Mit illegalen Mitteln Frührentner bringt Dealer zur Strecke

Foto: red.

BAYREUTH. Es gibt viele kleine Fälle beim Strafrichter. In manchen stecken nicht unbedingt große Kriminalgeschichten drin. Aber große Gefühle. Wie in dem Fall eines Mannes, der sich strafbar machte, um Drogenverkauf an Schulkinder zu unterbinden.

Peter W. ist am Mittwoch schon frühzeitig am Justizpalast. Mit seinem Handwägelchen kam er aus dem Ort im Landkreis, in dem der 59-jährige ehemalige Bauarbeiter als Frührentner lebt. Er fragt nach der Uhrzeit, denn er will nicht zu spät sein, um zu sagen, was ihm am Herzen liegt. Bei Strafrichter Eik Launert erklärt er: „Ja, ich habe das gemacht, ich will diese Bande endlich mal zur Strecke bringen.“ Die „Bande“, das sind junge Drogendealer, die laut W. Marihuana an Schulkinder verkaufen: „An der ZOH lungern die rum, die fangen die Schüler ab, stellen Sie sich vor: die verkaufen Drogen an 16-, 18-, 20-Jährige. Das ist doch nicht normal.“

W. ist nicht als Zeuge vor Gericht, sondern als Angeklagter: Zwischen April und Dezember 2018 kaufte er dreimal Marihuana im Wert von 20 bis 60 Euro von einem aus dieser „Bande“. Und dann ging er zur Polizei und erstattete Anzeige. Dass er jetzt deshalb bestraft werden soll, das versteht W. nicht. Er habe bei der Polizei das Gefühl gehabt, dass seine Anzeige „nix genutzt“ habe, dass die Polizisten vielleicht zu wenig Zeit gehabt hätten, „das Ganze aufzunehmen“. Und deshalb, so sagt W., habe er gegen den Strafbefehl für den Erwerb des Marihuanas Einspruch eingelegt. Und außerdem: „Ich habe doch nur 300 Euro im Monat zum Leben. Und eine Katze habe ich außerdem noch.“

Es liegt nahe, dass W. das erworbene Marihuana konsumierte, ehe er zur Polizei ging, denn der Richter erinnert ihn, dass er in Sachen Drogen halt „kein unbeschriebenes Blatt“ sei, sprich: vorbestraft. Und dass er trotzdem die geringstmögliche Strafe bekommen habe. Nämlich eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro: „Weniger geht nicht für drei Fälle des Drogenerwerbs. Dabei wurde berücksichtigt, dass Sie Aufklärungshilfe geleistet haben.“

Der Richter erklärt W., dass er eine Ratenzahlung beantragen könne und im Fall einer Rücknahme des Einspruchs keine weiteren Kosten tragen müsse. Und dann bekommt W. eine Belohnung, denn Launert sagt: „Es ehrt Sie, dass Sie die Anzeige erstattet haben. Ich kann Ihnen verraten, dass gegen den Mann, den Sie angezeigt haben, mehrere Verfahren anhängig sind. Er wird seine Strafe bekommen.“ W. nimmt seinen Einspruch zurück. Sein Handwägelchen hinter sich herziehend, kann er erhobenen Hauptes den Justizpalast verlassen, in den Ohren noch die Abschiedsworte des Richters: „Alles Gute.“

 

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