Nach Beschwerdebrief Weißenstadt bleibt bei seinen Pollern

Sascha Fuchs

Der Sperrung am Campingplatz steht nun nichts mehr im Weg. Die Poller selbst stehen allerdings bald einer Menge Menschen im Weg, die dort eigentlich weiterhin entlangfahren wollen.

Es ist eine Entscheidung, die die Gemüter spaltet: Die Poller am Weißen-städter Campingplatz werden kommen. Auf der einen Seite dürfte das für rund 300 Weißenstädter eine herbe Enttäuschung sein. So viele Menschen haben nämlich den Beschwerdebrief an die Stadt unterschrieben, der sich mit genau diesem Thema befasst (unsere Zeitung berichtete). Die Verfasser und Unterzeichner des Anschreibens fordern, dass die Stadt eine alternative Lösung für das Problem am Campingplatz findet und den Beschluss über die Poller wieder zurücknimmt. Auf der anderen Seite steht aber auch eine Petition, unterschrieben von über 100 Menschen, die darauf drängen, dass sich an dem Durchgangsverkehr am Campingplatz dringend etwas ändern muss.

Doch worum geht es eigentlich im Detail? In der öffentlichen Sitzung am 14. September beschlossen die Stadträte, dass die Durchfahrt im Bereich des Weißenstädter Campingplatzes, an der Abzweigung in Richtung Sparnecker Straße beziehungsweise zum Fußballplatz, mit Pollern versperrt werden soll. Die Begründung: Die Straße durch den Campingplatz nutzen auch viele Verkehrsteilnehmer, die nicht den Campingplatz als Ziel haben und oft mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind. Dadurch entsteht zum einen Lärm und zum anderen auch eine Gefahr für die Camper, die die Stadt minimieren will.

Verschiedene Maßnahmen in der Vergangenheit

„Schon in den vergangenen Jahren haben wir uns mit dem Problem beschäftigt und auch verschiedene Maßnahmen ergriffen, die die gefahrenen Geschwindigkeiten reduzieren sollten“, erklärte Frank Dreyer. Doch keine Maßnahme habe die erhofften Erfolge erzielt. Im Gegenteil: „Teilweise kam es zu Beschimpfungen und Hupkonzerten durch uneinsichtige Verkehrsteilnehmer, wenn andere sich an die Vorschriften hielten.“Letztendlich sei es keine einfache Entscheidung gewesen, die Straße zu sperren. Doch die Stadt habe hier keine andere Lösung mehr gesehen.

Zu dem Beschwerdebrief nahm der Weißenstädter Bürgermeister Frank Dreyer bei der vergangenen Stadtratssitzung – wie im Vorfeld angekündigt – ausführlich Stellung und ging auf jedes einzelne Argument aus dem Anschreiben ein. Nach einem ersten Gespräch mit mehreren Anliegern habe Dreyer laut den Beschwerdeführern einem zweiten Gespräch zur Lösungsfindung zugesagt. Das bestätigte der Bürgermeister in seiner Stellungnahme und begründete es wie folgt: „In der Sitzung vom 14. September war geplant, in nichtöffentlicher Sitzung zur Vorbereitung auf dieses zweite Gespräch zu diskutieren. Die Mehrheit des Stadtrates hat dann aber entschieden, das Ganze in öffentlicher Sitzung vorzunehmen und auch sofort eine Entscheidung zu treffen.“ Dreyer sei es dadurch nicht möglich gewesen, seine Zusage einzuhalten. Das habe er dem Sprecher der betreffenden Gruppe auch am folgenden Tag mitgeteilt. Frank Dreyer entschuldigte sich dafür, betonte aber auch, dass nicht nur der Stadtrat, sondern auch er selbst zu der Entscheidung stehe.

Dreyer betonte auch, dass keine bestimmte Personengruppe und auch nicht die aktuelle Pächterin des Campingplatzes die Poller gefordert hatten. Es habe von verschiedenen Seiten aber immer wieder Hinweise auf die problematische Verkehrslage gegeben.

Sicherheit geht vor

Das Argument aus dem Beschwerdebrief, dass die Poller negative Auswirkungen auf den Umweltschutz haben, da die Grundstückseigentümer nun längere Wege fahren müssen, könne Dreyer nicht entkräften. „Der Stadtrat hat sich in Abwägung der Argumente für eine Erhöhung der Sicherheit für die Campingplatz-, Stadtbad- und Restaurantbesucher entschieden“, erläuterte Dreyer.

Ein weiteres Argument aus dem Beschwerdebrief: Beim Abbiegen aus der Sparnecker Straße auf die Zufahrt zum Fußballplatz – ein Weg, den beispielsweise die Fußballer nun fahren müssen – bestehe ein äußerst hohes Gefährdungspotenzial. „Dazu wird es noch einen Ortstermin mit Vertretern des Landkreises, der Straßenverkehrsbehörden und der Polizei geben“, versicherte Frank Dreyer.

Auch was die befürchtete Sperrung des Rettungsweges angeht, müsse man sich keine Sorgen machen: „Die Poller können von der Feuerwehr sowie von Hilfs- und Rettungsdiensten jederzeit entfernt werden.“ Für flüchtende Menschen sei der Weg weiterhin offen, nur eben nicht für deren Fahrzeuge.

Keine „Bestrafung“ der Anwohner

Den Vorwurf aus dem Beschwerdebrief, man würde durch die Poller lediglich die Anwohner bestrafen, wies Dreyer ausdrücklich zurück. „Es ist nur leider das Ergebnis davon, dass sich eine überwiegende Mehrheit nicht an die geltenden Verkehrsregeln gehalten hat“, stellte der Bürgermeister fest.

Es bleibt also bei der Entscheidung. Frank Dreyer ergänzte aber auch, dass die Stadt dennoch weiterhin gesprächsbereit und offen für Vorschläge sei.

Christian Schill aus der CSU-Fraktion des Weißenstädter Stadtrats hatte dazu direkt eine Idee: „Wir sind zwar weiterhin der Meinung, dass die Sperrung dringend notwendig ist, aber man könnte überlegen, Schlüssel an bestimmte Personen auszuhändigen, mit denen man die Poller zeitweise entfernen kann. Das müssten selbstverständlich Personen mit einem berechtigen Interesse sein – was genau das bedeutet, gilt es dann zu definieren.“ Außerdem brachte Schill den Vorschlag ein, den Pollern eine einjährige Testphase zu geben und danach zu analysieren, ob sie wirklich geholfen haben.

 

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