Menzelplatz: Das Wohnzimmer der Altstadt

Von Gordian Beck

Vor zehn Jahren hatte der Menzelplatz in der Altstadt noch ein völlig anderes Gesicht. Heute präsentiert sich diese Freifläche barrierefrei, in einer klaren Gliederung, mit einem Brunnen und einem Rondell, das neben dem Café Klatsch als Treffpunkt für Alt und Jung dient.

Still ist es hier. In der Cranachstraße windet sich ein Auto in eine schmale Parklücke. Ein umständliches Manöver. In der Holbeinstraße, ein paar Meter weiter, reiht sich dagegen ein freier Parkplatz an den anderen. Ebenso in der Hedwigstraße. Friedlich liegt der Menzelplatz in der Sonne. „Richtig Leben kommt hier erst gegen Mittag auf“, sagt Uwe Prokscha, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewog. Dieser gehören nicht nur die Wohnanlagen ringsum des Menzelplatzes, diese war es auch, die vor rund zehn Jahren dafür sorgte, dass die Neugestaltung des Platzes in das vom bayerischen Innenministerium entwickelte Förderprogramm „Lebendige Wohnquartiere für Jung und Alt“ aufgenommen wurde. Wodurch das Vorhaben Modell- und Referenzcharakter erlangte.

Ein Wettbewerb wurde ausgelobt, in dem sich das Konzept des Nürnberger Architektenbüros Grabow und Hofmann durchsetzte. Die verwilderte Grünfläche, inklusive Müllcontainern, wich einem akzentuiert gestalteten Platz. Prokscha ist mit dem Ergebnis hoch zufrieden, „auch wenn der Platz nach viel Pflege verlangt“. Wobei der Begriff „Pflege“ nicht nur den Unterhalt der Anlage umfasst, sondern vor allem das Bemühen umschreibt, den Platz mit Leben zu erfüllen. „Denn was nützt ein solcher Platz, wenn er von den Anwohnern nicht angenommen wird“, meint Prokscha. Übergeordnetes Ziel bei der Sanierung dieses Platzes sei schließlich die Steigerung der Wohnqualität eines ganzen Stadtviertels gewesen. Ein langwieriger Prozess sei das, so Prokscha, „aber wir kommen voran“.

Der Menzelplatz wird zum "Strand"

Ein Indiz für die inzwischen erreichte Akzeptanz des Platzes ist der Zustand desselben. Und der ist dem optischen Eindruck nach verblüffend gut: Die Graffitis an den Wänden rund um den Allwetterplatz sowie am Trafohäuschen – „die haben Jugendliche“, so Prokscha, „unter Anleitung von Profis gesprüht“ – sind noch im Originalzustand, die akkurat angeordneten Rosenstöcke in ihren Rankgittern gedeihen und selbst die einst vom Verein Horizonte bearbeiteten und schon verwitterten hölzernen Sitzgelegenheiten sind noch nicht dem Vandalismus anheimgefallen.

Auch die nachträgliche Installation eines Brunnens, der Fontänen sprudeln lässt, habe sich ausgezahlt, sagt Prokscha: „Gerade auf Kinder wirkt der wie ein Magnet.“ Und wo die seien, seien dann auch die Eltern. „Da wird der Menzelplatz zum Strand“, so Prokscha. Und das Café Klatsch zum Strandcafé. Denn von dort hat man beste Sicht auf das nun brunnenbewehrte Rondell, das im ursprünglichen Konzept der Kommunikation zugedacht war.

Trotzdem, das Leben muss weiterhin auf den Platz getragen werden. Also werden mit Hilfe der Caritas-Familienbildungsstätte, der VHS, dem Kinderschutzbund, dem Altstadtteam sowie dem Treff e.V. Veranstaltungen kreiert, wie etwa ein Oktoberfest, ein Vereinstag, eine Nikolausfeier, diverse Flohmärkte sowie Sportturniere. „Die Beteiligung seitens der Anwohner ist hoch“, sagt Prokscha. Der Aufwand, der dafür betrieben werden muss, ist es allerdings auch. Doch der lohne sich, meint Prokscha. Langfristig gesehen. Schließlich würden nicht nur die Mieter ringsum profitieren, sondern letztendlich auch die Gewog: „Weil wir uns hier ein attraktives Wohnumfeld schaffen.“


Das sagt der Experte:

Gefallen hat mir damals die Präzision, die Klarheit“, sagt Karlheinz Beer, Architekt in Weiden und Preisrichter im Ende des Jahres 2004 von der Gewog Bayreuth ausgelobten Wettbewerbs „Modernisierung und Neugestaltung des Menzelplatzes und seiner Umgebung in der Altstadt“ zum Entwurf des Architekturbüros Grabow und Hofmann, dem der erste Preis zuerkannt wurde.

Ein Konzept, das ein ehemals ungepflegtes und nicht gerade sehr einladendes Wohnumfeld auf „verblüffend einfache und damit überzeugende Weise“ neu ordne und damit nicht nur dem Platz ein neues Gesicht gebe, sondern auch die umliegenden Gebäude gekonnt und attraktiv in Szene setzt. Ein durchgehend heller Steinbelag weise den Menzelplatz als öffentlichen Platz aus, Hecken grenzen öffentliche Räume von halböffentlichen und privaten ab. Als verbindendes Element käme dem Kreis inmitten des Platzes im Konzept zentrale Bedeutung zu, so Beer. Hier laufen alle Fäden zusammen. Das Sinnbild schlechthin für Kommunikation. Und genau die sollte er der Vorstellung der Architekten von Grabow und Hofmann nach auch leisten. Was er heute auch tut.

 

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