Aufstieg und Absturz in fünf Tagen DFB-Team vor USA-Spiel: Khedira wackelt

Von Michael Jonas

Nach dem 4:0 gegen Portugal hoch gelobt, nach dem 2:2 gegen Ghana heftig kritisiert – wie viel Rückhalt hat Sami Khedira noch bei Joachim Löw? Bastian Schweinsteiger steht bereit, den defensiven Mittelfeldspieler aus der Startformation zu verdrängen.

 Foto: red

Als der Bundestrainer Khedira in sein Aufgebot berief, handelte Löw gegen seine eigenen Prinzipien, nur fitte Spieler zur WM mitzunehmen. „Sami ist eine Persönlichkeit, auf und neben dem Platz“, verteidigte er seine Maßnahme, den gerade von einem Kreuzbandriss genesenen 27-Jährigen in den Kader zu berufen. Ihm wird ein sehr enger Draht zum Bundestrainer nachgesagt. Und er wird auch deshalb geschätzt, weil er konsequent seine Meinung vertritt. Muss Löw jetzt seinen Liebling aus dem Spiel nehmen?

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Der Sieg gegen Portugal war auch ein Sieg Khediras (Foto). Er war die treibende Kraft im defensiven Mittelfeld. Und die perfekte Ergänzung seines spielintelligenten Nebenmannes Philipp Lahm. Schweinsteiger war kein Thema. Bis eben zu jener 70. Minute des Spiels gegen Ghana, als Löw den kraftlosen gebürtigen Stuttgarter „erlöste“ und den Vizekapitän brachte. Und weil Schweinsteiger seine Chance nutzte, fing der Konkurrenzkampf um die zentrale Position im Team vor der Begegnung mit den USA wieder an.

Während Löw beeindruckt war von der Vorstellung des Bayern-Spielers („Er hat der Mannschaft einen Schub gegeben“), musste Khedira eigene Schwächen eingestehen. Der Champions-League-Gewinner mit Real Madrid fiel in der Hitzeschlacht von Fortaleza in ein Loch, scheint mit seinen Kräften am Ende. Von der sonst so hoch gelobten Einsatzfreude war nichts zu sehen. Nur 30 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er, die Passquote von 78 Prozent spricht nicht für ihn. Vielleicht ist es sogar besser, wenn der Mittelfeldmann heute geschont wird.

Fussball WM 2014 - Thema - Nordbayerischer Kurier

So beeindruckend seine Rückkehr war, so schnell kann es gehen, sich aus der Stammelf zu spielen. „Ich suche da keine Ausreden. Es war zu wenig“, gab Khedira nach dem 2:2 zu. Löw wird sich eingestehen müssen, dass er mit dem unbedingten Festhalten an Khedira vielleicht einen Fehler gemacht hat. Bei einem so kraftraubenden und intensiven Turnier sind Spieler gefragt, die der Hitze und den spielerischen Anforderungen standhalten können. Kann das Schweinsteiger? Er hat gegen Ghana nur 20 Minuten gespielt und war im WM-Vorfeld mit einer Entzündung der Kniescheibensehne ebenfalls angeschlagen.

Khediras Comeback war bewundernswert. Sein unbändiger Wille, nach seinem Kreuzbandriss zurückzukehren, sollte ein Symbol für die ganze deutschen Mannschaft sein: Yes, we can. Aus dem Helden ist der Buhmann geworden. Was hat Khedira falsch gemacht? Nicht viel. Er war nur mit seinen Kräften am Ende. Undank ist der Welten Lohn.