Nach Gold und Silber bei Paralympics Felix Streng für Heimatbesuch in Coburg

Der Para-Sprinter Felix Streng besucht seine Heimat Coburg. Der 26-Jährige spricht in der HUK-Arena über seinen sportlichen Neufang in London – und die Krönung in Tokio.

Coburg - Dunkle Hose, dunkles Sakko, weißes Shirt. Auf den ersten Blick wird nicht unbedingt deutlich, dass es um einen Weltklasse-Sportler geht, der am Mittwochvormittag bei strömendem Regen den VIP-Raum der Coburger HUK-Arena betritt. Felix Streng, 26, wurde im Feburar 1995 im bolivianischen La Paz ohne rechten Unterschenkel geboren und verbrachte seine Jugend in Herbartsdorf, einem Nest im Landkreis Coburg. Von dort aus brachte es der junge Mann zu einem der besten Para-Leichtathleten des Planeten. Bei den Anfang September zu Ende gegangenen Paralympics holte er in Tokio Gold über 100 Meter und Silber über 200 Meter.

Nun, gut zwei Wochen später, besucht der Ausnahmesportler seine Heimat. „Ich bin jedes Mal begeistert, mit welch offenen Herzen ich hier empfangen werde“, sagt er während eines Pressegesprächs an der Seite von Coburgs 3. Bürgermeister Thomas Nowak, Oberbürgermeister Dominik Sauerteig und dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Stephan Horn. Die Wifög bereitete dem Gold- und Silbermedaillengewinner einen warmen Empfang und freute sich, dass er erneut Zeit gefunden hat für einen kurzen Abstecher in die Vestestadt. Aktuell habe er relativ viele Termine, am Donnerstag nimmt er am Rande des weltberühmten Reitsportturniers CHIO in Aachen an einer Podiumsdiskussion teil.

Die große Mission

Felix Streng erzählt bei dem etwa einstündigen Termin in der HUK-Arena unter anderem davon, wie ihn die Corona-Pandemie zum Nachdenken gebracht hat. In welchen Bereichen ist noch Potenzial vorhanden? Wie kann ich meine Leistung noch optimieren? Solche und ähnliche Fragen seien ihm durch den Kopf gegangen. Und so fasste er einen Entschluss, der großes Risiko mit sich brachte. Er brach alte Zelte ab, strukturierte sein Umfeld neu, um sich rein auf die große Mission zu konzentrieren, die über allem schwebte: Gold in Tokio zu gewinnen.

Streng habe, wie er sagt, sein „System auf links gedreht“. Das bedeutete: Neues Umfeld, neuer Wohnort, neuer Trainer, neue Prothesen. Alles auf Anfang, „immer mit der Vision, nach Tokio zu fahren und dort Gold zu holen“.

Der Sprinter aus Herbartsdorf verließ nach insgesamt acht Jahren in Leverkusen seine alte sportliche Heimat und orientierte sich neu in London. Es sei ein längerer „Auswahlprozess“ gewesen, erklärt er an diesem tristen Mittwochvormittag im Spätsommer, an dem die Coburger Handballer während des Pressegesprächs in der Halle schwitzen. In puncto Leichtathletik sei England führend, was Prozessoptimierung betreffe. Belastung, Regeneration, Krafttraining, Athletik, Technik. „Dort habe ich eine neue Art gefunden, zu trainieren.“

„Raus aus der Komfortzone“

Weil die Einreise nach England aufgrund der Pandemie teilweise eingeschränkt wurde, mussten andere Lösungen her. Mehr als 2000 Videos von Trainingseinheiten habe sein Team aufgenommen und ausgewertet. Kamen persönliche Treffen nicht zustande, gab es beispielsweise Zoom-Konferenzen. Streng findet Mittel, um seine Ziele zu erreichen. Seine Message an diesem Tag auf der Lauterer Höhe ist: „Man muss sich nur trauen, neue Wege zu gehen und auch mal aus der Komfortzone raus.“ Jede Behinderung sehe er als Herausforderung und eben nicht als Handicap, von dem er sich einschränken lasse.

Felix Streng ist auf Sponsorensuche, auch im Coburger Land, um sein Training weiter professionalisieren zu können. Denn die nächsten Ziele sind klar: In Tokio brauchte er 10,76 Sekunden für die 100 Meter. In Zukunft schielt er auf die 10,5-Sekunden-Marke. „Wir setzen uns kein Limit.“ Mit wir meint der 26-Jährige sein neues Team, das er in London an seiner Seite weiß.

Titelverteidigung?

Aktuell setzt ihn ein Muskelfaserriss außer Gefecht, schon bald möchte er aber wieder ins Training einsteigen. Schließlich hat er schon die nächste Goldmission im Blick: Titelverteidigung bei den Paralympics in Paris 2024.

 

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