ENTHÜLLT: Großbuchstaben müssen es sein und "Geheimberichte", "wie Amerika die Welt sieht". Selten hat der Spiegel eigenen Anspruch und den beißenden Spott der anderen so vereint wie in dieser Woche. Zweifellos ist dem Hamburger Magazin mit den Wikileaks-Dokumenten ein Coup in den Schoß gefallen - doch was er, innenpolitisch, daraus macht, ist eine seichte Seifenoper im Boulevard-Stil. Nichts von dem, was US-Diplomaten über deutsche Polit-Prominenz nach Washington kabelten, ist wirklich überraschend, schon gar nicht sensationell. Gewiss: Diplomatisch sind die internen Memos nicht formuliert - aber doch nur eine Wiedergabe dessen, was jeder hierzulande nahezu tagtäglich in der Zeitung lesen kann; und sei es in Form von Meinungsäußerungen konkurrierender Parteipolitiker.