Er "schaut sich das mit Augenmaß an" und schwadroniert darüber, den Rechtsbruch gegebenenfalls als "spontane Demonstration" legitimieren zu wollen. So was nennt sich Feigheit vor den Feinden des Rechtsstaats. Den zeichnet aus, dass seine Normen einer demokratisch legitimierten Gesetzgebung entspringen. Ebenso, dass er diese Normen nicht der Deutung durch Einzelne oder wechselnden Stimmungen anheimstellt. Selbstverständlich bedarf die Anwendung von Recht des Augenmaßes. Aber nicht bis an den Punkt, an dem zweierlei Recht geschaffen wird. Sollten irgendwelche rechten Spinnergruppen auf die Idee kommen, aus vorgeblich guten Gründen den Verkehr lahmzulegen, will sich der Innensenator das dann auch "anschauen"? Zum Rechtsstaat gehört, dass er Schwächere schützt. Diejenigen, die keine Lobby, keine Spender-Millionen, keine Staranwälte, keine Schlägertrupps hinter sich haben. Das ist ein enorm hohes Gut. Deshalb handelt ein Minister grundfalsch, wenn er der Beliebigkeit von Recht das Wort redet. Und vor der ebenso dummen wie anmaßenden Behauptung aus den Reihen von Extinction Rebellion kapituliert, ihre Rechtsbrüche seien keine, weil der Klimaschutz "größer als die Demokratie ist". Solche Anmaßung verdient harten Widerstand, nicht Nachsicht oder Wurstigkeit.