Mehr als die Hälfte Bei Walküre fallen 46 Arbeitsplätze weg

Insolvenz der Porzellanfabrik Walküre in der Gravenreuther Straße in Bayreuth. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Bei der Porzellanfabrik Walküre gibt es Kündigungen. 46 von 72 Arbeitsplätzen fallen weg. Produktion und Geschäftsbetrieb laufen eingeschränkt weiter, teilt die Kanzlei Hermann, Wienberg und Wilhelm in München mit. Das Amtsgericht Bayreuth hat dem Antrag der Geschäftsführung entsprechend die Eigenverwaltung angeordnet.

„Zu unserem großen Bedauern sehen wir uns gezwungen, mit einem geringeren Mitarbeiterstamm als bislang weiter zu arbeiten“, so der Sanierungsgeschäftsführer Rechtsanwalt Martin Schoebe von der Münchner Kanzlei. „Wir haben daher nach Unterrichtung des Betriebsrats und seines Anwalts gegenüber 46 von insgesamt 72 Mitarbeitern die Freistellung erklären müssen“, heißt es in der Mitteilung. In Kürze seien Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan zu erwarten. 

Wie Anfang August berichtet, sah sich das Bayreuther Traditionsunternehmen in der Gravenreuther Straße mit deutlichen Umsatz- und Auftragsrückgängen konfrontiert, nachdem größere Projekte und Aufträge verschoben worden waren. Ein Investor sollte die Firma mit Geld aus ihrer misslichen Lage befreien. „Die Gespräche mit möglichen Geldgebern konnten aber noch nicht abgeschlossen werden. Sie werden aber mit Hochdruck weiter verfolgt“, so Schoebe. 

Im August sah er noch guten Grund für Zuversicht für das ganze Unternehmen. In der Mitteilung vom Montag ist nur noch von vorsichtigem Optimismus für die Rettung eines Teils des Betriebs die Rede. Auf Kurier-Anfrage wollte Schoebe diese aktuelle Einschätzung nicht kommentieren.  

Anfang August teilten die beiden Walküre-Geschäftsführer Wolfgang Meyer und Siegmund Meyer mit, für die Kunden solle sich nichts ändern, Aufträge würden ausgeführt. Bedeutende Lieferanten hätten bereits mitgeteilt, dem Unternehmen helfen zu wollen. „Wir arbeiten weiter für unsere Kunden und tun alles Menschenmögliche dafür, sie zufrieden zu stellen“, bekräftigte die Unternehmensleitung auch am Dienstag wieder. Zu weiteren Auskünften waren die Geschäftsführer bei der Kurier-Anfrage am Vormittag nicht bereit. 

Die beiden Wolfgang Meyer und Siegmund Meyer bekamen im August den Sanierungsgeschäftsführer Schoebe zur Seite gestellt. Er betonte zunächst, die Situation des Unternehmens sei alles andere als aussichtslos. Auf die Frage, ob und zu welchen Einschnitten es während der Sanierung kommen könnte, erklärte Schoebe damals, dazu könne er nichts sagen.

Nun steht die Entlassung von mehr als der Hälfte der Belegschaft an. Wie der Kurier am Dienstag erfuhr, begaben sich zahlreiche Walküre-Beschäftigte, nachdem sie von ihrer Kündigung erfahren hatten, sogleich zur Arbeitsagentur. Dort trafen sie angeblich auf überraschte Angestellte, die von den geplanten Entlassungen gar nichts wussten.

Zum vorläufigen Sachwalter bei Walküre wurde der Bayreuther Rechtsanwalt Ulrich Graf bestellt. Das Eigenverwaltungsverfahren bietet Unternehmen den rechtlichen Rahmen, um bei laufendem Betrieb auf eine veränderte Geschäftslage und andere Marktbedingungen zu reagieren. Anders als beim Insolvenzverfahren bleibt dabei die Verantwortung in den Händen der Geschäftsführer. Sie steuern die Sanierung, wenn es noch genug Spielraum für eine Lösung gibt. 


Info: Die Porzellanfabrik Walküre wurde 1899 gegründet und wird heute in vierter Generation von den Urenkeln des Gründers geführt. Sie produziert und vertreibt Geschirrporzellan für den gewerblichen Bereich. Zu den Kunden gehören die Hotellerie und Gastronomie sowie große Kaffeeröstereien.

Über Jahre hinweg habe sich das Unternehmen durch den Einsatz von modernster Technik und innovativen Designern als gefragter Nischenanbieter etabliert, heißt es in einer Mitteilung. Walküre-Produkte tragen renommierte Design-Auszeichnungen.

 

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