Mountainbike Der erste Weltcup-Sieg

PEGNITZ. Vom Hobbyradler zum Sieger im Weltcup: Für Thomas Wickles aus Pegnitz ist dieser Traum wahr geworden. Der gebürtige Pegnitzer ist allerdings nicht als Fahrer aktiv, sondern als Teammanager.

„Ich bin schon immer viel Rad gefahren, meistens Mountainbike und Radrennen“, sagt Thomas Wickles über seine Leidenschaft, die er zum Beruf gemacht hat. In diesem erreichte er mit seinem Ghost Factory Racing (GFR) Team am vergangenen Sonntag den vorläufigen Höhepunkt: Beim Weltcup-Rennen der Frauen fuhr seine holländische Bikerin Anne Terpstra zum ersten Einzelsieg für das 2011 gegründete Team. Die restliche Mannschaft fuhr ebenfalls so gut, dass es für das Team des Waldsassener Fahrradherstellers Ghost an die Spitze der Teamwertung in Andorra ging.

Praktikum bei Ghost ebnet den Weg

Angefangen hat für Teammanager Wickles alles in Pegnitz. Im Jahr 2003 machte er hier am Gymnasium sein Abitur, anschließend ließ er sich im Fahrradgeschäft Radioaktiv zum Einzelhandelskaufmann ausbilden. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre in Bayreuth.

Das Ziel war für den heute 35-Jährigen immer klar, wie er sagt: „Das Radgeschäft sollte immer Teil meines Berufes werden.“ Der Weg eröffnete sich ihm dann in Form eines Praktikums während des Studiums beim Fahrradhersteller Ghost in Waldsassen.

200 Reisetage pro Jahr für das Team

Heute ist er Team-Manager des fabrikeigenen Rennteams. „Ich bin kein Trainer. Die Position ist vergleichbar mit dem, was Oliver Bierhoff bei der Fußballnationalmannschaft macht, oder der Teamchef in der Formel 1“, erklärt Wickles seinen Posten. Seine Aufgabe ist die Organisation der Rennwochenenden, die Entlastung der Athleten, das Bespaßen der Sponsoren.

Zum Wettkampf kommt das Team zu zehnt, fünf Athletinnen und das, was man im Englischen den „staff“ nennt: Mitarbeiter wie Wickles, Physiotherapeuten und Mechaniker. Wickles und seine Mitarbeiter fahren dem Rennkalender meistens hinterher, während die Athletinnen mit dem Flugzeug anreisen. „Priorität“, so der Manager, „ist es, den Reisestress für die Fahrerinnen gering zu halten.“ Der ist für das Team enorm: Rund 200 Reisetage bedeutet der Job für den 35-Jährigen im Jahr.

Extrem enges Feld

Arbeit, die sich am Wochenende auszahlte: der erste Weltcupsieg einer Radlerin des GFR Teams durch Anne Terpstra – gleichzeitig der erste Sieg einer Niederländerin in der Rennserie überhaupt – und als Sahnehäubchen die beste Teamleistung. „Das war ein besonderer Tag für uns alle“, sagt Thomas Wickles. „Man fing irgendwann an, sich zu fragen, ob der Sieg überhaupt noch kommt.“

Seit 2011 habe man bereits Erfolge gefeiert, aber „das hier war unser größter bisher“. Das Team im Generellen und besonders „die Anne“, wie er die 28-Jährige aus dem niederländischen Städtchen Zierikzee nennt, hätten bisher ein gutes Jahr gehabt. „In diesem extrem engen Feld ist sie konstant in die Top Zehn gefahren. Hier sind 60 bis 70 Spitzensportlerinnen, von denen rund 20 reale Siegchancen haben“, erklärt er die extreme Konkurrenzsituation. „Wenn du gewinnen willst, muss alles passen.“

Zweite Leidenschaft: Sportwagen

Wenn Thomas Wickles nicht mit seinem Team beschäftigt ist, zieht es ihn alle paar Wochen zurück in die Heimat. „Meine Mutter lebt noch in Pegnitz, also schaue ich gerne mal vorbei“, erzählt er. „Die Gegend ist nach wie vor super schön.“ Außerdem bieten sich hier nicht nur Möglichkeiten zum Mountainbiken, sondern auch für Wickles zweite große Leidenschaft: Sportwagen.

"Vergleichbar mit der Formel 1"

Der XC-World Cup, in dem das GFR Team antritt, hat sich laut Thomas Wickles in den vergangenen Jahren gerade in der Präsentation enorm weiterentwickelt. Die Rennen werden live auf Red Bull TV übertragen. Der österreichische Getränkehersteller sei auch anderweitig involviert. „Das Niveau der Übertragung ist sehr hoch, vergleichbar mit dem der Formel 1“, schwärmt der Manager.

Rennen auf 2000 Metern Höhe

Wer ihn sprechen will, muss hoffen, ihn am Handy zu erreichen. Gerade sind Wickles und sein Team im französischen Les Gets, um die Anreise zum nächsten Rennen am Sonntag zu organisieren. „Das Rennen hier ist anders als in Andorra. Das findet in rund 2000 Metern Höhe statt, die Luft ist extrem dünn. Hier kann alles ganz anders laufen.“ Man könne daher nicht einfach vom nächsten Sieg ausgehen.

Nervenbündel an der Strecke

Während des Rennens ist er neben der Strecke zu finden, Abstände messend und den Fahrerinnen zurufend – wenn er denn in der Verfassung dazu ist. „Als alter Rennfahrer bin ich manchmal ein richtiges Nervenbündel an der Strecke“, gibt er zu. „Dann ist mit mir nicht viel anzufangen.“

 

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