Meister im Doppelpack SV Mistelgau steigt zeitgleich mit zwei Teams auf

Die Sonne scheint in diesen Tagen nicht nur über der Jakobshöhe oder dem Lerchenbühl in Bayreuth, wo die eine Mannschaft kurz vor dem Titel in der Regionalliga steht (SpVgg) und die andere jüngst die Bezirksliga-Meisterschaft (BSC Saas) feierte. Auch in Mistelgau trifft man gerade viele strahlende Gesichter. Was am herausragenden Erfolg liegt, den der dortige Sportverein am Wochenende verbucht hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Meistern und Aufsteigern ist dem SVM etwas Außergewöhnliches gelungen: Der über 800 Mitglieder zählende Sportverein holte sich am Sonntag den Titel in der Kreisliga und in der A-Klasse.

Von Stefan Wolfrum

„Ich weiß nicht, ob es so was schon einmal gegeben hat. Hier in der Gegend? Eher nicht. Vielleicht ist das Bayern München schon einmal gelungen, mit der Ersten und Zweiten Meister zu werden, aber sicher nicht an einem Tag“, sagt Richard Hofmann, dem man auch nach intensiver Internet-Recherche nicht widersprechen möchte. Das 66-jährige Mistelgauer Urgestein war nicht nur Aktiver, sondern ein Vierteljahrhundert auch Fußball-Abteilungsleiter des SVM. Heute teilt er sich den Job mit Christopher Götschel und Sascha Krüger. Hofmann berichtet von einer „auch für Mistelgauer Verhältnisse außergewöhnlich intensiven Feier“.

Während der vorzeitige Titel für Mistelgau II in der A-Klasse VII durchaus erwartet worden war und mit einem 8:0-Sieg gegen die SG Rugendorf/Losau eingetütet wurde, brauchte der Kreisliga-Tabellenführer die Schützenhilfe des FC Eintracht Bayreuth, um schon weit vor Saisonende die „Meister im Doppelpack“-T-Shirts überstreifen zu können. Eintracht-Trainer Arthur Kolb habe ihm versprochen, dem Hauptverfolger SC Altenplos ein Bein zu stellen, verrät Richard Hofmann: „Und auf den Adi ist Verlass.“ Die Eintracht schlug den SCA 2:0, den Rest erledigte der SVM selbst mit 4:1 gegen den BSC Bayreuth-Saas II.

Fragt man nach dem Erfolgsrezept in Mistelgau, so bekommt man eine ähnliche Antwort wie unlängst in der Saas. „Starker Zusammenhalt im Verein, eine Vorstandschaft, die voll hinter der Fußballabteilung steht, ein unheimlich rühriger erster Fußballabteilungsleiter Christopher Götschel, eine Top-Infrastruktur mit dem Kunstrasenplatz und natürlich ein Top-Trainer“, sagt Richard Hofmann. Besagter Top-Trainer heißt Heiko Gröger, ist 51 Jahre alt und laut Hofmann „für unsere Spieler eine große Respektsperson. Wenn er was sagt, spitzen alle die Ohren.“

Bereits der achte Aufstieg von Trainer Gröger

Ex-Profi Gröger, der in Mistelgau bereits seinen achten Aufstieg als Trainer feiert, kam im Dezember 2020 fast zeitgleich mit Goalgetter Daniel Heißenstein zum SVM. Der 34-jährige Stürmer schulterte auch in dieser Saison mit 23 Toren in 23 Spielen einen Großteil der Offensivlast. Die beiden namhaften Verstärkungen sollten eigentlich helfen, den Klassenerhalt in der Bezirksliga zu sichern. Es klappte aber nur beinahe. „Wegen diesem Paragrafen 93 mussten wir runter“, erinnert sich Hofmann. Trotzdem sei es gelungen, diese Bezirksliga-taugliche Truppe zusammenzuhalten. In der Kreisliga ist sie nach zwischenzeitlichen Durchhängern mittlerweile eine Klasse für sich, führt in jeder relevanten Kategorie. Sie ist beste Heimmannschaft, beste Auswärtsmannschaft, hat die wenigsten Gegentore bekommen und die meisten Treffer markiert.

Ob das reicht für die Bezirksliga? „Wir werden schon schauen, dass wir die eine oder andere Verstärkung bekommen“, sagt Hofmann, zumal mit Andre Sippl (Spielertrainer beim SV Schreez) schon ein schmerzhafter Abgang feststeht. „Wir werden aber weiterhin ganz stark auf unsere Einheimischen bauen – uns nur punktuell verstärken.“ Die angesprochenen Eigengewächse bilden das Gerüst der ersten Mannschaft, und die zweite besteht sogar fast ausschließlich aus Einheimischen – noch ein Teil des Mistelgauer Erfolgsrezepts.

KREISLIGA-NACHLESE

Der FSV Bayreuth ist wieder voll im Geschäft um die Relegation zur Bezirksliga Ost: Der Tabellendritte der Kreisliga II gewann durch zwei späte Tore die Partie gegen seinen unteren Tabellennachbarn TSV Bad Berneck. Zudem profitierten die Prellmühler – wie der SV Mistelgau auch – vom 2:0 des FC Eintracht Bayreuth gegen den Zweiten SC Altenplos. Mit einem Sieg im Nachholspiel beim TSV 08 Kulmbach kann die Elf von Claudio Eismann am Mittwoch mit den Rotmaintalern gleichziehen.

