Gewisse unverderbliche Dialogsätze tauchen immer wieder in US-amerikanischen Filmen auf. Zum Beispiel knurrt einer, der gerade Schimpf und Hohn erlitt: "Noch nie in meinem Leben bin ich so gedemütigt worden." Wahrscheinlich empfindet die Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag zurzeit so: Am Samstag musste es sich Sahra Wagenknecht gefallen lassen, dass übel gesinnte "Antifaschisten" eine Torte mitten in ihrem Gesicht platzierten. Natürlich fühlt man sich sofort an unvergessliche "Dick und Doof"- und andere Filmburlesken mit den "Vätern der Klamotte" erinnert: Da pflegen bis zum Äußersten entschlossene Kombattanten sich mit rauen Massen des schmackhaften, als Waffe allerdings missliebigen Gebäcks zu bewerfen. Überhaupt haben verderbliche Nahrungsmittel, zum Zeichen der Entehrung auf Buhmänner oder -frauen geschleudert, Tradition: Sträflinge am Pranger traktierte das mittelalterliche Volk spottend mit matschigem Obst und Gemüse. Mitwirkenden in kleinbürgerlichen Varietés flogen schon mal Tomaten oder faule Eier um die Ohren. Andererseits greifen angriffslustige Aktivisten gern auch auf Farbbeutel zurück, oder auf Schuhe - wie der irakische Journalist Muntazer al-Said: Der schleuderte 2008 dem weiland US-Präsidenten George W. Bush wütend ein schwarzes Paar der Größe 44 entgegen. Umgekehrt ergeben sich Gelegenheiten, das eigene Gesicht als Zielscheibe anzubieten: Als Anfang 2015 bekannt geworden war, dass Polizisten in Miami für Schießübungen das Fahndungsfoto eines Afroamerikaners ge- und missbraucht hatten, da posteten Twitter-Nutzer zahllos eigene Porträts mit der Einladung: "Nimm stattdessen meines!" Bei all dem gilt eine Grundregel, die aus einer britischen Fernsehserie stammt: In einer Episode von "Die Zwei", in der ein Kistchen mit Zigarren explodiert, sagt Tony Curtis zu Roger Moore: "Hauptsache, die Vorderzähne halten's aus."
Meinungen Feind von vorn
Von Michael Thumser 01.06.2016 - 00:00 Uhr