Nach Eishockey-Derby-Absage Chronologie eines verflixten Freitags

Andreas Pöhner und Oliver Opel
Besonders die Bayreuther Fans – unser Bild zeigt einen kleinen Teil der nach Selb gereisten Tigers-Anhänger – waren am Freitag über die kurzfristige Spielabsage verärgert. Foto: /Mario Wiedel

Die kurzfristige Absage des DEL2-Derbys zwischen dem VER Selb und den Bayreuth Tigers hat für Frust und Ärger gesorgt. Die Wölfe-Verantwortlichen haben den Tag noch einmal aufgearbeitet.

Selb - Eigentlich sollte es ja ein schöner, stimmungsvoller Eishockeyabend werden. Selber Wölfe gegen Bayreuth Tigers. Die „Mutter aller Derbys“. Fans, Verantwortliche und Spieler beider Vereine waren heiß. Alles war angerichtet für ein Eishockeyfest. Doch was dann passiert ist, da hätte man meinen können, es ist Freitag, der 13. Dabei war es doch erst der 5. November. Am Vormittag, ab kurz vor 9 Uhr, überschlugen sich im VER-Lager die Ereignisse. Corona-Hiobsbotschaften und Entwarnungen wechselten sich ab – und gipfelten am Abend, 40 Minuten vor dem geplanten Spielbeginn, letztendlich in der kurzfristigen Absage.

Überrascht davon wurden nicht nur die geschätzt 2000 bis 2500 Besucher, die sich zum Zeitpunkt der Absage bereits in der Netzsch-Arena aufhielten, sondern auch viele Fans, die noch auf dem Weg ins Vorwerk waren oder in langen Schlangen vor dem Stadion standen. Und nicht wenige davon waren auch verärgert darüber, dass das Derby so kurzfristig abgesagt worden ist. Hätte der VER Selb also früher reagieren und anders vorgehen müssen?

Ja, meinten viele Fans – nicht nur, aber vor allem natürlich aus Bayreuth – in den sozialen Medien. Ja, meinte auch Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel. Er habe am Freitag schon um die Mittagszeit dafür plädiert, die Partie zu verlegen. Was wiederum von den Selbern abgelehnt worden sei. „Das Ende vom Lied ist nun, dass kurzfristig abgesagt werden musste und viele Fans umsonst nach Selb gekommen sind“, sagte der Bayreuther Geschäftsführer am Freitagabend unserer Zeitung.

Das aber will VER-Vorsitzender Jürgen Golly nicht so stehen lassen. „Wir haben mit Matthias Wendel überhaupt nicht gesprochen, sondern nur mit Herrn Rudorisch von der DEL2-Ligenleitung.“ Und von Rudorisch habe der VER Selb um die Mittagszeit die Information erhalten, dass das Spiel stattfinden kann und auch die Tigers mit der Austragung einverstanden wären, wenn nur ein Selber Spieler positiv, alle anderen aber negativ getestet seien. Auch bei den Tigers hat sich laut Wendel ein Spieler im Vorfeld der Partie in Quarantäne begeben, obwohl er negativ getestet worden war. Hintergrund: Seine Freundin hatte sich mit dem Virus infiziert.

Nichtsdestotrotz haben Golly und zweiter Vorsitzender Thomas Manzei am Samstagnachmittag die Ereignisse des Freitags noch einmal akribisch aufgearbeitet. Hätte man anders handeln sollen? Wurde irgendwas übersehen? Das waren die Fragen, die die Wölfe-Verantwortlichen – neben der Sorge um die betroffenen Spieler – umtrieben. „Uns ist daran gelegen, die ganze Situation aufzuarbeiten und transparent zu machen, um Unklarheiten aus dem Weg zu räumen“, wird Manzei in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert. In dieser Mitteilung hat der VER auch nochmals die Chronologie des Freitags minutiös aufgeführt:

8.56 Uhr: Trainer Herbert Hohenberger informiert den Vorstand, dass sich ein Spieler unwohl gefühlt hat, dieser sofort von der Mannschaft separiert und ein Schnelltest durchgeführt wurde, der positiv ausgefallen war. Der Spieler wurde daraufhin umgehend nach Hause geschickt. Der Vorstand ordnet an, alle Spieler zu testen, was auch umgehend geschieht.

9.30 Uhr: Die DEL2-Ligenleitung wird über die Situation informiert. Es kommt die Weisung, dass umgehend das Gesundheitsamt zu informieren ist und die Testergebnisse abzuwarten sind. Das Gesundheitsamt wird sofort in Kenntnis gesetzt. Die Behörde bittet um schnellstmögliche Information bezüglich der Testergebnisse.

