Vernachlässigte Tiere beschäftigen die Tierschützer der Region immer wieder. Nun sind gleich eine ganze Flut von Sittichen und ein 19-jähriger Pudel im Hofer Tierheim angekommen. In der Futterküche der Tierheimhunde zwitschert‘s daher im Moment gewaltig. Nicht nur die Voliere ist voll belegt - auch an allen Wänden des Raumes reihen sich Vogelkäfige aneinander.

Wer sich für die Vögel oder den kleinen Toni interessiert, kann gerne zu den Öffnungszeiten ins Tierheim Hof-Erlalohe kommen. Infos unter www.tierheim-hof.de oder unter Telefon 09281/41961.

Futter und Kot klebte zusammen

Tierpfleger Gerd Briemann hat gerade zwei zankende Nymphensittiche getrennt, "die haben sich einfach nicht verstanden", erzählt er. Umso schlimmer ist die Vorstellung, wie sie vorher in einer Wohnung an einer der größten Durchfahrtsstraßen Hofs gehaust haben. "25 Vögel haben wir aus der Wohnung geholt", berichtet Christa Langer vom Tierschutzverein Hof. "Die Besitzer der Tiere haben uns um Hilfe gebeten, weil ihnen die Haltung der Vögel über den Kopf gewachsen war."

Als "erschreckend" bezeichnet Christa Langer die Art der Unterbringung der Tiere. "Zusammengepfercht in unglaublich verschmutzten und viel zu kleinen Käfigen mussten diese Vögel ihr bisheriges Leben verbringen", schildert sie die Zustände in der Wohnung. Außerdem habe man Brutstellen mit Eiern gefunden. Bei vielen Tieren waren die Krallen viel zu lang, sie rissen sich gegenseitig die Federn aus. Auf den Käfigböden klebten Futter und Kot zentimeterdick zusammen, teilweise hatte sich schon Schimmel angesetzt. In einem nur 45 mal 80 Zentimeter großen Käfig saßen gleich neun Nymphensittiche, die sich nicht richtig bewegen konnten. "Die haben so laut geschrien, dass wir glaubten, es seien Hilferufe", erzählt Christa Langer weiter.

Die Tierschützer haben sie im Tierheim Erlalohe in größere, saubere Käfige umgesetzt - daraufhin beruhigten sie sich schnell. Sicherlich war es für viele der zuvor eingezwängten Sittiche ein völlig neues Gefühl, die Flügel auszustrecken, sich endlich mal richtig zu dehnen und bewegen zu können. Insgesamt hat das Tierheim neun Nymphensittiche, vier Wellensittiche, vier Großsittiche, zwei Kanarienvögel und sechs Finken aufgenommen, wie Tanja Bujak, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Hof, mitteilt.

Vor über 10 Jahren aus dem Tierheim geholt

Zwischen all den Vögeln lebte auch der arme Toni - ein 19-jähriger Pudel, der mindestens zwei Jahre lang nicht geschoren worden war, wie Tanja Bujak vermutet: "Er war in einem verwahrlosten Zustand, das Fell verfilzt, rund um den After klebte überall Kot." Besonders bitter für die Tierschützer: Toni war vor über zehn Jahren aus dem Tierheim geholt worden, zunächst schien es ihm bei den neuen Besitzern gut zu gehen. Doch diese waren mit den vielen Tieren, mit Hund und Vögeln überfordert.

Umso unverständlicher für Tanja Bujak, dass sich niemand an den Tierschutzverein gewandt hat: "Der verwahrloste Zustand sollte doch jemandem auffallen", meint sie. "Schon wegen des üblen Geruchs im Treppenhaus, bei so vielen Tieren, die nicht artgerecht gehalten werden." Diesmal ist es zum Glück gut gegangen. "Nach dem ersten Schock sind wir froh, dass wir den Tieren endlich ein artgerechtes Leben bieten können, und wir hoffen, dass sie es noch recht lange genießen können", sagt Christa Langer. Nun werden tierliebe und sachkundige Menschen gesucht, die den "Neuen" ein Zuhause geben können.