Nach Schließung von "Fusion" und "Halifax": Warum es schwieriger wird, eine Diskothek erfolgreich zu betreiben Im Nachtleben gehen die Lichter aus

Von Heike Hampl und Florian Zinnecker

Die Diskothek Halifax in Himmelkron ist mal geöffnet, mal geschlossen. Der letzte Betreiber gab den Laden nach wenigen Monaten auf. In Bindlach hat eine Rock-Disco eröffnet, in Bayreuth hat das "Fusion" geschlossen. In Trockau brummt das Geschäft seit Jahren, auch kleine Tanzcenter wie das in Breitenlesau funktionieren. Was Clubs und Diskotheken brauchen, um zu laufen - und was die Gäste wollen.

Im Bayreuther Nachtleben (hier ein Bild aus dem "Fusion", das in diesem Sommer schloss) gehen die Lichter aus. Foto: Harbach Foto: red

Das Problem ist immer dasselbe: Die Gäste reichen nicht aus. Der letzte Betreiber des Halifax wollte 2000 Gäste am Abend bewirten, gekommen sind am Ende weniger als 500.

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Conny Krug aus Breitenlesau rechnet gar nicht erst mit so vielen Gästen. Im Oktober geht in seinem Tanzcenter die Saison wieder los, fast jeden Samstag spielen dann Bands oder DJs legen auf. 500 Menschen müssen am Abend kommen, damit sich das rentiert. „Reich wird man dabei nicht“, sagt Krug.

In Breitenlesau feiert das Land-Publikum

Sein Vorteil: Das Tanzcenter gehört ihm, er zahlt keine Pacht. Das Bier und andere Getränke produziert er selbst. Und Krug ist seit 35 Jahren im Geschäft – er weiß, wie man kalkuliert. Wenn sich das Tanzcenter nicht rentieren würde, würde er es zusperren.

Musikalisch bietet Krug ein breites Programm: Heavy Metal, Pop, Rock, Charts. Aber auch Bands aus Sparten wie die Troglauer Buam. „Unser Publikum ist vom Land, Städter fahren kaum raus, um zu feiern.“

Volker Wrede ist Vorsitzender des Landesausschusses für Kultur und Szene beim Bayerischen Gaststättenverband. Er sagt: „Ein Wirt muss auch ein Betriebswirt sein. Die Szene hat sich stark professionalisiert.“ Wrede ist Experte: Er betreibt seit Anfang der 1990er Jahre den Live Club in Bamberg.

Als Wirt müsse man heute vorausschauender handeln als früher, sagt er. Im Sommer ist in Diskotheken weniger los als im Winter. „Wer im Winter keinen Speck anlegt, tut sich im Sommer hart“, sagt Wrede. War das früher anders? „Ja“, sagt Conny Krug aus Breitenlesau. „In den 80er und 90er Jahren war es viel einfacher, den Laden voll zu kriegen.“ Krug hat sein Tanzlokal dann auch am Freitag geöffnet, „um den Druck aus dem Samstag zu nehmen“. Disco-Experte Wrede sagt: „Die Goldgräberstimmung von damals ist vorbei.“

Disko-Betreiber brauchen kaufmännisches Wissen

Trotzdem gibt es Menschen, die den Neustart in der Szene wagen. Andy Oliwa ist einer von ihnen. Er hat Ende August in Bindlach den Rock Bunker eröffnet. Oliwa ist kaufmännischer Betriebsleiter in einer Firma, „ohne diese Fähigkeit wäre es sicher sehr schwer“, sagt er. Weil noch immer eine Genehmigung fehlt, ist der Rock Bunker noch nicht in Betrieb. „Die Resonanz war bisher überwältigend, deswegen hoffe ich, dass wir eine Lücke füllen und das Geschäft am Ende läuft.“ 100 Gäste an einem normalen Abend braucht Oliwa, so hat er es kalkuliert.

Der bürokratische Aufwand, steigende Kosten für Gema, die Künstlersozialkasse, Steuern, die korrekte Anmeldung der Mitarbeiter, Auflagen für die Räumlichkeiten, das Rauchverbot, Beschwerden über Lärm, „die Zügel in dem Gewerbe wurden angezogen“, sagt Wrede. „Wer kein guter Geschäftsmann ist, verliert ruckzuck viel Geld.“ Er sieht auch darin Gründe dafür, dass Diskothekenbetreiber scheitern. Ein guter Wirt brauche aber auch ein Gespür für sein Publikum. „Ich kann mich nicht auf die 18- bis 25-Jährigen versteifen, wenn mittlerweile auch 60-Jährige noch feiern gehen wollen“, sagt Wrede.

Musik, Einrichtung, Getränke - kein Konzept hält ewig

Er rät Wirten dazu, ihre Einrichtung, die Getränke, die Preise, die Türpolitik, die Musikrichtung und die Art der Werbung regelmäßig zu prüfen und anzupassen, „kein Konzept hält ewig“, sagt er. „Wenn sich die Regeln ändern, muss ich das Spiel ändern. Dafür sind wir Unternehmer.“ Und wenn das Publikum nicht mitspielt, sagt Wrede, dann muss der Wirt sich eben ein anderes suchen – mit Nachdruck.

Wenn ein Laden schließt, bricht noch nichts weg, sagt Engin Gülyaprak, „Ponte“-Wirt und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. Wenn ein Laden schließt, kommt immer was Neues nach.

Zwei leerstehende Clubs in Bayreuth

Zurzeit steht das Bayreuther Nachtleben allerdings vor einem tiefen Einschnitt – wegen zweier Clubs, die zwar unterschiedliches Publikum anzogen, aber in unmittelbarer Nachbarschaft standen: Das „Fusion“ in der Sophienstraße hat geschlossen – und ob die Suite am Kirchplatz nach dem plötzlichen Tod ihres Betreibers eine Zukunft hat, ist offen. Feiern gehen – das ist in Bayreuth in diesem Sommer wieder ein Stück schwieriger geworden.

„Derzeit geschlossen“, steht auf der Facebook-Seite des Clubs "Fusion" in der Sophienstraße, ändern wird sich daran nichts mehr. Hier hatte lange das „Sophies“ seinen Sitz, betrieben von Gerd Herold, der im Januar 2012 überraschend starb. Nach langer Pause eröffnete das „Moyo“, das bald unter dem Namen „Fusion Club“ neu eröffnete. Wie im „Sophies“ fanden hier nicht nur eigene Veranstaltungen, sondern auch Oberstufen-Partys statt.

Wohnungen statt Tanzfläche

Nun ist klar: Das „Fusion“ war der letzte Club an diesem Ort – der Eigentümer des Hauses will die Räume zu Wohnungen umbauen. Zu oft hatten sich Anwohner über den Lärm beschwert. Über die Ursachen der Schließung heißt es hinter vorgehaltener Hand, der Laden lief nicht. Engin Gülyaprak will dazu nichts sagen, er sagt nur: „Einfach mal einen Laden aufmachen und dann weiterschauen – das geht heute nicht mehr.“

Der "Suite"-Club neben der Stadtkirche – zuvor ebenfalls von Gerd Herold als „Café Engel“ bewirtschaftet, dann in den Club „Angels“ umgewandelt“ – lief gut, hatte die Probleme des „Fusion“ nicht. Der Laden lief, das Konzept ging auf, das Verhältnis zu den Anwohnern soll gut gewesen sein. Dann starb Betreiber Christian Parchent. Wie es jetzt weitergeht, ist offen – „vielleicht sagt ein Mitarbeiter, er übernimmt das“, sagt Gülyaprak. Im Moment ist diese Frage ungeklärt.