Paris - Asterix im Morgenland, bei den Briten, in Spanien und in Italien. Wo sie nur können, machen Asterix und Obelix seit mehr als einem halben Jahrhundert den Römern das Leben schwer.

Nun ist der französische Zeichner Albert Uderzo, der zusammen mit René Goscinny die Comic-Helden erschuf, im Alter von 92 Jahren im Pariser Vorort Neuilly gestorben, wie das Verlagshaus Hachette in Frankreich mitteilte.

Der kleine knollennasige Gallier Asterix und sein Hinkelstein schleppender Freund Obelix sind 1959 entstanden. Seitdem haben sie mit ihren Abenteuern den Globus erobert: Weltweit wurden Millionen Exemplare der Alben verkauft und in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt.

Dabei waren die Geschichten mit ihrem gallischen Witz zunächst für die Franzosen bestimmt. Man habe etwas typisch Französisches schaffen wollen, sagte Uderzo einmal. Doch vermutlich hätten sie mit ihren Geschichten etwas berührt, was alle betroffen habe.

Uderzo und Goscinny haben mit "Asterix" nicht nur die erfolgreichste französische Comic-Serie geschaffen. In mehr als einem Jahrhundert hat sich der pfiffige Gallier zu einem Phänomen entwickelt: Mehr als zehn Zeichentrick- und Realverfilmungen sind entstanden, 1989 eröffnete ein Freizeitpark bei Paris, der seinen Namen trägt, und Hunderte von Merchandising-Artikeln wurden entworfen.

Uderzo wurde am 25. April 1927 als Sohn italienischer Einwanderer in der Nähe von Reims geboren. Das Zeichnen war ihm nicht in die Wiege gelegt. Er kam mit sechs Fingern an jeder Hand auf die Welt, eine Fehlbildung, die später operativ entfernt wurde. Als seinen ersten Comic entdeckte er Micky Maus in der französischen Tageszeitung "Le Parisien" - und damit seine Bestimmung.

Von den Helden von Walt Disney fasziniert, begann er im Alter von zehn Jahren, Figuren mit großen Nasen zu skizzieren. Von seinem Talent überzeugt, drängte ihn sein sieben Jahre älterer Bruder Bruno, seine Dienste einem Pariser Verlag anzubieten, wo er im Alter von 14 Jahren seine erste Zeichnung publizierte. Ende der 40er Jahre gehörte Uderzo zu den erfolgreichsten Zeichnern seiner Generation - trotz seiner Farbenblindheit.

Im Jahr 1951 lernte Uderzo den talentierten Texter Goscinny kennen. Beide entdeckten ihre gemeinsame Leidenschaft für Walt Disney und für Laurel und Hardy. Uderzo beschrieb die erste Begegnung als "wesentlich und entscheidend" für sich. Für Goscinny soll sie eine Art gegenseitige Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, wie "Le Monde" schrieb. Sie hätten stundenlang miteinander geredet und beschlossen zusammenzuarbeiten.

Gemeinsam produzierte das Tandem mehrere Serien, darunter die Abenteuer des Kaperkapitäns "Pitt Pistol" und des jungen Reporters "Luc Junior". Ihr größter Erfolg begann jedoch ab 1959 mit Asterix in "Pilote", bevor zwei Jahre später das erste Album "Asterix der Gallier" erschien.

Bis 1977, dem Jahr, in dem Goscinny im Alter von 51 Jahren starb, veröffentlichte das Duo über 20 Alben. Viele befürchteten mit dem Tod von Goscinny das Ende von Asterix und Obelix. Doch Uderzo beschloss, von nun an auch zu texten. Zwar bemängelten Kritiker das Fehlen des ironischen Witzes von Goscinny, der sich gerne über den Nationalstolz der Franzosen lustig machte, doch blieben die Leser dem ungleichen Gallier-Duo treu. Das erste von Uderzo allein geschaffene Album "Der große Graben" erschien 1980.

Im Alleingang schickte er die weltberühmten Helden auf weitere Abenteuer. Anfang 2009 zog er sich wegen seines Arthroseleidens zunehmend vom Zeichentisch zurück. Zwei Jahre später übergab er das Zepter ganz an jüngere Kollegen. Der erste Asterix-Band von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erschien 2013.

Uderzo hatte selbst etwas von seinem Comic-Helden. Er galt als ebenso streitlustig wie Asterix und die Bewohner von dessen kleinen gallischen Dorf. In den 90er Jahren zoffte er sich jahrelang vor Gericht mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Danach begann zwischen ihm und seiner Tochter Sylvie ein jahrelanger juristischer Kampf um das millionenschwere Asterix-Erbe, den beide 2014 beilegten. Darüber sei er sehr glücklich, denn jetzt könne er hin und wieder für sein Enkelkind zeichnen, erklärte er damals.