Nach dem Ammoniakunfall: Fischer wollen Artenvielfalt wieder herstellen Main auf Jahre hinaus geschädigt

Von Frank Schmälzle

Es wird Jahre dauern bis sich die Fischbestände im Roten Main erholt haben werden. Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirksfischereivereins Bayreuth, Peter Rösch, verendeten nach einem Ammoniakunfall am 7. August (der Kurier berichtete) zwischen dem Eisstadion und dem Zufluss des Mühlbachs über 1000 Fische. Die Fischer löffeln jetzt die giftige Suppe aus, die andere ihnen eingebrockt haben.

Einer von über 1000: Nach einem Giftunfall im August verendeten Fische im Roten Main. Foto: Harbach Foto: red

In ihrer Antwort auf eine Anfrage von Stadtrat Stefan Schuh (Junges Bayreuth) bestätigt die Stadtverwaltung die bislang nur vermutete Ursache des massenhaften Fischsterbens: Als das Eisstadion Anfang August für die laufende Saison vorbereitet wurde, ist ammoniakhaltiges Kühlmittel ausgetreten.

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Ein Mitarbeiter der Firma, die seit über 40 Jahren das Eisstadion wartet, hatte die Flüssigkeit nach Angaben der Stadt zunächst in einem Behälter aufgefangen. Warum dieser Mitarbeiter den giftigen Wasser-Ammoniak-Mix vermutlich in den Kanal, der eigentlich nur  Oberflächenwasser ableiten soll, geschüttet hat, ist derzeit noch offen. Die Stadt sagt: „Es wurden und werden alle Beteiligten darauf hingewiesen, dass über die Oberflächenentwässerung keine Entsorgung von schädlichen Flüssigkeiten erfolgen darf.“ Der Vorfall beschäftigt auch die Polizei, das Ermittlungsverfahren läuft.

Auslöffeln wird die giftige Suppe, die da in den Main floss, der Bezirksfischereiverein, der den Roten Main von der Stadt gepachtet hat und dort fischt. „Wir warten jetzt noch ab, ob sich die Situation weiter stabilisiert“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Peter Rösch. „Im Frühjahr werden wir versuchen, an eine Forellenbrut ranzukommen und die in den Roten Main einsetzen.“

Schwieriger wird es, den Kleinfischbestand wieder anzusiedeln. Denn solche kleinen Fische sind schwer zu bekommen, sie werden nicht gefischt und deshalb auch nicht gehandelt. „Wir werden es trotzdem probieren.“ Ziel der Fischer ist es, das Artenspektrum wieder so herzustellen, wie es vor dem 7. August war. Rösch sagt: „Das wird Jahre dauern.“

Hilfe von der Stadt können die Fischer nicht erwartet, die wartet ab. Für die Schäden hafte der Verursacher, heißt es aus dem Rathaus. Und: „Die Stadt Bayreuth hat keine unterstützenden Maßnahmen eingeleitet.“

Wichtiger als die Frage nach dem materiellen Schaden, der bei dem Unfall entstand, ist es Rösch, dass sich ein solch massenhaftes Fischsterben in Zukunft nicht wiederholt. Er fordert die Stadt auf, technische Veränderungen vorzunehmen. Wenn der Kanal, über den das Ammoniak in den Roten Main kam, allein dazu dient, Regen- und Oberflächenwasser der Kläranlage zuzuführen, lässt sich das auch auf anderem Weg lösen. Oberflächenwasser kann auch über den Abwasserkanal abfließen, der nicht in den Roten Main einleitet.

Genau das wird auch Stefan Schuh im Stadtrat zum Thema machen. Schuhs Anfrage hat sieben Punkte - einer davon: Was kann die Stadt tun, um einen solchen Zwischenfall für die Zukunft auszuschließen? Die Stadt beließ es bei der Aussage, alle Beteiligten seien informiert, dass belastete Flüssigkeiten nicht in den Roten Main gelangen dürfen. Schuh nennt das „schwach. Ich habe mir mehr Initiative von der Stadt erwartet.“ Die Firma, die die Wartungsarbeiten am Eisstadion, ist seit über 40 Jahren damit betraut. „Man muss also davon ausgehen, dass die Ortskenntnis vorhanden ist.“ Passiert ist es trotzdem - und die Verwaltung denke offenbar nicht über weitergehende Vorsichtsmaßnahmen nach.

Mehr noch will Schuh ansprechen. Das Sportamt der Stadt ist damit betraut, die Wartungsarbeiten am Eisstadion zu überwachen. Hat es Versäumnisse gegeben? Und: Die Stadt müsse sich grundsätzlich fragen lassen, wie sie mit Vorfällen am Roten Main umgeht. Zwei Tage vor dem Ammoniakaustritt aus dem Eisstadion war Klärschlamm aus dem Hallenbad in den Main gelangt. Dabei sei es zwar nach Angaben der Verwaltung nicht zu Schäden gekommen, sagt Schuh. Beruhigen kann ihn das nicht. Denn: Die Verwaltung habe es nicht für nötig gehalten, den Bezirksfischereiverein als Pächter von dem Klärschlamm im Main zu unterrichten. „Der Verein musste aktiv nachfragen“, sagt Schuh. „Das ist organisatorisch nicht in Ordnung.“