Kulmbach Menschenrechte für alle?

Christina Holzinger

Schüler der zwölften Klasse der Fachoberschule Kulmbach beschäftigten sich in den Fächern Religion und Ethik mit verschiedenen Projekten mit Menschenrechtsverletzungen wie Folter, fehlender Arbeitsschutz oder Kindersoldaten. Eines der Projekte, ein Film, drehte sich um Loverboys. Das sind Männer, die junge Frauen zur Prostitution zwingen.

Philipp J. (22), Leonie Thiede (19) und Vincent Gust (20) widmeten sich in ihrem Projekt dem Thema Loverboys. Foto: Christina Holzinger Foto: red

Eine junge Frau sitzt lesend auf einer Parkbank, ein Mann kommt auf sie zu und setzt sich neben sie. Er macht ihr Komplimente, sucht ihre Nähe. Sie verliebt sich in ihn. Doch er ist ein Loverboy und zwingt sie zur Prostitution. Das Geld kassiert ihr Zuhälter. Gespielt wurden Opfer, Täter und Freier von Leonie Thiede (19), Paul Pfeifer (18) und Philipp J. (22). Vincent Gust (20) war der Kameramann. Mit ihrem Projekt wollten sie auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen.

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Verschiedene Projekte - ein Thema: Menschenrechte

Der Film war ein Beitrag zur Abschlusspräsentation zum Projekt „70 Jahre Unterzeichnung der UN-Menschenrechtskonvention – 70 Jahre Menschenrechte für alle?“. Die 172 Schüler der zwölften Klassen der Fachoberschule Kulmbach haben sich in den Fächern Ethik und Religion mit Menschenrechten auseinandergesetzt. Betreut wurden die Gruppenarbeiten von Christoph Haberecker, Silke Scheffold und Pfarrer Wolfgang Oertel.

Loverboys

Während viele der Projekte sich mit Menschenrechtsverstößen auf der ganzen Welt wie Zwangsheirat, Abtreibungen in Indien und Todesstrafe in den USA beschäftigen, haben sich die vier bewusst mit den Loverboys auseinandergesetzt. „Sie gaukeln den Mädchen die große Liebe vor, um das zu bekommen, was sie am meisten wollen: Die totale Abhängigkeit“, sagt Philipp J..

Familien merken nichts

Der Loverboy suche sich meist eine junge Frau mit geringem Selbstwertgefühl – meist mit einem hohen Bildungsstand, da Eltern dann weniger Verdacht schöpfen. Sie kontrollieren die Hausaufgaben der Mädchen, sorgen dafür, dass sie rechtzeitig wieder zu Hause sind. So merke das Umfeld nichts davon. „Die Loverboys reden den Mädchen ein, dass Freunde und Familie sie ohnehin nur im Stich lassen“, sagt Philipp J.. Und isolieren die Mädchen noch weiter. Bis die Mädchen merken, was passiert, sei es zu spät.

Auch in Deutschland gibt es Menschenrechtsverstöße

Scham und Schuldgefühle sorgen dafür, dass die Mädchen keine Anzeige bei der Polizei machen. „Es gibt keine verlässlichen Zahlen dazu“, sagt der 22-Jährige. Dennoch war es den vier jungen Erwachsenen wichtig, auf Loverboys aufmerksam zu machen. „Auch in Deutschland gibt es eklatante Menschenrechtsverstöße“, sagt Philipp J.. Deshalb sei es wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren. Und „den Opfern nicht zu sagen, dass sie dumm oder naiv sind, sondern dass sie sich schlicht und ergreifend in den falschen Menschen verliebt haben.“ 

Landrat zeigt sich begeistert

Landrat Klaus Peter Söllner zeigte sich begeistert von den Projekten der Schüler: „Wir Deutsche haben durch den Schrecken des Zweiten Weltkriegs eine besondere Verantwortung für Menschenrechte.“ Deshalb freue er sich, dass die Schüler auf „so eindrucksvolle Art und Weise zum Nachdenken anregen“. Gleichzeitig ermahnt er die Zwölftklässler, stets für Demokratie und Menschenrechte einzutreten.