11.09 Uhr: Trainer Herbert Hohenberger informiert darüber, dass alle Testergebnisse negativ ausgefallen sind und keiner der Spieler über Symptome klagt. Gesundheitsamt und Ligenleitung erhalten diese Information unverzüglich. Die Ligenleitung kontaktiert die Bayreuth Tigers, der VER nochmals das Gesundheitsamt, das grünes Licht für die Durchführung des Spiels gibt: Wenn alle Spieler negativ getestet und symptomfrei sind, spräche nichts gegen die Durchführung des Spiels.

12 Uhr: Der Mannschaftsarzt des VER spricht direkt mit dem Arzt des Gesundheitsamtes, übermittelt die negativen Testergebnisse und Symptomfreiheit der übrigen Spieler. Die Aussage des Gesundheitsamtes, dass die Partie am Abend stattfinden kann, wird noch einmal bestätigt.

12.05 Uhr: Nochmaliges Telefonat mit der Ligenleitung: Bayreuth hatte wohl zunächst Bedenken bezüglich der Durchführung des Spiels geäußert, nach Erklärung der Vorgehensweise in Selb und der Einschätzung der Ärzte sowie des Gesundheitsamtes durch die Ligenleitung hätten sich die Bayreuther Verantwortlichen mit der Durchführung des Spiels einverstanden erklärt. Auch die Wölfe-Verantwortlichen stimmen der Spieldurchführung zu. Die Ligenleitung äußert die Bitte, dass weitere Reihentestungen durchgeführt werden sollen, sobald weitere Personen Symptome zeigen sowie am Samstag und vor dem ursprünglich geplanten Spiel am Sonntag in Kaufbeuren.

17.43 Uhr: Einer der VER-Physiotherapeuten meldet, dass ein weiterer Spieler über Symptome klagt und ein sofort durchgeführter Schnelltest positiv ausgefallen ist.

18.23 Uhr: Der VER-Mannschaftsarzt meldet, dass insgesamt vier Spieler Symptome zeigen und auch positiv getestet wurden.

18.30 Uhr: Der Trainer der Bayreuth Tigers wird über die aktuelle Situation informiert.

18.32 Uhr: Die Ligenleitung wird telefonisch über die aktuelle Situation informiert.

18.35 Uhr: Der VER-Vorstand spricht mit dem Mannschaftsarzt, um die Situation medizinisch einzuschätzen. Es erfolgt der dringende Rat, das Spiel abzusagen.

18.45 Uhr: Der VER telefoniert mit der Ligenleitung: Es wird einvernehmlich entschieden, das Spiel zu verlegen.

18.50 Uhr: Der Stadionsprecher informiert die bereits in der Netzsch-Arena eingetroffenen Zuschauer über die Spielabsage.

18.54 Uhr: Auf den gut gefüllten Rängen stimmen die Selber Fans einige Gesänge an. „Ihr könnt nach Hause fahren“, schallt es unter anderem etwas ironisch in Richtung Bayreuther Fanblock. Von dort kommt ein laustarkes „Absteiger“ zurück.

Kurz notiert

.Kaufbeuren-Spiel abgesagt

Auch das Spiel der Wölfe am Sonntag in Kaufbeuren wurde abgesagt. „Im Interesse einer sowohl für die Clubs als auch Fans planbaren Spieldurchführung wird die Partie verlegt“, teilte die DEL2 am Samstagmittag mit. Die Entscheidung sei einvernehmlich mit beiden Vereinen getroffen worden.

Die Terminierung für die Neuansetzung des Oberfrankenderbys zwischen den Wölfen und Tigers sowie des Spiels in Kaufbeuren erfolge im Laufe dieser Woche..

PCR-Tests

Die komplette Mannschaft des VER Selb hat sich am Samstagvormittag einem PCR-Test unterzogen. Die Ergebnisse lagen dem Verein bis Sonntagabend noch nicht vollständig vor. „Es sind aber positive Fälle dabei“, sagte Vorsitzender Jürgen Golly.

Derby-Eintrittskarten

Der VER Selb teilt mit, dass alle für das Derby gegen Bayreuth gekauften Eintrittskarten für den Ersatztermin ihre Gültigkeit behalten. Weitere Informationen bezüglich einer möglichen Rückerstattung des Eintrittsgelds sowie einer Rückabwicklung der Sprade TV-Gebühren will der Verein bekannt geben, sobald er sich mit den entsprechenden Anbietern abgestimmt hat.

Länderspielpause

Am kommenden Wochenende findet wegen des Deutschland-Cups in Krefeld keine DEL2-Spiele statt. Das nächste Spiel für die Wölfe würde am Dienstag, 16. November, in Freiburg auf dem Programm stehen.

 

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