Müll in Bayreuth Pfandsystem statt Einwegbecher

„Kippen ohne Ende“ sammelt Bauhofmitarbeiter Harald Reichstein auf seinem täglichen Gang durch die Innenstadt ein. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Einwegbecher, Servietten und „Kippen ohne Ende“ sammelt Bauhofmitarbeiter Harald Reichstein mit dem Müllsauger auf seinem Gang durch die Innenstadt. Der 240 Liter fassende Müllsack reiche an manchen Tagen nicht aus. „Es liegt schon einiges rum“, sagt er. Gibt es in Bayreuths Innenstadt ein Müllproblem? Nein, betont Bauhofleiter Bernd Sellheim. Bewohner und Besucher würden zumeist die Abfallbehälter nutzen. Der weggeworfene Müll halte sich in Grenzen.

Besucher seien „voll des Lobes“, wie sauber es in der Stadt sei, sagt Frank Nicklas, Mitarbeiter der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH (BMTG). Besonders die Blumenpracht werde als „außergewöhnlich“ gepriesen. Müll spiele in der Stadt keine Rolle, ist Nicklas überzeugt. Im Gegenteil: „Unser Stadtbild ist picobello.“

Müll wird nicht getrennt

Es sind die fleißigen Helfer des Stadtbauhofes wie Reichstein, die täglich zwischen 6.30 und 15 Uhr und am Wochenende zwischen 6 und 10 Uhr die Abfallbehälter leeren und Müll sammeln. Darunter auch zahlreiche Einwegbecher. Das Aufkommen halte sich jedoch in Grenzen, sagt Reichstein. Hinzu kommen in den Sommermonaten noch die Becher aus den Eisdielen, sagt Sellheim, die zusammen mit den Kaffeebechern die Aufnahmekapazitäten der Mülleimer schnell sprengen können. In der Wilhelminenaue, wo das Stadtgartenamt für die Müllsammlung zuständig ist, habe man zwischenzeitlich ebenfalls reagiert und größere Behälter angebracht. Zwischen 1000 und 1500 Euro kostet jeder Müllbehälter die Stadt Bayreuth pro Jahr, sagt Sellheim. Getrennt werde der gesammelte Müll nicht, obwohl vieles eigentlich im Gelben Sack gesammelt werden müsste, sondern lande als Restmüll in der Verbrennungsanlage.

300 000 Einwegbecher könnten eingespart werden

Auch wenn man in den vergangenen Jahren keine Zunahme festgestellt hätte, will der Stadtbauhof das Aufkommen von Einwegbechern eindämmen. Man befinde sich aktuell in Gesprächen mit Gastronomen, Bäckereien und Eisdielenbetreibern, um zu erkunden, wie groß deren Bereitschaft ist, auf Mehrwegbecher umzusteigen, sagt Sellheim. Es gebe mehrere Firmen, die Pfandsysteme anbieten würden. Die Praxis sehe so aus, dass der Kunde für einen Mehrwegbecher Pfand bezahlt, das er bei der Rückgabe an anderer Stelle wieder zurückerhält. Der gespülte Becher werde erneut in den Umlauf gebracht. „Wir stoßen bisher überall auf offene Ohren für ein Pfandsystem“, freut sich Sellheim. Ein potenzieller Partner, die Universität, sei hingegen aus organisatorischen Gründen abgesprungen und führe zum Wintersemester ein eigenes Mehrwegsystem ein. Damit sollen, sagt Sellheim, pro Jahr 300 000 Einwegbecher eingespart werden.

Finanzielle Anreize schaffen, um vom Einweg loszukommen

Am Vorhaben der Umweltministerin Svenja Schulze, die Hersteller von Einwegprodukten an den Kosten für die kommunale Abfallbeseitigung zu beteiligen, hat Sellheim seine Zweifel. Wie will man den Anteil der Hersteller an den Müllentsorgungskosten bemessen?, fragt der Bauhofleiter. Eigentlich müssten doch die Verursacher, also die Nutzer der Einwegprodukte, dafür aufkommen. Eine Auffassung, die er mit Thorsten Becker, Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern, Bezirk Oberfranken, teilt. Wenn jemand die Kosten tragen müsse, sagt er, dann doch wohl der Kunde. Schließlich kaufe er das Einwegprodukt. Kaufe er es nicht, werde es auch nicht produziert. Um von Einweg wegzukommen, müsse man finanzielle Anreize schaffen. Wenn der Kaffee, der im Mehrwegbecher ausgeschenkt wird, günstiger ist als im Einwegbecher, werde der Verbraucher entsprechend wählen, ist er überzeugt. Einwegprodukte zu verbieten, sei hingegen der falsche Weg, sagt Becker. Bestes Beispiel seien Getränkedosen. Seit das Pfand auf 25 Cent hochgesetzt worden sei, würden sich Verbraucher zweimal überlegen, ob sie die Dose einfach wegwerfen. Man könne natürlich an die Vernunft der Verbraucher appellieren. Aber der größere Anreiz, sein Verhalten zu ändern, führe nun mal übers Geld.

 

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