Kulmbach - „Absoluter Ausnahmezustand. Seit Mitte Dezember. Der Grund ist bekannt: Corona in unseren beiden Seniorenwohnheimen in Kulmbach. Die Mitarbeitenden tun alles in ihrer Macht Stehende, um den Betrieb am Laufen zu halten. Die Überstunden häufen sich. Die Belastung wächst. Das Limit ist längst erreicht – körperlich und psychisch. Wir wissen, was unseren Mitarbeitenden gerade auch in den vergangenen Wochen abverlangt wurde und versuchen sie so gut es geht in dieser Situation zu unterstützen und begleiten. Aus diesem Grund haben wie ein Hilfsangebot für sie eingerichtet.“ Mit diesen Worten informiert die Kulmbacher Arbeiterwohlfahrt über ein Angebot, das den Beschäftigten nun in dieser schlimmen Zeit zur Verfügung steht.

Dass der Betrieb bislang aufrechterhalten werden konnte, sei vor allem den Mitarbeitenden zu verdanken, teilt AWO-Geschäftsführerin Margit Vogel mit. Es sei schwer vorzustellen, wie hoch die Belastung ist, wenn man selbst nicht vor Ort war. „Diejenigen Mitarbeitenden, die noch nicht in Quarantäne oder positiv auf das Corona-Virus getestet sind, arbeiten teilweise seit Wochen durch, ohne einen Tag Pause. Sie häufen Überstunden an. Stellen ihre Privatleben hinten an. Weil ihnen das Wohl der Bewohner am Herzen liegt. Weil sie wissen, dass sie auf ihre Pflege angewiesen sind, machen sie weiter. Kümmern sich um ihre Seniorinnen und Senioren – auch die, die positiv auf das Corona-Virus getestet sind. Und so kommt zur körperlichen Belastung auch noch die psychische.“

Die Beschäftigten pflegen tagtäglich auch Senioren, die positiv auf das Coronavirus getestet sind. Natürlich gebe es Hygienemaßnahmen. Doch die Ungewissheit, sich angesteckt zu haben, bleibe. Zudem verlaufen viele Ansteckungen zunächst oft symptomfrei. „Viele Mitarbeitende haben selbst Eltern, Großeltern und Verwandte zuhause, die zur Risikogruppe zählen und die sie keinesfalls gefährden wollen. Aus diesem Grund werden alle Mitarbeitenden vor und nach ihrem Dienst mittel Schnelltest getestet und zusätzlich finden einmal pro Woche Reihentestungen statt. Das warten, bis das Testergebnis vorliegt: Nervenaufreibend. Hinzu kommen noch die Nachrichten von Bewohnern, die den Kampf gegen das Virus verloren haben. Menschen, die sie jahrelang betreut haben, deren Geschichten sie kennen, zu denen sie eine Bindung aufgebaut haben, sind plötzlich nicht mehr da. Zeit zum Trauern ist kaum, denn – so hart das ist – der Betrieb muss weiterlaufen.“

Nun hat die Geschäftsleitung des AWO-Kreisverbandes ein Hilfsangebot für die Mitarbeiter eingerichtet. Zwei Betriebsratsmitglieder stehen als eine Art Seelsorger per Telefon zur Verfügung. Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihre Sorgen, Ängste, Erlebnisse, Trauer und Geschehnisse mitzuteilen oder auch einfach Fragen stellen zu können. „Es ist uns wichtig, unseren Mitarbeitenden zu zeigen, dass wir sie sehen. Wir sehen, was sie gerade leisten und wollen, dass sie wissen, dass wir ihnen zuhören und sie ihre Sorgen und Gedanken mit uns teilen können. Wir wünschen uns alle, dass die Situation in den Seniorenwohnheimen sich bald entschärft und für alle wieder mehr Ruhe einkehrt. Und so tun wir weiter alles, was in unserer Macht steht, um unsere Mitarbeitenden so gut es geht durch diese Zeit zu begleiten.“, sagt Betriebsratsmitglied Matthias Thurn. mbu