Nach der Sommerpause Ansturm auf Tafelladen

(1)
Wenn es nicht so viele private Spender gäbe wie das Ehepaar Reinhard und Ursula Lammel, sähe es bei der Tafel schlecht aus. Allein mit den Lieferungen aus den verschiedenen Supermärkten könnte die Bayreuther Tafel die Nachfrage nicht befriedigen. Rechts Tafel-Vorsitzende Ingrid Heinritzi-Martin, daneben Ladenleiter Stefan Kühnlein. Foto: Archiv/Gabi Schnetter/Gabi Schnetter

Die Situation ist angespannt. Immer mehr Menschen wollen und müssen bei der Tafel einkaufen. Die Lebensmittellieferungen nehmen aber ab.

20 Neuanmeldungen waren es allein am Freitag, am Tag vor der nächsten Öffnung des Tafelladens am Samstag. Und 164 Kunden kamen bereits am Mittwoch, dem ersten Termin der Bayreuther Tafel nach der Sommerpause. Die Situation ist angespannt, sagt Ingrid Heinritzi-Martin, Vorsitzende der Bayreuther Tafel.

„Keiner ging leer heim“

Dicht gedrängt stehen die Menschen und hoffen auf Lebensmittel. „Keiner ist an diesem Tag leer heimgegangen,“ betont Ladenleiter Stefan Kühnlein, auch wenn es an manchen Dingen fehlte. „Wurst und Käse, aber auch Joghurt bräuchten wir.“ Und das, obwohl man sich bei der Tafel schon vor längerer Zeit entschlossen hat, dass die Kunden, die alle einen Tafelausweis benötigen, nur alle 14 Tage einmal einkaufen dürfen. In einer Woche die mit den geraden, in der anderen die mit den ungeraden Nummern. Trotzdem geht es immer knapp zu bei der Ausgabe. „Wenn wir nicht die vielen privaten Spender hätten, ginge schon lange nichts mehr,“ sagt Heinritzi-Martin. Die Lieferung von Lebensmitteln kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus den Supermärkten – der eigentlichen Tafel-Idee –sei weniger geworden, erklärt Kühnlein.

„Vor allem Frauen schämen sich“

Immer mehr Menschen, die sich in ihrer Not an die Tafel wenden. Und das, obwohl sich viele, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, immer noch nicht trauen, zur Tafel zu gehen. „Vor allem Frauen schämen sich wegen ihrer Situation.“

Bis zu 180 Kunden pro Tag

Bis zu 180 Kunden kommen pro Ausgabetag. „Und im Herbst und Winter werden es noch mehr werden,“ vermutet Heinritzi-Martin. Versorgt werden damit aber viel mehr. „Man kann die Zahl mal drei nehmen. Viele Mütter mit Kindern sind zur Zeit dabei.“

Weniger Ladenpaten

Und noch etwas zeichnet sich ab: manche Ladenpaten kündigen ihre Mitgliedschaft, weil sie die finanzielle Unterstützung nicht mehr aufbringen können. „Auch das verschärft die Situation.“

„Menschen in Not“ hilft

Die Kurier-Stiftung „Menschen in Not“ hat sich entschlossen, die Tafel erneut zu unterstützen mit einer großen Lebensmittelspende.

Ebenfalls weitergeführt wird das Projekt Lebensmittelgutscheine, die über die Arbeiterwohlfahrt Stadt und Land ausgegeben werden. Ermöglicht wird das über die unglaubliche Spendenbereitschaft unserer Leser. 5430 Euro wurden dafür in den letzten Wochen bereitgestellt.

Autor

 

Bilder