Michael Altinger in Bayreuth Kabarett: „Man ist auf Entzug“

Michael Altinger. Foto: Markus Beham

Die Krise als Chance begreifen und folglich in der Corona-Pademie ein Buch schreiben – das hat Michael Altinger getan. An diesem Mittwoch um 20 Uhr liest der Kabarettist und Schlachthof-Moderator in der Reihe „Summertime am Kulturkiosk“. Auch ein Musiker ist dabei.

Bayreuth -

Herr Altinger, wie fühlt man sich als Rampensau ohne Bühne?

Michael Altinger: Man ist natürlich auf Entzug, wenn nirgendwo mehr geklatscht wird und keiner mehr lacht. Ich war teilweise schon beleidigt, wenn ich die Spülmaschine ausgeräumt habe und niemand hat geklatscht. Ich habe alles versucht, um irgendwie ein Feedback von meiner Umgebung zu fordern, und dann kommt es nicht. Das ist sehr, sehr schlimm. Umso mehr freut es mich, dass es jetzt, wenn auch in beschränkter Weise, wieder losgeht.

Konnten Sie die Corona-Pause künstlerisch nutzen?

Altinger: Das ist ja die Basis für meinen Auftritt in Bayreuth. Ich habe das Buch geschrieben „Rampensau ohne Bühne“. Das umfasst den Zeitraum von März bis Juni letzten Jahres. Rückblickend war ja der erste Lockdown fast noch gemütlich. Man hat geglaubt, jetzt kommt der Sommer und dann wird alles wieder gut…

Wie war Ihr Lebensgefühl im zweiten Lockdown?

Altinger: Zunächst sehr, sehr zäh, bestückt mit Selbstzweifeln und Übergewicht. Aber dann habe ich mich darauf verlegt, neue Projekte zu entwickeln. Ich habe mir auch einen neuen Musiker an die Seite gestellt, mir neue Ziele gesteckt und gesagt: Darauf arbeite ich jetzt hin. Und wenn das Publikum wieder da ist, dann macht das auch alles endlich wieder Sinn.

Glauben Sie, das Publikum will jetzt wirklich ein Corona-Programm auf der Bühne erleben?

Altinger: Die Überschrift ist natürlich gefährlich. Aber wenn ich verspreche, dass man auch einen lustigen Zugang zum Thema findet, dann geht das schon. Der erste Lockdown ist ja schon ein bisschen weiter weg. Das erträgt man leichter. Ich glaube, es ist immer lustig, wenn sich der Zuschauer in den Texten erkennt, die auf der Bühne präsentiert werden.

Das ist ja bereits der zweite Corona-Neustart. Wieviele werden denn noch kommen?

Altinger: Ich denke, dass das der letzte ist und kein weiterer Lockdown folgt. Schon allein, weil sich das der Staat gar nicht mehr leisten könnte. Corona wird uns aber sicher noch lange beschäftigen und deshalb hoffe ich, dass die Kultur und das öffentliche Leben trotzdem wieder Fahrt aufnehmen können.

Sie sind ja gelernter Diplomsozialpädagoge. Fürchten Sie, dass der Bedarf an Sozialpädagogen bald deutlich größer sein wird, als der an Kabarettisten?

Altinger: Es ist tatsächlich so, dass Therapeuten oder Sozialarbeiter sehr gefragt sind. Wenn Kabarett nicht mehr laufen sollte, bin ich wahrscheinlich ganz gut aufgestellt. Allerdings liegt meine Ausbildung schon 25 Jahre zurück. Ein kleines Aufbaustudium wäre da sicherlich erst mal angesagt.

Was erwartet die Besucher in Bayreuth?

Altinger: Es wird nicht nur eine Lesung sein. Ich werde auch einen Musiker dabeihaben, der die Texte untermalt. Ich werde Lieder schmettern und kabarettistische Einlagen bringen. Und ich werde einen Riesenspaß haben, endlich wieder auf einer Bühne zu stehen, und diesen Spaß möchte ich mit allen teilen.

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