Medi-Team in Ludwigsburg Frei von Erfolgsdruck

Eine wesentliche Verstärkung unter dem Korb gelang den Riesen Ludwigsburg mit der Nachverpflichtung von Jamel McLean (am Ball). Zum wichtigen 98:87-Sieg gegen Verfolger Oldenburg trug der zuletzt in Japan aktive frühere MVP der Bundesliga 18 Punkte bei. Foto: Imago Images//Michael Memmler

Unbelastet wie selten zuvor in dieser Basketball-Saison kann Medi Bayreuth am Sonntag bei den Riesen Ludwigsburg antreten. Zum Einen haben vier Siege in Folge das Selbstvertrauen gestärkt, zum Anderen gibt es beim Vizemeister und Tabellenführer nichts zu verlieren,

Basketball - Natürlich gibt es angenehmere Aufgaben in der Bundesliga als ein Gastspiel beim Tabellenführer. Mit den zurückliegenden vier Siegen in Folge hat sich Medi Bayreuth aber immerhin eine komfortable Ausgangsposition erarbeitet, um am Sonntag um 18 Uhr bei den Riesen Ludwigsburg mit einem guten Gefühl anzutreten.

Vor allem kann der Tabellenzehnte frei von jedem Erfolgsdruck ins Rennen gehen. Die zeitweilig aufkommenden Sorgen um den Klassenerhalt sind auf ein rein rechnerisches Format reduziert, und eine Niederlage in Ludwigsburg wäre nicht einmal als Rückschlag beim Vormarsch in Richtung Playoffs zu werten. Schließlich hat der Vizemeister in dieser Saison erst zweimal verloren und in heimischer Halle noch gar nicht. Nach der 70:93-Niederlage bei Bayern München schon am dritten Spieltag folgten 18 Siege in Folge, ehe vor zwei Wochen die Crailsheim Merlins einen Weg fanden, die sonst nie mit weniger als 70 Punkten aus der Halle gegangenen Riesen mit 68:58 zu bezwingen.

Irgendwelche taktischen Geheimnisse wurden dabei allerdings nicht aufgedeckt. „Jeder weiß doch, wie man gegen die Ludwigsburger spielen muss, und theoretisch ist das auch gar nicht so schwer“, sagt Medi-Trainer Raoul Korner. „Man muss auf dem Ball aufpassen, damit das Tempo kontrollieren und sie ins Halbfeld zwingen sowie beim Rebound dagegen halten. Wenn man das schafft, hat man gute Chancen – wenn nicht, kann es dagegen ein sehr langer Abend werden.“

Ludwigsburger Stil: „Physisch über volle 40 Minuten“

Dass es kaum ein Gegner schafft, liege am hinreichend bekannten, aber sehr speziellen Stil der Ludwigsburger, für den die Tiefe des Kaders eine entscheidende Voraussetzung sei: „Sie spielen konsequent physisch über die vollen 40 Minuten. Viele Gegner halten da vielleicht schon eine Zeit lang mit, aber bei Ludwigsburg kommt dann eben noch ein anderer, der genau so weiter macht – und dann noch einer und noch einer.“ Das könnte auch ein Hinweis darauf sein, warum die Mannschaft von Trainer John Patrick unter den Konkurrenten der Titelfavoriten aus München und Berlin beständiger wirkt, als die spielerisch oft glanzvoller auftretenden Oldenburger.

Sind die Riesen Ludwigsburg also tatsächlich ein Mitfavorit auf die Meisterschaft, der auch in einer Playoff-Serie gegen die Euroleague-Teams bestehen kann? „Wenn Berlin und München komplett und voll da sind und sich in einer Serie auf die Spielweise einstellen können, sehe ich bei ihnen schon noch mehr Qualität“, sagt Korner. „Ich traue den Ludwigsburgern auf jeden Fall das Halbfinale zu und vielleicht sogar das Finale, wenn sie den ersten Platz halten können und damit den Euroleague-Teams aus dem Weg gehen.“

Mit Nachverpflichtungen haben die Schwaben ihre Stärke der Ausgeglichenheit kürzlich noch untermauert. Während beim 89:70-Sieg in Bayreuth am 2. Januar noch die US-Gurads dominierten (Barry Brown mit 19 Punkten, Jordan Hulls und Jaleen Smith mit je 16), bietet nun Jamel McLean neue Variationsmöglichkeiten bei der Auswahl unter acht Kontingentspielern. „In Bayreuth werden wir in brauchen“, begründete Patrick zuletzt in Würzburg (82:72) den Verzicht auf den früheren wertvollsten Spieler der BBL. „Das fasse ich als Kompliment auf“, sagt Korner schmunzelnd. „Ich hatte aber auch nicht erwartet, dass sie gegen uns alle großen Leute auf die Tribüne setzen.“

Trotz allem gilt Jaleen Smith noch immer als der Schlüsselspieler der Riesen, der vielen Beobachtern sogar weniger entbehrlich für das Gesamtkonzept erscheint als Leistungsträger der anderen Spitzenteams. Sich ganz auf den Spielmacher zu konzentrieren, ist für Korner aber kein Erfolg versprechendes Konzept: „Dann wirft Dir Jordan Hulls die Dreier um die Ohren.“ Immerhin kann der Medi-Coach den Ludwigsburgern sein komplettes Aufgebot entgegen stellen. Der zuletzt gegen Chemnitz (85:72) fehlende Philip Jalalpoor konnte wieder ohne Einschränkung trainieren.

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