Millioneninvestition Das Geschäft mit dem Atomausstieg

Das Trio an der Spitze der Firma Schminke Krantechnik: Daniel Schminke, Frank Gottwald und Fabian Schminke (von links) vor den Plänen von aktuellen Projekten und Entwürfen im Konstruktionsbüro. ⋌Foto: Andreas Harbach

THURNAU. Sie bauen seit drei Generationen Krananlagen und Elektrozüge. Jetzt verdoppelt die Nürnberger Schminke-Gruppe an ihrem Standort Thurnau ihre Kapazität. Zwei bis zweieinhalb Millionen Euro investiert das Unternehmen in eine zweite Fertigungshalle.

„Damit verfügen wir über eine Kapazität von 2000 Quadratmetern“, sagt Daniel Schminke, der mit seinem Bruder Fabian und dem Ingenieur Frank Gottwald die Geschäfte führt. In Thurnau ist die Spezialfirma für Krananlagen und Fördertechnik seit dem Jahr 2016 ansässig. Damals wurde die Heinzel Fördertechnik GmbH in der Industriestraße hinzugekauft. Gegründet haben das Unternehmen Otto Schminke und sein Sohn Horst. Weitere Niederlassungen werden mittlerweile in Amberg-Sulzbach, Heilbronn und München betrieben.

Mehr als 30 der rund 70 Mitarbeitern sind in Thurnau tätig. Das Grundstück ist groß genug für eine Erweiterung. „Wir stoßen mit unserer Entwicklung an Grenzen und benötigen zusätzliche Flächen“, sagt Daniel Schminke. „Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und das Risiko zu minimieren, ist dieser Schritt notwendig.“

Die Firma sei von Anfang an vom Markt Thurnau und den Nachbarn im Industriegebiet gut aufgenommen worden. „Für Großaufträge müssen entsprechende Maschinengrößen vorgehalten werden“, ergänzt Fabian Schminke, „und da wollen wir uns nicht selbst blockieren.“

Zwei Kaufmänner, ein Ingenieur

Beide Brüder sitzen in maßgeschneiderten, weißen Businesshemden am Konferenztisch. Während der 45-Jährige Daniel Schminke als Diplom-Kaufmann mit der Ausrichtung der Firma, Planung, Controlling und Finanzen beschäftig ist, kümmert sich der neun Jahre jüngere Fabian um Service und Vertrieb. Der 36-jährige Kaufmann ist seit 2001 im Familienunternehmen tätig, sein Bruder Daniel seit fünf Jahren. Nach dem Studium war er zuerst bei einer Unternehmensberatung angestellt, bevor er in den Familienbetrieb wechselte.

Die Geschäftsfelder: Kern- und Wasserkraft, Luft- und Raumfahrt, Lebensmittelindustrie und Gießerei. Je nach Kundenwunsch könnten in „reiner Handarbeit“ Sonderkrane angefertigt werden, schildert Fabian Schminke. Im Grunde seien alle Produkte Prototypen und Unikate, einzeln für die speziellen Anforderungen der Kunden hergestellt. Mit ihren Sonderbauten ist die Krantechnik-Firma an der Schnittstelle zwischen Elektroindustrie, Maschinen- und Stahlbau angesiedelt.

"Für uns ist eine Last eine Last"

Nach den Worten von Geschäftsführer Gottwald ist Schminke Krantechnik derzeit insbesondere beim Rückbau von Kernkraftanlagen gefragt. „Wir sind Vorreiter auf diesem Gebiet“, stellt Gottwald fest. Der Abbau der Atomkraftwerke erfolge von innen nach außen. Das Unternehmen entwickle dabei „neue innovative Lösungen“ bei den Krananlagen. Zum Beispiel würden Kransysteme für die Kuppeln benötigt, die teils einen Durchmesser von 30 Metern hätten.

Die Anlagenbauer verstehen sich als Dienstleister für schwere Lasten. „Für uns ist eine Last eine Last“, sagt Gottwald, „egal, ob sie aus Beton, Stahl oder aus einem radioaktiven Umfeld stammt.“ Die Bundesregierung will alle Kernkraftwerke bis 2022 vom Netz nehmen. Zurückbleiben darf laut den Vorgaben allein „grüne Wiese“. Die Wende in der deutschen Energiepolitik ereignete sich 2011 nach dem Unglück von Fukoshima.

Die Krantechnikfirma fertigt allerdings europaweit für bestehende Atomkraftwerke. Diese „Hebezeuge“ werden beim Rückbau ausgetauscht. Noch viele andere Unternehmen sind im Auftrag der Energieunternehmen Eon oder EnBW damit befasst. Mit strahlendem Material haben die Spezialisten aus Thurnau allerdings nichts zu tun. Damit werden andere beauftragt. „Wir waren aber mindestens in der Hälfte aller Atomkraftwerke auf deutschem Boden drin“, mutmaßt Gottwald.

Wer für die Kernindustrie arbeite, müsse hohe Anforderungen erfüllen. Manche schreckten die Auflagen, einzuhaltenden Normen und vorzulegenden Zertifikate ab. Außerdem sei oftmals unsicher, wann ein Auftrag eingehe. In den vergangenen 24 Monaten sei das Auftragsvolumen hoch gewesen. „Nur mit der Kerntechnik allein könnten wir nicht überleben“, sagt Daniel Schminke. Daher seien Projekte wie das mit der Hochschule Hof zum Bau einer Krananlage für eine Vliesstoffhalle oder mit Abfallheizkraftwerken genauso wichtig. Den Umsatz der Firma beziffert Schminke auf sieben bis acht Millionen Euro.

 

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