„Missachtung der fränkischen Kultur“ Kein Bier aus Oberfranken auf der Speisekarte

Redatkion
Auf der Karte des Bayerischen Haus der Geschichte findet sich nur ein einziges Bier aus Franken – und das ist nicht einmal aus Kulmbach, sondern aus Mittelfranken. Foto: picture alliance / dpa/David Ebener/David Ebener

Die Kulmbacher Landtagsabgeordnete Inge Aures und ihr Hofer Kollege Klaus Adelt sind sauer: Im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg ist nur ein fränkisches Bier auf der Getränkekarte.

Kulmbach - Die Landtagsabgeordnete Inge Aures aus Kulmbach und ihr Kollege Klaus Adelt aus Hof kritisieren die Missachtung der fränkischen Lebenskultur im neuen Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Die Spitze des Eisberges: Auf der Bierkarte des Museumswirtshauses befindet sich nur ein einziges mittelfränkisches Bier, kein einziges aus Oberfranken, dem Bierzentrum Bayerns. „Eine Frechheit“, finden die beiden SPD-Abgeordneten aus Oberfranken.

Die Nichtberücksichtigung Frankens in der Dauerausstellung im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg ist seit seiner Eröffnung Gegenstand heftiger Kritik. Von einem handfesten Skandal spricht die Kulmbacherin Aures nun, was den Bierausschank im Wirtshaus des Hauses der Bayerischen Geschichte betrifft: nur sage und schreibe ein einziges fränkisches Bier – das Zirndorfer Kellerbier aus Mittelfranken – befindet sich auf der Getränkekarte des Wirtshauses. Ansonsten gibt es fünf Biere aus Oberbayern, fünf aus der Oberpfalz und zwei aus Niederbayern.

Franken auf dem Abstellgleis

„Das kann wirklich nicht wahr sein. Ein einziges fränkisches Bier wird im Museumswirtshaus in Regensburg an die Gäste ausgeschenkt. Allein daran sieht man schon, dass die fränkische Identität bewusst aufs Abstellgleis geschoben wird“, erklärt die Kulmbacher Abgeordnete Aures.

Der Hofer Abgeordnete Adelt bemängelt, dass keine fränkische Handwerksbrauerei berücksichtigt ist: „Dafür ist unsere fränkische Bierlandschaft doch bekannt: Kleine Handwerksbrauereien, oft in Familienhand, die die Brautradition pflegen und weitergeben.“

Dabei sprechen die Zahlen eine ganz klare Sprache. Aures rechnet vor, dass eigentlich Oberfranken das Bierzentrum Bayerns ist: „In Bayern gibt es 657, im Frankenland 293 Brauereien. Das entspricht 45 Prozent der bayerischen Brauereien.

Das Zentrum des bayerischen Brauwesens ist mit 167 Brauereien Oberfranken. Das sind ein Viertel aller in Bayern ansässigen Brauereien. In Mittelfranken gibt es immerhin noch 73 Brauereien und sogar in Unterfranken – eher bekannt für seinen Wein – sind 53 Brauereien zuhause. Und dann wird im Wirtshaus des Hauses der Bayerischen Geschichte ein einziges mittelfränkisches Bier angeboten? Das verstehe, wer will“, zeigt sich die Abgeordnete aus Kulmbach erbost und enttäuscht.

Für Aures‘ Hofer Kollegen Klaus Adelt ist klar, dass dieser Zustand so nicht bleiben kann: „Das Haus der Bayerischen Geschichte beinhaltet in seinem Museum das historische Vermächtnis des Freistaats Bayern. Und dazu gehört auch die fränkische Identität. Wir sind das Bierland Nummer Eins, das muss sich im Haus der Bayerischen Geschichte entsprechend widerspiegeln.

Daher rate ich den Verantwortlichen, die fränkische Kultur entsprechend zu berücksichtigen“, betont der Landtagsabgeordnete, der die für ihn und seine Kulmbacher Kollegin ärgerliche Angelegenheit auch in seiner SPD-Fraktion in München ansprechen will. „Das Haus der Bayerischen Geschichte präsentiert tolle Ausstellungen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Franken vor Ort in Regensburg wenig Beachtung findet“, sagt Aures. Die beiden Oberfranken Aures und Adelt wünschen sich, dass Franken ein selbstverständlicher Bestandteil der Museumsausstellung – und der Getränkekarte – wird.

Brauereien in Bayern

Oberfranken 167, 25, 4 Prozent

Unterfranken 53, 8 Prozent

Mittelfranken 73, 11 Prozent

Franken 293, 44,6 Prozent

Oberpfalz 74, 11 Prozent

Schwaben 84,12,8 Prozent

Niederbayern 70, 10,7 Prozent

Oberbayern 136, 20,7 Prozent

Bayern insgesamt 657 red

 

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