Mehlmeisel darf hoffen Zentrum für Walderlebnis rückt näher

Nach diesem Vorbild soll in Mehlmeisel gebaut werden: Das Waldinformationszentrum in Grafrath nahe dem Ammersee ist gerade fertiggestellt worden Foto: Staatliches Bauamt Freising

Der heimische Wald als Erlebnis: Das soll es bald in Mehlmeisel am Klausenberg geben. Nach langem Warten ist jetzt der Planungsauftrag für ein Walderlebniszentrum im bayerischen Bauministerium eingegangen. Ein Vorbildprojekt gibt es bereits.

Nach vielen Jahren des Ringens um ein Walderlebniszentrum in Mehlmeisel zeichnet sich jetzt eine konkrete Umsetzung ab. Auf 400 Quadratmetern soll für mehrere Millionen Euro neben dem bestehenden Waldhaus ein modernes Zentrum errichtet werden, das den Bürgern nachhaltige Waldbewirtschaftung näherbringen soll.

Vor vier Jahren grünes Licht von Söder

Mehr als vier Jahre ist es her, dass Ministerpräsident Markus Söder grünes Licht für ein Zentrum für Waldentdecker in Mehlmeisel gab, das vom Freistaat gebaut und getragen wird. Auch damals waren die Vorarbeiten schon jahrelang gelaufen. Und des hieß, die Umsetzung solle 2019/2020 erfolgen. Aber danach tat sich nur noch wenig.

Jetzt ist der Planungsauftrag da

Nun packte der Mehlmeiseler Gemeinderat Günther Daubner die Gelegenheit beim Schopf und fragte Bayerns Bauminister Christian Bernreiter bei einem Treffen mit CSU-Kommunalpolitikern nach dem aktuellen Stand des Projekts. CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel nahm den Ball auf und äußerte sich unzufrieden, dass die zuständigen Behörden – das Staatliche Bauamt und das Amt für Landwirtschaft in Bayreuth – das Projekt nicht mit dem nötigen Nachdruck vorangetrieben hätten. Die Antwort des Ministers: Vor einigen Tagen sei der offizielle Planungsauftrag in seinem Ministerium eingegangen. Die Umsetzung in Mehlmeisel wird sich nach den Worten Bernreiters stark am Waldinformationszentrum in Grafrath nahe dem Ammersee orientieren.

Nach dem Vorbild von Grafrath

In Grafrath werden waldpädagogische Konzepte der Forstverwaltung künftig in einem knapp vier Millionen Euro teuren Informationszentrum Welt.Erlebnis.Wald neben dem bereits vorhandenen forstlichen Versuchsgarten umgesetzt. Dieses Bauwerk hat das Staatliche Bauamt Freising gerade fertiggestellt, es ist aber noch nicht eröffnet. Dabei handelt es sich um eine barrierefreie waldpädagogische Bildungseinrichtung, die neben einem großen Saal auch Räume für Vorträge, Workshops und Ausstellungen sowie Büros für die Verwaltung enthalten wird.

Vorbildcharakter in ökologischer Hinsicht

Das Zentrum soll auch in ökologischer Hinsicht Vorbildcharakter haben. Um den gewachsenen Waldboden zu schonen und wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu erhalten, steht das Gebäude auf ein bis 2,50 Meter hohen Stützen. Er besteht nahezu komplett aus Holz. Bei einer Wandhöhe von 3,50 Meter ist das Gebäude bis zu 9,80 Meter hoch. So soll sich der V-förmige Gebäudekomplex gut in die Umgebung einfügen. Außerdem versickert das Regenwasser vom Dach wieder im Waldboden und fließt nicht in die Kanalisation. Holzschindeln bedecken das steile Dach. Die Wände innen sind mit Lehm verputzt. Das Gebäude ist mit Fotovoltaikanlage und Holzpelletheizung ausgestattet.

Knapp acht Millionen Euro Kosten

Martin Schöffel hat sich den Bau in Grafrath bereits angesehen und ist voll des Lobes: Dort könnten mehrere Gruppen gleichzeitig betreut werden, es biete perfekte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und passe architektonisch hervorragend zum bestehenden Waldhaus. Zusammen mit Minister Bernreiter und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber habe er entscheiden, diese Planungen auch für das Projekt in Mehlmeisel zu übernehmen. Eine aktuelle Kostenschätzung gehe für Mehlmeisel von 7,8 Millionen Euro Kosten aus. Diese Zahlen wollte das Bauministerium nicht bestätigen, auch einen Termin für den Baubeginn nannte es auf Kurier-Anfrage nicht. Die Nutzfläche für das Zentrum in Mehlmeisel gab es mit 400 Quadratmetern an.

Klotzen, nicht kleckern

Mehlmeisels Bürgermeister Franz Tauber würde es sehr begrüßen, wenn endlich etwas vorangehen würde. Schließlich habe Ministerpräsident Söder schon vor mehr als vier Jahren grünes Licht für ein Zentrum für Waldentdecker in Mehlmeisel gegeben. Damals hatten Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber Tauber symbolisch schon mal ein Schild mit der Aufschrift „Zentrum für Waldentdecker – Waldhaus Mehlmeisel“ überreicht. Söder habe damals erklärt, man müsse bei diesem Zentrum in Mehlmeisel klotzen, nicht kleckern, erinnert sich der Bürgermeister. Kaniber sei auch schon einmal vor Ort in Mehlmeisel gewesen und habe sich sehr angetan vom Standort und der Idee für dieses Zentrum gezeigt.

„Extrem wichtig“ für das ganze Fichtelgebirge

Dass nun der Planungsauftrag an das bayerische Bauministerium gegangen ist, erfährt Tauber erst vom Kurier. Als Mitglied der Freien Wählergemeinschaft war er zu dem Treffen von Staatsminister Bernreiter mit CSU-Kommunalpolitikern nicht eingeladen, und offenbar hat ihn auch danach niemand informiert. Wenn nun endlich etwas vorangehen würde, wäre das für die Region Fichtelgebirge „extrem wichtig“, sagt Tauber. So ein Zentrum gebe es weit und breit nicht. Mehlmeisel wäre der ideale Standpunkt, weil hier am Klausenhang bereits der Wildpark und das Walderlebnishaus ansässig seien und sogar zu Pandemiezeiten 60.000 bis 70.000 Besucher im Jahr aus einem Einzugsbereich von bis zu 150 Kilometern im Jahr anlockten. „Hier muss man die Menschen nicht erst herbringen, damit das Zentrum Besucher bekommt. Die Menschen sind schon da.“

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