Minister Christian Schmidt bescheinigt Kulmbacher Institut zukunftsfähige Forschung Fleischforscher haben Tierwohl im Blick

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Woher kommen unsere Lebensmittel? Und welche Tiere mussten dafür wie sterben? Verbraucher befassen sich zunehmend mit diesen Fragen. Die Forscher am Max-Rubner-Instituts (MRI) in Kulmbach untersuchen Methoden der tierschutzgerechten Schlachtung.

Wie der Tierschutzgedanke in dieses und andere Forschungsprojekte einbezogen wird, darüber informierte sich am Freitag Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Kulmbach. Dabei gab er der Einrichtung - ungefragt - eine Bestandsgarantie. Denn der Standort Kulmbach für die Bundesforschungsanstalt war in der Vergangenheit beileibe nicht immer sicher. Umso mehr dürfte sich Institutsleiterin Dagmar Brüggemann über die Aussage des Ministers für Ernährung und Landwirtschaft freuen. "Die vier Standorte sollen bleiben, denn die Ressortforschung ist sehr wichtig", betonte Schmidt bei seinem ersten Besuch der Einrichtung.  An dem Institut, das sich auf Fleischforschung spezialisiert hat, arbeiten derzeit 110 Mitarbeiter.

Betäubung mit Helium

In Kulmbach widmet sich ein wesentlicher Teil der Forschung seit geraumer Zeit der tierschutzgerechten Betäubung von Schweinen vor der Schlachtung. So wird am MRI an einem Verfahren geforscht, das Schweine vor der Tötung mit Helium betäubt. Die Methode gilt als tierschonend, weil sie die Tiere nicht unter Stress setzt. Schmidt unterstützt den Ansatz, "weil er den Tieren kein  Leid antut".

Die Politik sei auf die Wissenschaft angewiesen, sagte Schmidt. "Sie können uns zeigen, welche Chancen wir haben, etwas besser zu machen." Denn die Tierschutzstandards bedürften einer wissenschaftlichen Weiterentwicklung. Da sich die Wissenschaftler in Kulmbach mit einer Wachstumsbranche auseinandersetzten, stehe der Fortbestand des Instituts nicht infrage. "Wir brauchen Forschung zur artgerechten Haltung und Erzeugung." Die Lebensmittel sollten so hergestellt werden, dass der Verbraucher dem Produkt vertraue.

Eberfleisch riecht

Daher bereiten sich die Forscher bereits auf das Jahr 2019 vor: Dann wird die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verboten. Wenn Eber nicht kastriert werden, entwickelt ihr Fleisch einen störenden Geruch und der Geschmack verändert sich. Im Schlachtprozess muss es deshalb aussortiert werden. Das MRI arbeitet hierfür an einer technischen Lösung.

Unlängst wurden am Institut rund 750 000 Euro in eine hochmoderne Versuchsräucherkammer investiert. Damit werde getestet, wie ungesunde, nicht schmackhafte Substanzen während des Räuchervorgangs vermeidbar sind. "Wir versuchen, die Schadstoffe zu minimieren und die Aromen aufrechtzuerhalten", erläuterte MRI-Präsident Gerhard Rechkemmer. Auch er betonte, der Standort Kulmbach habe wegen seiner Zukunft nichts zu befürchten.

Tierwohl-Kampagne

Zu Fragen des Tierschutzes startete das Ministerium die Kampagne "Eine Frage der Haltung - neue Wege für mehr Tierwohl". Das Ziel der Tierwohl-Initiative ist es, die Haltung von Tieren in Deutschland  zu verbessern. Was auch im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD so vereinbart wurde. Zu den Forderungen gehört eine tiergerechte Haltung, die sich an den Bedürfnissen der Tiere orientiert. Das Kupieren von Schweineschwänzen und Oberschnäbeln von Hennen und Puten soll der Tierwohl-Initiative zufolge verboten werden, genauso wie das schmerzhafte Entfernen von Rinderhörnern.

Zentraler Grundsatz des Tierschutzgesetzes für alle Bereiche der Tierhaltung ist: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Das gilt auch für die Privathaushalte, in denen Millionen Haustiere gehalten werden.

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