Meinung zum 150. Jahrestag Die Mark feiert Geburtstag

Olaf Amm

Wer heute noch Goldmark aus Kaisers Zeiten hat, der kann sich freuen. Das alte goldene Zehn-Mark-Stück ist 180 neue Euro wert. So lässt sich gut der 150. Geburtstag der nationalen Währung feiern. Aber die Mark kennt auch Zeiten, in denen sie so butterweich war, dass man für ein Brot 5,6 Milliarden Mark über den Tresen schaufeln musste. In unserer Bildergalerie sind die Höhen und Tiefen der Währung zu sehen.

Suhl - Die deutsche Mark wird am Samstag 150 Jahre alt. Am 4. Dezember 1871 wurde vom Reichstag das entsprechende Gesetz erlassen. Am Anfang hieß sie wirklich nur Mark, erst später erhielt sie „Vornamen“ und wurde zur Goldmark, Papiermark, Rentenmark, Reichsmark, Mark der DDR und D-Mark.

Für die harte D-Mark hegt der Osten besonders nostalgische Gefühle. Zum Euro gibt es einfach keine Geschichten vom duftenden Intershop, Forum-Scheck und Schwarztausch. Und dann schaut man auf den Sparvertrag der Eltern: Die Sparkasse zahlte für eine Festgeldanlage vom September 1992 bis zum März 1993 einen Zinssatz von 7,75 Prozent. Im Mai 1992 lag die Inflation bei 6,2 Prozent und die Bundesbank steuerte gegen. Die alten Leute haben trotz der sehr hohen Inflation nichts verloren. Die Realzinsen waren positiv, wie in allen Jahren seit der Wiedervereinigung bis zur Einführung des Euro.

Das war einmal. Im Oktober 2021 gab die Bundesbank den Realzins zwischen Inflation und mittelfristigen Bankeinlagen mit minus 4,3 Prozent an. Die D-Mark wird trotzdem nicht wiederkommen. Sie würde sofort gegenüber dem Rest Europas aufwerten. Der Export in die Nachbarländer käme wegen deren einbrechender Kaufkraft und Wirtschaftsdepressionen zum Erliegen. Anleihen aus Euro-Süd würden so stark abwerten, dass sie deutsche Banken in den Ruin trieben. Die Mark löst leider keine Probleme mehr.

Es hilft nur ein strenger Reformkurs der Politik in allen europäischen Ländern und eine eisenharte europäische Zentralbank, die wie die alte Bundesbank agiert. Beides ist nicht in Sicht.

 

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