Der frühere Leiter des Moskauer Doping-Kontrolllabors und Drahtzieher des Dopingskandals um die Winterspiele 2014 bezichtigte am Montag Wladimir Putin, von den Doping-Betrügereien gewusst zu haben. "Natürlich kam es von ganz oben, vom Präsidenten", sagte er der ARD in einem Interview.
Rodtschenkow darf als glaubwürdig gelten. Der Kronzeuge lebt aus Angst um sein Leben seit seiner Flucht in die USA an einem geheimen Ort. Seine Aussagen und Unterlagen sind derartig stichhaltig, dass selbst das für seinen laxen Umgang mit Dopingsündern bekannte IOC mit seinem Präsidenten Thomas Bach sie nicht ignorieren konnte. Zwar schlängelte sich das IOC um den eigentlich unverzichtbaren Komplett-Ausschluss Russlands herum, sperrte aber zahlreiche russische Athleten - nicht zuletzt, weil man Rodtschenkow als glaubwürdig einstufte. Genau das macht die Angelegenheit nun pikant. Das IOC hat bislang verzweifelt versucht, die Mär von den bösen Einzeltätern aufrechtzuerhalten und behauptet, es gebe keine Beweise für ein staatlich orchestriertes Doping. Wenn man aber den Einlassungen des eigenen Kronzeugen glaubt, dann kommt selbst das IOC nicht mehr drumherum, seinen Selbstbetrug zu beenden und die Fakten anzuerkennen. Und die heißen: Staatsdoping. Gesteuert von ganz oben. Dafür kann es nur eine Strafe geben: Den Ausschluss von den Winterspielen.