Mellow Mark in Saudi-Arabien

Von Martina Bay

Von Bayreuth nach Riad. Der deutsche Musiker Mellow Mark, der eigentlich Mark Schlumberger heißt,  ist mit seiner Band Mellow Maroc beim Janadriah-Kulturfestival in Saudi-Arabien aufgetreten. Die Einladung kam vom Goethe-Institut. Im Interview erzählt der 41-jährige Exil-Bayreuther von einem Auftrittsverbot und warum er sich auf dem Festival manchmal wie ein Fremdkörper gefühlt hat.

Mark Schlumberger (Zweiter von rechts auf der Bühne) trat in Riad auf. Foto: Mark Schlumberger Foto: red

Und, wie war es in Saudi-Arabien?    

Nach der Werbung weiterlesen

Mellow Mark: Uns wurde der Auftritt auf der großen Bühne verboten. Warum, hat man uns nicht gesagt. Wir haben dann ein kleines Konzert in einem zehn mal acht Meter großen Raum gegeben.

Lag es an euren Liedtexten?

Mellow Mark: Unser Liedmaterial ist schon kritisch. In dem Lied „Revolution“ geht es um Veränderung und darum, Machtverhältnisse zu hinterfragen. Und das Lied „Was geht ab mit der Liebe?“ ist eine rhetorische Frage an die Menschen, die besonders viel Macht und Einfluss haben und nach Profit streben. Vermutlich hat sich jemand mal die Texte genauer angeschaut.

Saudi-Arabien steht in der Kritik, unter anderem wegen Menschenrechten und der politischen Lage. Warum tretet ihr trotzdem dort auf?

Mellow Mark: Natürlich macht man sich darüber Gedanken. Wir wollen Brücken bauen und uns mit den Menschen austauschen. Ein Kulturboykott trifft doch die Menschen. Wir hatten die Möglichkeit, mit Leuten in Workshops zusammenzuarbeiten. In einem Workshop ist zum Beispiel ein Hip Hop-Lied entstanden.

Was haben euch die Leute in den Workshops so erzählt?

Mellow Mark: Viele meinten, dass sie große Hoffnung haben, dass sich einige Dinge ändern werden, vor allem in Bezug auf Frauenrechte. Über Hinrichtungen sagten manche sinngemäß: "Jeder kennt die Gesetze in Saudi-Arabien. Diejenigen,die verurteilt wurden, haben absichtlich gehandelt, wohlwissend, dass sie das Gesetz herausfordern. Wenn man dort nicht öffentlich Gesetze bricht, sondern seine Freiheiten im privaten Bereich in geschlosssenen Häusern auslebt, dann passiert nichts."

Was für Publikum hat bei eurem kleineren Auftritt zugeschaut?

Mellow Mark: Das waren ganz normale Festivalbesucher. Ganz viele Frauen waren darunter. Es ist komisch vor Frauen aufzutreten, die eine Verschleierung tragen. Man sieht nur die Augen. Aber sie haben auch durchaus lebhaft und lautstark mitgesungen zum Beispiel bei unserem Lied "Was geht ab mit der Liebe".

Wie hast du das Festival wahrgenommen?

Mellow Mark: Wegen der ständigen Polizeipräsenz habe ich mich manchmal wie ein Fremdkörper gefühlt. Nicht unsicher, aber unfrei.