch alle anderen Beteiligten ernst. Vor diesem Hintergrund konnten wir einiges bewegen – und wir werden uns auch künftig aktiv einbringen, damit die ZOH ein sicherer Ort bleibt.'"

Wie die Bayreuther Polizei auf die Debatte blickt

Die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt veröffentlichte kurz darauf, am frühen Donnerstagnachmittag, folgende Mitteilung zur Sicherheit an der ZOH:

"Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Bayreuth zu erhalten ist unsere vordringlichste Aufgabe als Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt. Um innerhalb des Stadtgebiets die richtigen Schwerpunkte zu setzen, befassen wir uns ständig und intensiv mit den Kriminalitätsentwicklungen, neuen Phänomen und sich verändernden Örtlichkeiten. Dabei entwickeln sich die objektive Sicherheitslage und das Sicherheitsempfinden der Menschen nicht immer im Gleichklang. Dieses Bild zeigt sich für uns auch an der Zentralen Omnibushaltestelle. Auch wenn die Anzahl der dort begangenen Straftaten in Summe ähnlich bleibt, stellen wir fest, dass sich dort immer mehr Menschen unwohl fühlen. Diese Besorgnis nehmen wir sehr ernst und haben dies auch in der Vergangenheit schon getan.

Im Zusammenspiel mit vielen Beteiligten, u.a. der Stadt Bayreuth, als Sicherheitsbehörde, den Stadtwerken Bayreuth, den Gewerbetreibenden und Anlieger/innen, möchten wir diese Verunsicherung zum Positiven wenden.

Zukünftig werden wir über den Presseverteiler wöchentlich, dienstags, eine Zusammenstellung der vergangenen Ereignisse vom ZOH versenden. Damit möchten wir unsere bisherige, transparente Öffentlichkeitsarbeit fortführen und Geschehnisse sowie polizeiliche Maßnahmen in den zeitlichen Kontext einer Woche setzen."

Die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt appelliert an dieser Stelle in ihrer Mitteilung an Medienschaffende: "Wenn Sie möchten, können Sie als Medienschaffende Ihren Beitrag zu einem positiven Sicherheitsgefühl an der ZOH leisten: Teilen Sie unsere Informationen gerne mit Ihren Nutzerinnen und Nutzern. Bitte verlieren Sie, als Sprachexpertinnen und -experten, dabei nicht aus den Augen, dass auch Ihre Arbeit, insbesondere Ihre Wortwahl, das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinflusst. Begriffe, wie z. B. Jugendgangs, sind geeignet eine Analogie zwischen Bayreuth und nationalen/internationalen Ereignissen herzustellen, die objektiv nicht besteht und der punktuellen Ansammlung von Jugendgruppen an der ZOH nicht gerecht wird."

Historie

Weiter heißt es in der Mitteilung: "Die ZOH Bayreuth ist seit vielen Jahren ein belebter Ort in zentraler Lage. Neben den potentiell etwa 6 Mio. Fahrgästen, die dort jährlich bewegt werden, dient der Platz auch als Treffpunkt und Aufenthaltsort, z. B. für Jugendliche oder soziale Randgruppen - u. a. Alkoholkonsument/innen und Obdachlose.

Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Milieus verläuft oft problemlos, führt aber auch zu Verunsicherung, deviantem Verhalten, Ordnungsstörungen und Straftaten.

In früheren Jahren bestand an der ZOH eine städtische Videoüberwachung, die aus Datenschutzgründen zurückgebaut werden musste. Seither arbeiten viele Beteiligte zusammen, die objektive Kriminalitätslage am ZOH auf einem stabilen Niveau zu halten. Für einige Menschen fühlt sich das aktuell anders an.

Begriffsklärung: subjektive Sicherheit und objektive Sicherheitslage

Die subjektive Sicherheit beschreibt das persönliche Sicherheitsempfinden von Menschen in einem bestimmten Raum. Diese Emotion ist schwer messbar und die Validität wird von vielen Variablen begleitet, z. B. Sozialisation, Milieu, Erfahrungen, Einstellungen, Mediennutzung (u.a. Social Media), Ereignisqualität (gefährliche Gegenstände im Spiel?). Folglich kann es zu einer Abweichung zwischen objektiver Lage und subjektivem Gefühl kommen.

Die objektive Sicherheitslage wird anhand von überprüfbaren Daten, u.a. in der Polizeilichen Kriminal Statistik (PKS) ausgewiesen. Diese Daten basieren auf Erkenntnissen aus dem Hellfeld, also auf Fällen, die der Polizei bzw. den Sicherheitsbehörden bekannt sind - durch Anzeigeerstattungen von Bürgerinnern und Bürgern oder eigene Feststellungen der Polizei. Es ereignen sich jedoch auch Taten im Dunkelfeld, welche die Sicherheitslage zwar beeinträchtigen, aber nicht in Statistiken der Sicherheitsbehörden aufgeführt werden können.

Objektive Sicherheitslage an der ZOH

Über einen Zeitraum der letzten fünf Jahre betrachtet, verzeichnen wir an der ZOH eine vergleichbare objektive Sicherheitslage auf niedrigem Niveau. Vom Jahr 2023 zum Jahr 2024 lässt sich in der PKS eine Steigerung in den Bereichen Körperverletzungs- und Eigentumsdelikten ablesen. Insgesamt verzeichnen diese Deliktsfelder eine Summe im niedrigen, zweistelligen Bereich. Dem gegenüber steht eine verhältnismäßig kleine und hoch frequentierte Fläche (jährlich ca. 6 Mio. Fahrgäste sowie Treffpunkt/Aufenthaltsort für verschiedene Gruppen - siehe oben).

Im gleichen Zeitraum fielen die Fallzahlen der Rauschgiftdelikte sowie der strafrechtlichen Nebengesetze, so dass die Summe der Fallzahlen im Raum ZOH nahezu ähnlich und stabil bleibt.

Aufgrund des hohen Personenaufkommens und der damit einhergehenden, höheren Sozialkontrolle gehen wir davon aus, dass das Dunkelfeld eher niedrig ist, also im Umkehrschluss begangene Straftaten den Sicherheitsbehörden bekannt werden. Daraus schlussfolgern wir, dass die bekannten Zahlen realitätsnah sind. Die unauffällige, objektive Lage lässt uns aber nicht ruhen. Wir arbeiten weiter intensiv daran, dass sich die Sicherheitslage insgesamt verbessert.

Subjektive Sicherheit an der ZOH

Menschen, die häufig die ZOH frequentieren, nehmen witterungsabhängig Jugendgruppen wahr, die in ihrer Erscheinung, z. B. Verhalten (Lärmen, Spucken, ggf. Müll hinterlassen, ggf. jugendtypisches Kräftemessen), teils nichtdeutsches Aussehen/fremde Sprache, für Verunsicherung sorgen können.

Parallel wird die ZOH von sozialen Randgruppen als Treffpunkt genutzt, um z. B. Alkohol zu konsumieren. Dies wird begleitet von ähnlich 'norm-abweichendem' Verhalten wie oben beschrieben.

Nicht zuletzt im Kontext der deutschlandweiten Gesellschaftsdiskussionen, z.B. der 'Stadtbild'- Debatte, wird die beschriebene Situation in den zentralen Fokus gerückt.

Auch Vorfälle, wie zuletzt eine junge Frau, die ihren Bekannten im Streit an der ZOH gezielt mit einem Teppichmesser im Gesicht verletzte, lenken die Aufmerksamkeit und beeinträchtigen nachvollziehbar das Sicherheitsgefühl.

Maßnahmen

Die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt beobachtet fortlaufend die Situation in der Bayreuther Innenstadt – besonders an der ZOH. Zusammen mit anderen Beteiligten beugen wir negativen Entwicklungen vor und reagieren in kritischen Situationen angemessen. Das aktuell beeinträchtige Sicherheitsgefühl hat zu einer Intensivierung der Maßnahmen geführt - insbesondere erhöhter, sichtbarer Präsenz- und Kontrolltätigkeit über mehrere Stunden täglich.

Beteiligt sind hier die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, die dazugehörige Sicherheitswacht sowie die Zentralen Einsatzdienste Bayreuth: Auf Fußstreife versuchen wir in Gesprächen und Kontakten mit Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln - bei möglichen Störerinnen und Störern schreiten wir konsequent ein: Neben Personenkontrollen werden lageangepasst Platzverweise ausgesprochen (in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken auch Hausverbote) sowie Vorkommnisse konsequent zur Anzeige gebracht und durch die Verfolgungsbehörden geahndet.

Bauliche Aspekte, z. B. Verbesserung der Beleuchtungssituation in Zusammenarbeit zwischen Stadt Bayreuth und Stadtwerken, werden genauso unter die Lupe genommen wie kreative Ideen, die ZOH weiter attraktiver zu gestalten, z. B. die Einbindung ins Projekt 'Wagner-Jubiläum 2026'. Denkbar wäre z.B. das Abspielen klassischer Musik - die ZOH integriert ins künstlerische Gesamtkonzept. Hierfür gibt es bereits positive Erfahrungswerte aus anderen Städten mit ähnlichen Herausforderungen.

Möglichkeiten von Videoüberwachung werden genauso geprüft, wie die Schaffung von Aufenthaltsorten für Jugendliche oder der Ausbau der mobilen Jugendarbeit.

Neben Präventionsunterrichten, auch lageorientiert, bieten wir an ausgewählten Schulen Sprechstunden an, um aufkommenden Herausforderungen frühzeitig begegnen zu können. Auch polizeiinterne organisatorische Maßnahmen, z. B. Zentralisierung von Sachbearbeitung oder Fokussierung von Kapazitäten, flankieren die Sicherheit an der ZOH.

Ereignisse und Maßnahmen kommunizieren wir transparent, über Pressearbeit, persönliche Gespräche aber auch über politische Gremien, wie z. B. im Stadtrat.

Wie geht’s weiter?

Die ZOH bleibt weiter im Fokus der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt. Zusammen mit allen Beteiligten arbeiten wir weiter unnachgiebig an der Verbesserung, auch bei der subjektiven Sicherheit. Daher unser Appell: Jede/r Einzelne kann dazu einen Beitrag leisten! Und einige haben eine besondere Verantwortung hierfür!

Die Gründe der individuellen, subjektiven Sicherheit sind unterschiedlich. Wichtig ist, sich dieser Ursachen bewusst zu werden und den Sicherheitsbehörden der Stadtverwaltung oder der Polizei mitzuteilen. Hierfür gibt es sogar seit einiger Zeit ein städtisches Hinweistelefon (Mängel-Melder; https://online-dienste.bayreuth.de/frontend-server/form/provide/857/). Kritische, eilbedürftige Ereignisse dürfen sofort über den Polizeinotruf 110 gemeldet werden.

Wir, als Polizei, werden weiterhin für die Sorgen und Nöte der Bayreuther Bürger da sein und sorgfältig ausgewählte Maßnahmen treffen, um die Situation zu verbessern, Gefahren abzuwehren oder Straftaten zu verfolgen. Somit nehmen wir unsere besondere Verantwortung wahr."