Millionenuntreue Ex-Banker auf freiem Fuß

In der Raiffeisenbank in Emtmannsberg sind nach wie vor die Ermittlungen der Kripo und auch die interne Untersuchung im Gange. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH/HOF. Fünf Wochen schmorte er in Untersuchungshaft. Nun ist der unter dem Verdacht der Millionenuntreue stehende Ex-Vorstand der Emtmannsberger Bank wieder auf freiem Fuß.

Sein Verteidiger, der Hofer Rechtsanwalt Walter Bagnoli, bestätigt Kurier-Informationen, nach denen der 50-jährige Stefan L. bereits am Wochenende wieder in Bayreuth gesehen wurde: Eine Haftbeschwerde sei erfolgreich gewesen. Die Frage, ob die Haftgründe der Verdunkelung- und Fluchtgefahr weggefallen seien, verneinte Bagnoli nicht.

Das legt nahe, dass Stefan L., der zwischen 2017 und 2019 rund zwei Millionen Euro aus dem Vermögen der Raiffeisenbank in seine eigene Tasche umgeleitet haben soll, ein Geständnis abgelegt haben dürfte. Anwalt Bagnoli wollte sich auf die weitere Nachfrage hierzu und auch zum aktuellen Stand der Ermittlungen aber noch nicht äußern.

Wie Stefan L. das Geld beiseite schaffte und wofür er es verwendete, darüber gibt es viele Spekulationen, jedoch wenig detaillierte Informationen. Kurz nach dem Bekanntwerden der Verhaftung von Stefan L. am 14. Juni hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, der Beschuldigte habe die Buchführung verschleiert und Kontoauszüge manipuliert.

Eine spätere Nachfrage des Kuriers, ob Stefan L. Unterschriften und Schecks gefälscht und gar Bargeld entnommen habe, ob das mutmaßlich veruntreute Geld in Immobilien oder Aktiendeals geflossen sei und ob die Veruntreuungen schon vor dem Jahr 2017 begonnen haben könnten, beantwortete die Staatsanwaltschaft vor einer Woche so: Zurzeit sei eine weitere Stellungnahme nicht möglich.

Auch in der betroffenen Bank selbst ist die Informationspolitik zurückhaltend. Vorstandsmitglieder sagen seit Wochen, sie seien von den Ermittlungsbehörden dringend gebeten worden, „die Füße still zu halten“. Bestätigt wurde am Montag lediglich: Ja, auch hier ist bekannt, dass Stefan L. wieder auf freiem Fuß sei. Der 50-Jährige, der 18 Jahre bei der kleinsten Bank im Landkreis Bayreuth arbeitete, hatte kurz nach seiner Verhaftung seinen Vorstandsposten mittels Auflösungsvertrag aufgegeben.

In der Bank sei die Anfangsaufregung vorbei, sagte der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende, Bürgermeister Thomas Kreil: Der Geschäftsbetrieb sei weitgehend zur Normalität zurück gekehrt. Einen „spürbaren Vertrauensverlust“ unter den Kunden stelle er zurzeit nicht fest – keiner der etwa 3000 Kunden habe sein Konto gekündigt. Die Kunden wurden angeschrieben und gebeten ihre Konten nach Auffälligkeiten zu überprüfen. In der Bank ist nach wie vor die interne Prüfung im Gange.

Eine Stellungnahme der Hofer Staatsanwaltschaft zur Haftentlassung von Stefan L. steht noch aus.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading