Emotion statt Information? Nein, so meint Braun das nicht. Qualitätsjournalismus geht nicht ohne Information – und die braucht Raum, ordentliche Recherche und gute Schreiber. Die Vereinsberichterstattung findet im Kurier in einer wöchentliche Beilage statt, das schafft Platz im Blatt für Beiträge der Redaktion. Und: Schlichtes Nacherzählen war gestern. „Vom Terminjournalismus haben wir uns weitgehend verabschiedet“, so der Chefredakteur in einem Gespräch mit dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Thomas Krüger.

Die bpb richtet das Forum Lokaljournalismus gemeinsam mit dem Kurier aus. 180 Chefredakteure und leitende Redakteure tagen bis Freitag in Bayreuth. „Inzwischen recherchieren und schreiben unsere Redakteure und Volontäre gut 80 Prozent der Beiträge selbst. Und wir geben ihnen, trotz aller Alltagshektik, Zeit dafür“, so Braun weiter. Damit gewinnt die Qualität. Qualität muss sein – auf allen Kanälen, digital und gedruckt. Für den Kurier, meint Braun, gilt dies noch stärker als für Zeitungen in Ballungsräumen und Zuzugsgebieten. Die oberfränkische Sondersituation: „Wir erfahren früher als andere, was es heißt, wenn immer weniger Menschen da sind, die Zeitung lesen.“ Die Herausforderung heißt: Der Kurier muss so gut sein, dass nichts an ihm vorbeigeht. Auf keinem Kanal.

Zur Qualität gehört längst auch, mit den Lesern in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu diskutieren und bloß nicht zu glauben, Journalisten wüssten alles besser. Das soziale Netzwerk Facebook ist nach Brauns Worten eine der wertvollsten Verbindungen des Kuriers zu seinen Lesern. Nicht nur, dass aus dieser Quelle Woche für Woche Hinweise und Themen sprudeln. Auf die Kommunikation kommt es ihm an: „Es bewegt sich etwas, es kommt etwas von den Lesern zurück. Das ist wundervoll.“ Lob ist selten, aber das muss auch nicht sein. Kritik ist gut, denn sie eröffnet die Chance, Medienarbeit zu erklären. Und vor allem: „Es entstehen Emotionen. Und darum geht es im Nachrichtengeschäft.“

Mit Kritik an der Redaktion und von der Redaktion hat auch Kurier-Geschäftsführer Michael Rümmele kein Problem. Im Gegenteil: „Einem Klientel nach dem Mund zu reden, das geht gar nicht. Anpassen ist nicht der Geist unseres Hauses – das war er noch nie.“ Und Rümmele denkt weiter in die Zukunft: „Wir müssen uns von der Vorstellung der Zeitung als gedrucktes Produkt freimachen. In 15, 20 Jahren wird es sie als gedrucktes Medium nicht mehr geben.“ Heute schon nutzen zwei Drittel der an Nachrichten interessierten Leser digitale Informationsquellen. Gut gemachter Journalismus überlebt sich deshalb aber keineswegs. Die Aufgabe, komplexe Dinge einfach zu erklären, bleibe bestehen. Egal, auf welche Weise die Nachricht den Leser erreicht.