Mehr als nur Benzin Die Buchtankstelle von Fichtelberg

Einmal volltanken bitte: An der Tankstelle von Armin Kellner gibt es auch Bücher. Jedes kostet einen Euro. Foto: Andreas Gewinner

FICHTELBERG. Außer Treibstoff, Zeitschriften, Kaffee oder einem Imbiss kann man an der Tankstelle in Fichtelberg noch etwas anderes „tanken“: Bücher. Und anders als bei Benzin oder Diesel gibt es hier auch keine schwankenden Preise: Jedes Buch kostet einen Euro. Binnen drei Jahren wurden fast 2600 Bücher verkauft. Der Erlös ist für einen guten Zweck.

Im gläsernen Anbau der Tankstelle „Tanken und mehr“ bedecken sie eine ganze Wand: Rund 500 Bücher warten hier auf neue Besitzer. Armin Kellner betreibt die Tankstelle mit seiner Frau Monika seit genau 50 Jahren. Die Tankstelle selbst kann dieses Jahr 70-jähriges Bestehen feiern.

Die Idee, Bücher zu verkaufen für einen guten Zweck, ist Armin Kellner nachts gekommen. „Ich bin Intervallschläfer, ich lese und arbeite auch nachts. Und da ist mir auch die Idee mit den Büchern gekommen.“

Billige Bibel

Die Bücher bekommt Kellner gestiftet von Einheimischen, häufig ältere Menschen, „die zu Hause klar Schiff machen und sich verkleinern wollen“. Aber auch neue Bestseller finden schon kurz nach dem Erscheinen den Weg in die Tankstelle. Zwischen Krimis und Liebesromanen findet man auch ein Buch von Orhan Pamuk. Oder die Autobiografie der Schauspielerin Sabine Sinjen. Und sogar eine Bibel. Die sorgte bei einem Gast für Irritation, erinnert sich Kellner: Eine Bibel für einen Euro? Ist so. Jedes Buch ein Euro.

Auch exotische Ware

Aber manchmal bekommt Kellner auch sehr exotische Ware. Wie jener Stoß theologischer Fachbücher. Solche Nischenangebote verkauft Kellner dann über das Ankaufsportal Momox. Und auch diese Einnahmen kommen zu 100 Prozent dem Bücherstadl, der kostenlosen Leihbücherei der Pfarrei, die seit über 50 Jahren besteht, zugute.

Was die Mann- und Frauenschaft mit dem Geld macht, ist egal, sagt Kellner, „sie können neue Bücher für die eigene Bücherei kaufen. Oder einen Ausflug davon unternehmen.“ Er führt akribisch Buch über seine Einnahmen: fast 2600 Euro sind innerhalb von drei Jahre zusammengekommen, entspricht rund ebenso vielen verkauften Büchern.

Sein preiswerter Buchladen hat dem Betrieb im Bücherstadl übrigens keinen Abbruch getan, weiß Kellner, die Verleihzahlen im Bücherstadl, seien seither in die Höhe gegangen.

Im Austausch schaut Bücherstadl-Leiterin Selma Markhof ab und zu vorbei und sortiert die von unentschlossenen Kunden falsch zurückgestellten Bücher wieder richtig ein. Es gibt eine Grobunterteilung nach „Romane“, „Krimis“ und „Heiteres“.

Und unerwähnt lassen will Kellner auch Alfons Daubner nicht. Er hat kostenlos die für den Anbau maßgeschneiderten Bücherregale gezimmert.

Liebesromane gehen am besten

Etwa drei Viertel seiner Bücherkunden sind Einheimische, schätzt Kellner, aber auch Einwohner aus Nachbarorten wie Mehlmeisel. Und Gäste. Es gibt Zufallskunden, die in der Tankstelle einen Kaffee kaufen, sich hinsetzen wollen. Und sich unversehens im gläsernen Anbau mit den Tischen und Stühlen der Bücherwand gegenübersehen.

Und es gibt Stammkunden, von denen Kellner weiß, was sie suchen. Die werden dann schon mal verständigt. Zum Beispiel, als ein Stapel Jerry-Cotton-Romane reinkam. Und sogleich wieder verkauft wurde.

Und was kaufen und lesen denn die Fichtelberger nun am liebsten? Armin Kellner muss nur kurz nachdenken: „Liebesromane. Und Reiseführer.“

 

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