Im Biedermeier war Louise Otto-Peters zur Welt gekommen, in Meißen heute vor 200 Jahren, als der bessere Herr des Hauses als Familienvorstand und -ernährer seine Freizeit gern beschaulich in der Wohnstube genoss, während sein „Heimchen am Herd“ das Haus besorgte. Doch bereits damals trat die junge Dame eigenwillig als eine von nicht eben vielen, nicht eben wohlgelittenen Schriftstellerinnen hervor. Überdies atmeten ihre Verse und Romane („Schloss und Fabrik“) schon vor 1848 den aufrührerischen Geist der Bürgerfreiheit und sozialen Gleichberechtigung, nicht zuletzt jener der Geschlechter, einen Geist also, der dann mit der Revolution um ein Haar zur ersten deutschen Republik geführt hätte. Im Jahr des Umsturzes machte sie mit der „Adresse eines deutschen Mädchens“ an einen „hochverehrten Herrn Minister“ von sich reden, worin sie auf das Massenelend kümmerlicher Arbeiterinnen hinwies: „Im Namen der Moralität, des Vaterlandes, der Humanität fordere ich Sie auf: Vergessen Sie bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht!“ Vollends zur Pionierin der deutschen Frauenbewegung wurde sie im Jahr darauf, indem sie mit der „Frauenzeitung für höhere weibliche Interessen“ das erste Presseorgan ins Leben rief, das sich ausdrücklich an ihre Geschlechtsgenossinnen richtete. Bis ins Alter breitete sie ihre Ideen auch in Zeit- und historischen Romanen und Erzählungen aus; zugleich aber redigierte sie als eine der bedeutenden frühen Journalistinnen im Lande gemeinsam mit der jüngeren Auguste Schmidt die „Neuen Bahnen“, das Zentralorgan des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Den hatten die beiden 1865 gegründet, denn nicht länger sollte „die eine Hälfte der Menschen“ die andere „für Unmündige und Kinder erklären und ganz und gar abhängig machen
Meinungen Neue Bahnen
Michael Thumser 25.03.2019 - 21:04 Uhr