Kulmbach - Landrat Klaus Peter Söllner war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: Bereits in der Nacht zum Dienstag hatten die völlig erschöpften Pflegekräfte in den drei von Corona-Ausbrüchen betroffenen Seniorenheimen in Kulmbach und Wirsberg Unterstützung von der Bundeswehr. Die hat, nachdem bereits am Freitag schon die ersten Soldaten als „Helfende Hände“ in Kulmbach angekommen waren, nun auch noch 27 pflegeerfahrene Kräfte geschickt. Zwei von ihnen werden nun das Team des AWO-Seniorenheims Am Rasen verstärken 15 Soldaten greifen im besonders schwer betroffenen AWO-Heim in der Brenkstraße mit ein und zehn werden bis auf Weiteres bei Pro Seniore in Wirsberg eingesetzt. Die Soldaten, angeführt von Oberstabsfeldwebel Florian Haag, kommen vom Sanitätslehrregiment Feldkirchen.

„Bei aller bedrückender Situation, in der wir in den drei betroffenen Heimen sehr viele Todesfälle zu beklagen haben, ist das dennoch jetzt ein Tag der Hoffnung und der Dankbarkeit“, sagte Landrat Klaus Peter Söllner am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz. Dass nach den Soldaten, die (wie bereits berichtet) am Freitag schon als Helfer nach Kulmbach gekommen waren, nun auch noch echte Pflegekräfte von der Bundeswehr in der schweren Zeit im Landkreis helfen, bezeichnete Landrat Söllner als „beinahe ein Wunder“.

Extrem professionell und schnell sei die Hilfe angelaufen, nachdem Fachkräfte sich am Freitag vor Ort ein Bild der Lage gemacht haben.

Auch für die Bundeswehr sei dieser Einsatz ein Kraftakt gewesen, machte Yves Wächter vom Katastrophenstab des Landkreises deutlich. Er hat zusammen mit Oberstleutnant der Reserve Stefan Brütting diese für die Heime unschätzbar wichtige Hilfe organisiert. Eigentlich unglaublich sei es, dass so viele pflegeerfahrene Kräfte gewonnen werden konnten. Dabei sei es bei der Bundeswehr aufgrund der aktuellen Lage überall personell sehr eng. Doch die Lage in Kulmbach ist noch enger. Deswegen hat die Bundeswehr Personal von anderen Einsätzen abgezogen, Soldaten aus dem Urlaub geholt und andere ihre laufenden Fortbildungen und Kurse unterbrechen lassen.

Bisher, sagte Stefan Brütting, zuständig für die zivil-militärische Zusammenarbeit im Landkreis Kulmbach, die Region die Auswirkungen der Corona-Pandemie aus eigenen Kräften selbst stemmen können. „Dann steigen aber die Fälle extrem an, und wir brauchten externe Hilfe.“ Nur „Helfende Hände“ allein haben laut Brütting in der speziellen Lage, in der sich drei Seniorenheimen mit vielen infizierten Bewohnern und Mitarbeitern befinden, nicht mehr gereicht. Nach einer Befürwortung des Kulmbacher Antrags durch das Team, das am Freitag vor Ort gewesen ist, habe das Kommando für territoriale Aufgaben am Samstag schließlich grünes Licht gegeben.

Oberstabsfeldwebel Florian Haag ist Zugführer im Sanitätslehrregiment Feldkirchen bei Straubing. Er ist selbst Notfallsanitäter und Krankenpflegehelfer von Beruf. Die Soldaten, die er nun nach Kulmbach gebracht hat, sind alle „vom Fach“. Sie können den nun seit Wochen praktisch rund um die Uhr arbeitenden Pflegekräften in den Heimen echte Entlastung bringen. Bis Sonntag waren sie noch in Lenggries und haben dort in einem Hilfskrankenhaus gearbeitet, das zur Entlastung der Krankenhäuser in der ebenfalls von Corona schwer gebeutelten Region eingerichtet worden war.