Medi-Team in München „Wir müssen frech spielen“

Auf Kosten der Feinabstimmung ging die Maßnahme des FC Bayern, in Gießen mehrere Leistungsträger zu schonen. In dieser Szene beklagte Robin Amaize (links), dass ihn niemand bei der Defensivarbeit gegen Diante Garrett (rechts) unterstützte. So hatte am Ende auch der Ex-Bayreuther am Ende keinen Grund zur Freude, obwohl er sich mit 17 Punkte als Topscorer der Münchner auszeichnete. Foto: Imago Images/Michael Schepp

Auch wenn es gerade ziemlich gut läuft bei Medi Bayreuth in der Basketball-Bundesliga: Bei der nächsten Aufgabe ist die Mannschaft von Trainer Raoul Korner krasser Außenseiter. Schließlich trifft sie am Dienstag bei Bayern München auf die erste deutsche Mannschaft, die sich für die Playoffs der Euroleague qualifiziert hat.

Basketball - Deutlicher könnte der Kontrast kaum sein: Drei Tage nach dem 95:79-Sieg im Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten Rasta Vechta trifft Medi Bayreuth in der Bundesliga an diesem Dienstag um 19 Uhr beim FC Bayern München auf den Titelfavoriten Nummer eins.

Nach sechs guten Spielen in Folge, von denen nur das vorletzte beim Tabellenführer Riesen Ludwigsburg knapp verloren gegangen ist (92:97), wollen die Bayreuther aber auch diese Aufgabe selbstbewusst in Angriff nehmen. „Außenseiterchancen“ sieht Trainer Raoul Korner für sein Team, und er hat auch klare Vorstellungen davon, wie sich diese am ehesten nutzen lassen könnten: „Ich erwarte vor allem, dass wir frech spielen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.“ Mit der richtigen Einstellung allein sei es aber natürlich nicht getan: „Gegen den FC Bayern muss man alles noch besser machen als sonst.“

Bis vor fünf Tagen hätte man vielleicht sogar diese vorsichtige Beurteilung der Kräfteverhältnisse noch für ein wenig vermessen halten können. Da hatte der FC Bayern schließlich gerade den größten Erfolg aller Zeiten für einen deutschen Klub gefeiert, als er mit einem 71:70-Sieg gegen Zalgiris Kaunas den Einzug in die Playoffs der Euroleague perfekt machte. „Das ist ein Meilenstein für die gesamte Liga“, betont Korner. „Da muss sich jeder mit freuen, der das Gesamtbild im Blick hat.“ Selbst unter den besten acht Mannschaften Europas traut der Medi-Coach den Münchnern noch etwas zu: „Wenn sie nicht vom achten oder siebten Platz aus ins Rennen gehen, sehe ich durchaus Außenseiterchancen für sie. Die Qualifikation für das Final-Four wäre der absolute Wahnsinn!“

In dieser Einschätzung verbirgt sich auch eine gute Nachricht für die Bayreuther: Das letzte noch ausstehende Spiel der Hauptrunde in der Euroleague am kommenden Freitag beim Spitzenreiter FC Barcelona ist für den FC Bayern trotz der bereits feststehenden Playoff-Teilnahme noch immer von enormer Bedeutung. Abhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz ist nämlich der achte Platz noch ebenso möglich, wie sogar Rang vier und damit der Heimvorteil im Viertelfinale. Man kann sich also durchaus vorstellen, dass der eine oder andere Gedanke im Bayern-Lager schon über das Spiel gegen Bayreuth hinaus geht.

Ein großer Teil dieses Hoffnungsschimmers wurde allerdings schon wieder getrübt, als sich der FC Bayern am vergangenen Samstag beim damaligen Schlusslicht Gießen 46ers mit 94:95 überraschen ließ. „Da wurde gleich eine Handvoll wichtiger Spieler geschont“, relativiert Korner – und er geht nicht davon aus, dass sich das nach dieser Erfahrung des hohen Favoriten gleich noch einmal wiederholen wird: „Ich sehe als Folge davon eher zwei Dinge, die für uns nicht ganz so gut sind: „Erstens: frische Beine bei einigen Leistungsträgern der Bayern und zweitens: einen gewissen Drang, zu gewinnen.“

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