SV Mistelgau – BSC Bayreuth-Saas II 4:1 (1:0): In der abwechslungsreichen Partie war Mistelgau meist tonangebend. Um Dreh- und Angelpunkt Nico Boog zog die Heimelf immer wieder ein durchdachtes, schnelles Angriffsspiel auf und setzte so die gefährlichen Spitzen Schuster und Heißenstein in Szene. Die Saaser blieben bei ihren Kontern gefährlich, doch Mistelgaus sicherer Torwart Kellner meisterte zwei Schüsse von Stöckle und auch einen Lutz-Kopfball aus kürzester Distanz. Im Anschluss an einen Rückpass nutzte Schuster einen indirekten Freistoß aus acht Metern zum Hattrick und zugleich zur Vorentscheidung. Der SV gefiel durch eine kämpferisch hervorragende Mannschaftsleistung, die Saas hatte ihre besten Kräfte in Weber und Lutz.

Tore: 1:0, 2:0 und 3:0 Schuster (10., 55. und 57.), 3:1 Schüßler (59.), 4:1 Heißenstein (61.).

FSV Bayreuth – TSV Bad Berneck 2:0 (0:0): Dem FSV reichten 20 starke Minuten zum Sieg. Die Eismann-Truppe agierte zunächst recht pomadig und ideenlos. Die Gäste ließen kaum Chancen zu und waren stattdessen bei einer Großchance von Völkl, der an Torwart Leander scheiterte, dem 1:0 näher. Im Verlauf der zweiten Hälfte kam dann der Gastgeber stärker auf, bei einem Schuss von Urban stand aber noch der Pfosten im Weg. Die Heimelf spielte weiter auf Sieg und bestritt nach einer Roten Karte gegen den Bernecker Mager (86.) die entscheidenden Minuten sogar in Überzahl.

Tore: 1:0 Lunk (90.), 2:0 Schulze (90.+1).

FC Eintracht Bayreuth – SC Altenplos 2:0 (1:0): Die Pausenführung des Gastgebers war glücklich. Die defensiv ausgerichtete Eintracht konnte nämlich nicht verhindern, dass die spielbestimmenden Altenploser auch zu guten Chancen kamen. Mitte der ersten Hälfte führte dann ein Gegenstoß zum 1:0 für die Heimelf. Nach einigen Umstellungen in der Halbzeit wurde die Kolb-Elf hinten sicherer. Auch der zweite Treffer fiel nach einem Konter, als sich ein vermutlich als Flanke gedachter Ball von Ströbel hinter Gästekeeper Stahlmann ins Tor senkte. Auf der Gegenseite scheiterte der SC noch mit einem Elfmeter an Eintracht-Torwart Becker. Aufgrund der zweiten Hälfte ein verdienter Sieg der Bayreuther.

Tore: 1:0 Terentev (24.), 2:0 Ströbel (59.).

TSV 08 Kulmbach – TSV St. Johannis Bayreuth 0:0: Beiden Mannschaften war die Bedeutung des Kellerduells anzumerken, Kampf war daher Trumpf. Trotz guter Chancen auf beiden Seiten hatte kein Team einen entscheidenden Vorteil, sodass das torlose Unentschieden am Ende auch in Ordnung ging. Für die Kanzer scheiterte im zweiten Abschnitt J. Schamel bei einem Freistoß am Pfosten, auf der Gegenseite hielt der Bayreuther Torwart Zehendner die Null fest.

Sportring Bayreuth – ASV Oberpreuschwitz 4:0 (3:0): Nach dem 1:0 durch einen 25-Meter-Kracher von Vogler legte der Sportring eine beruhigende Pausenführung vor. Oberpreuschwitz hatte seine erste kleinere Chance erst in der 40. Minute. Die Gäste gaben trotz des Rückstands auch im zweiten Abschnitt nicht auf, fanden aber auch jetzt einfach kein Durchkommen gegen die bärenstarke Defensive der Heimelf. Vier verschiedene Torschützen sprechen zudem für die mannschaftliche Geschlossenheit der Knop-Elf.

Tore: 1:0 Vogler (17.), 2:0 Hummel (19.), 3:0 Tscheuschner (28.), 4:0 Mader (74.).

TSV Neudrossenfeld II – USC Bayreuth 1:1 (1:1): Die ausgeglichene erste Hälfte, in der beide Mannschaften nur wenig zuließen, endete mit einem leistungsgerechten Remis. Nach Foul an Löhrlein verwandelte Weiner den fälligen Strafstoß zum 1:0, wenige Minuten später kam der Gast nach einem schön vorgetragenen Konter zum Ausgleich. In der zweiten Hälfte war der TSV dem Siegtreffer näher, als Pöhlmann und Habelitz in aussichtsreicher Position vergaben. Daher aus Sicht der Bayreuther ein eher glücklicher Punktgewinn.

Tore: 1:0 Weiner (30. – Foulelfmeter), 1:1 Brötling (36.).

FC Neuenmarkt – SG Kupferberg 3:0 (3:0): In einem sehr fairen Derby landeten die spielbestimmenden Neuenmarkter einen völlig verdienten Sieg. Dabei gelang Forkel im ersten Abschnitt ein lupenreiner Hattrick. Die Gäste hatten ihre einzige Chance des Spiels noch vor dem 1:0, als Holhut einen zu kurzen Rückpass der FC-Abwehr erlief, den Ball aber nicht an Keeper Rost vorbeibrachte. Im zweiten Abschnitt vergab Forkel seinen vierten Treffer und Haack traf nur den Pfosten, dann verflachte die Partie.

Tore: 1:0, 2:0 und 3:0 Forkel (22., 34. und 44.).

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