Export des Bayreuther Modells Kulmbach wird einzigartiges Forschungszentrum

Von Ute Eschenbacher
Vor etwas mehr als einem Jahr war Markus Söder noch als Finanz- und Heimatminister in Kulmbach. Dort tagte das Bayerische Kabinett und entschied sich für einen Campus Ernährung in Kulmbach. Nun bewilligte der Ministerrat für die nächsten fünf Jahre 140 Millionen Euro für den Aufbau der neuen Fakultät der Universität Bayreuth. Foto: Ute Eschenbacher/Archiv Quelle: Unbekannt

BAYREUTH/KULMBACH. Bayreuth/Kulmbach Wo heute noch alte Gebäude des ehemaligen Güterbahnhofs stehen, sollen in Zukunft die Vorlesungen der Kulmbacher Uni sein. Ab 2020 soll der Lehr- und Forschungsbetrieb losgehen. Die siebte Fakultät der Universität Bayreuth soll einzigartige Studiengänge anbieten.

Der Ministerrat hat in seinem Maßnahmenpaket den Ausbau der Hochschullandschaft in den bayerischen Regierungsbezirken beschlossen. Davon profitiert in großem Maße auch die Stadt Kulmbach.

In Kulmbach sollen rund 1000 neue Studienplätze entstehen. Dafür wird der Freistaat in den kommenden fünf Jahren rund 140 Millionen Euro investieren und 150 neue Stellen schaffen.

Ausbildung auf Top-Niveau

Ministerpräsident Markus Söder teilte dazu mit: „Wir wollen, dass alle Menschen in Bayern in ihrer Heimatregion erfolgreich sein können. Regionale Forschungseinrichtungen und die Fachhochschulen spielen dabei eine Schlüsselrolle.“ Sie ermöglichten Forschung und Ausbildung auf Top-Niveau und den Wissenstransfer in die regionale Wirtschaft. Deshalb würden Hochschulen und regionale Forschungseinrichtungen mit weiteren Investitionen gestärkt und gefördert.

Fachübergreifende Zusammenarbeit

Der Campus Kulmbach soll Biowissenschaften mit Wirtschafts-, Rechts-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften verbinden. Die Außenstelle der Universität Bayreuth soll sich mit einem neugeplanten Landesinstitut für vernetzte Lebensmittelwissenschaften am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Kulmbach verbinden.

In Kulmbach entstehe ein innovatives Zentrum für Forschung und Lehre in den Bereichen Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit, so Söder. „Erstmals wird eine ganze neue Fakultät interdisziplinär aufgestellt.“

Die fächerübergreifende Zusammenarbeit ist eine Spezialität der noch relativ jungen Bayreuther Universität. „In einem nächsten Schritt geht es darum, für den unmittelbaren Bedarf vorübergehend die nötigen Räumlichkeiten zu beschaffen“, sagte Universitätspräsident Prof. Stefan Leible auf Anfrage.

„Zudem werden wir jetzt in die Bauplanung einsteigen, um möglichst schnell eine wettbewerbsfähige Forschungs- und Studieninfrastruktur zu schaffen. Und sobald die ersten Stellen im Doppelhaushalt 2019/20 stehen, werden wir die entsprechenden Professuren ausschreiben und Mitarbeiterstellen besetzen.“

Besonders ist auch die in Kulmbach angebotene Kombination aus Biologie, Wirtschaft, Recht, Sozial- und Verhaltenswissenschaften. „Diese Kombination ist in Deutschland neu und einzigartig“, sagte Leible. „Unser Ziel war es von vornherein, Doppelungen mit bestehenden Lebensmittelstandorten zu vermeiden und nach dem ,Bayreuther Modell‘ neue, interdisziplinäre und innovative Studienangebote zu entwickeln und Forschungsrichtungen zu definieren.“

Das Landesinstitut für vernetzte Lebensmittelwissenschaften, dessen Einrichtung der Ministerrat ebenfalls beschlossen habe, werde diese neuen Kompetenzen am Standort Kulmbach weiter verstärken.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass das neue Studien- und Forschungsangebot angenommen wird“, sagte Leible weiter. „Wir haben als Universität Bayreuth bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass wir in der Lage sind, neue Trends aufzunehmen und innovative Studien und Forschungsformate aufzusetzen, die deutschlandweit und international erfolgreich sind.“

Das große Interesse an dem vor drei Jahren eingeführten Masterstudiengang Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften belege bereits jetzt die Nachfrage in diesem Themenfeld.

Söder kommt zur Bierwoche

Der Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) sprach in einer ersten Reaktion von einer „Supernachricht“. Denn damit sei ein „großer Schritt getan, dass das Ganze endlich konkret wird und der Beschluss mit Leben gefüllt wird“.

Mit der Entscheidung, in Kulmbach auch noch das Landesinstitut für vernetzte Lebensmittelwissenschaften anzusiedeln, hat Söder selbst den Oberbürgermeister überrascht.

Wenn der Ministerpräsident zur Eröffnung der Kulmbacher Bierwoche komme, wie Schramm verriet, könne er sich persönlich bei ihm bedanken.

Auch die Wissenschaftsministerin rief Schramm noch am selben Tag an. Er hofft, jetzt bald richtig loslegen zu können. Die Stadt sei in Vielem in Vorleistung gegangen, plane weitere Kindergartenplätze und Wohnungen. Der Bau von Studentenappartements und Wohnheimen sei bereits angedacht.

Nun müsse das Gelde noch in den nächsten Doppelhaushalt eingestellt und vom Landtag beschlossen werden. „Ich kann mir aber keine Partei vorstellen, die dagegen sein könnte“, sagte Schramm, der sich bei der Uni Bayreuth für die bisherige partnerschaftliche Zusammenarbeit bedankt.


 

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