Nach 16 Stunden hat das Drama in Sydney ein Ende Geiselnahme beendet: Polizei stürmt Café

Mehr als 16 Stunden nach der Geiselnahme in Sydney hat die Polizei das Café gestürmt. Ein bewaffneter Mann hatte seit dem Morgen eine unbekannte Zahl von Menschen dort festgehalten. Der Mann war der Polizei als bereits auffällig gewordener Asylant aus dem Iran bekannt.

Nachdem ein Mann im australischen Sydney die Menschen eines gesamten Cafés als Geiseln genommen hat, wurden nach ersten Verhandlungen fünf Menschen freigelassen, darunter diese Frau, die in dem Café arbeitete. Foto: dpa Foto: red

Polizisten haben gut 16 Stunden nach dem Beginn der Geiselnahme in Sydney das Café gestürmt. Es waren laute Explosionen und Schüsse zu hören. Die Polizei brachte am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) Menschen auf Tragen aus dem Gebäude. Fünf Menschen waren bereits vorher aus dem Café entkommen.

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Polizeipsychologen hatten zuvor lange mit dem Mann verhandelt, berichtete die Polizei. Der Mann, dessen Identität und Motive zunächst nicht bekannt waren, zwang Geiseln, eine Fahne mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in arabischer Schrift an die Scheibe des Cafés zu halten.

Bei dem Geiselnehmer von Sydney handelt es sich nach Angaben der australischen Polizei um einen 50 Jahre alten Mann aus dem Iran. Er genießt nach diesen Angaben in Australien Asyl. Medien berichteten, dass er wegen sexueller Übergriffe und im Zusammenhang mit dem Tod seiner Frau unter Anklage stehe und zur Zeit gegen Kaution auf freiem Fuß sei. Er habe auch Hassbriefe an die Angehörigen gefallener australischer Soldaten geschrieben, berichtete etwa die Zeitung «The Age». Der Mann bezeichnet sich als Kleriker und Heiler und ist mehrfach bei Protest-Aktionen gefilmt worden.

Es gibt Anzeichen für einen politischen Hintergrund

Australiens Regierungschef Tony Abbott sagte am Morgen, es gebe Anzeichen für einen politischen Hintergrund. Polizeichef Andrew Scipione betonte aber, er könne einen Terrorhintergrund zunächst nicht bestätigen.

Der Mann war am Morgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Lindt Chocolat Café gestürmt. Er zwang zwei Frauen, eine schwarze Fahne mit weißer arabischer Schrift an das Fenster des Cafés zu pressen. Darauf stand das muslimische Glaubensbekenntnis, das Allah als einzigen Gott benennt und Mohammed als seinen Propheten. Eine solche Flagge werde auch von Dschihadisten in Syrien und im Irak verwendet, sagte der Terrorexperte Greg Barton im Fernsehen. Wie viele Menschen im Café waren, war zunächst unklar. Nach Angaben von Burns waren es weniger als 30.

Großmufti Australiens verurteilt die Tat

Der Großmufti Australiens verurteilte die Geiselnahme in einer Stellungnahme als kriminellen Akt. «Solche Aktionen werden im Islam verurteilt», teilte Ibrahim Abu Mohamed mit. Der Vorsitzende der libanesischen Muslime, Samier Dandan, sagte im Rundfunk: «Wenn die muslimische Gemeinde irgendetwas tun kann - wir sind bereit.»

Das Gebiet am Martin Place im Geschäftsviertel von Sydney wurde weiträumig abgesperrt. Mehrere Gebäude wurden geräumt. Einige Bürogebäude in unmittelbarer Nähe des Lindt Chocolat Cafés wurden aber abgesperrt und die Angestellten gebeten, dort auszuharren.

Vorsichtsmaßnahme: Opernhaus geräumt

Der Martin Place ist ein historischer Platz in der Fußgängerzone. In der Umgebung arbeiten Tausende Menschen. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere Bankzentralen, das Büro des Ministerpräsidenten von New South Wales und das US-Konsulat.

Als Vorsichtsmaßnahme wurde auch das Opernhaus geräumt. Nach Angaben der Polizei gab es aber keine weiteren Zwischenfälle in der Stadt. In Australien beginnt gerade der Sommer. Es ist Hochsaison in Sydney. In der Stadt dürften Zehntausende Touristen sein.

Australien ist seit September unter erhöhtem Terroralarm. Es gilt Alarmstufe drei der vierstufigen Skala, was bedeutet: «Terroranschlag wahrscheinlich». Bei einer Großrazzia hatte die Polizei im September nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein Passant auf offener Straße entführt und enthauptet werden sollte.

dpa