Zum Thema Gottesdienst gibt es eine schöne Karikatur. Der Pfarrer steht auf der Kanzel und beginnt zu predigen: "Liebe Gemeinde . . ." Doch es ist niemand da, der sich angesprochen fühlen könnte. Die Bänke sind menschenleer. Die "liebe Gemeinde" ist nicht da. Nur eine einzelne Frau. Von ganz hinten ruft sie: "Ich bin die Organistin!" Natürlich ist das überzeichnet. Doch die Wirklichkeit sieht nicht fundamental anders aus. Wenn die Kirchenglocken am Sonntagvormittag zum Gottesdienst läuten, wollen sich vielerorts die Kirchen nicht mehr füllen - in der Stadt noch viel weniger als auf dem Land. In Stuttgart gehen nur noch knapp 20 Prozent der Christen regelmäßig in die Kirche. Was einmal selbstverständlich war und zum festen Wochenrhythmus wie die Kirche ins Dorf gehörte, ist zu einer Ausnahme geworden. Die Ausnahmen heißen Weihnachten, Ostern und Konfirmation.