Medi-Team gegen Bamberg Derby bietet letzte Chance

Eines der Schlüsselduelle: Wenn Andreas Seiferth (gelbes Trikot) im Center-Vergleich mit David Kravish (rechts) so gut abschneidet wie im Hinspiel, wäre für die Bayreuther schon viel gewonnen Foto: Imago Images/Isslerimages

Besondere Bedeutung hat diesmal der oberfränkische Derby-Klassiker in der Basketball-Bundesliga. Für Medi Bayreuth geht es um die letzte Chance, dem Erzrivalen den achten Playoff-Platz streitig zu machen.

Basketball - Es fällt nie schwer, die Anhänger von Medi Bayreuth und Brose Bamberg vom besonderen Reiz der Partie zu überzeugen, wenn sich ihre Mannschaften in der Bundesliga begegnen. Vor der neuesten Auflage des traditionsreichen Oberfrankenderbys am Samstag um 20.30 Uhr in Bayreuth geht es aber um noch mehr als eine langjährig kultivierte nachbarliche Rivalität. Für die Gastgeber ist es die letzte Chance, ernsthaft in den Kampf um den achten Playoff-Platz einzugreifen – und auf der anderen Seite könnten die Bamberger genau diese Position fast schon vorentscheidend absichern.

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Dieser Einschätzung stimmt auch Raoul Korner zu, obwohl so weit über den Tag hinaus gehende Prognosen bei Trainern in der Regel nicht sehr beliebt sind: „Realistisch gesehen, ist das wohl so – vor allem, wenn man das Geschehen noch halbwegs in der eigenen Hand halten will. Ansonsten bliebe nur noch Hoffnung übrig.“

Überraschender Sieg im Hinspiel

Zu den Mutmachern für die Bayreuther gehört die Erfahrung aus dem Hinspiel. Damals traten sie nach den arg enttäuschenden Heimniederlagen gegen Würzburg und vor allem Gießen als krasse Außenseiter in Bamberg an und überraschten mit einem 73:67-Sieg. Dabei fehlte sogar ein ausländischer Spielmacher, nachdem man sich zuvor von Ryan Woolridge getrennt hatte. „Dieser Schritt hatte wohl neue Energie frei gesetzt“, erklärt Korner. Taktisch ließe sich allerdings nicht viel aus dem Erfolg in Bamberg auf das Rückspiel übertragen: „Wir haben sie mit einer Zonenabwehr geknackt. Das lässt sich nur bedingt noch einmal wiederholen.“

Auch die Vorbildfunktion der jüngsten Bamberger Heimniederlage mit 64:76 gegen die Hamburg Towers hält sich für den Medi-Coach in Grenzen: „Die Hamburger haben Bamberg mit ihrer typischen intensiven Verteidigung unter Druck gesetzt. Wir sind kein Team, dass das genau so nachmachen kann.“ Aussagekräftiger erscheint somit, dass die Bamberger vor diesem Fehltritt ihre über weite Strecken der Saison schwankende Formkurve gerade mit fünf Siegen in Folge stabilisiert hatten. Dabei wurden mit Frankfurt (78:62) und Bonn (86:82) zwei Verfolger im Rennen um Platz acht abgeschüttelt und der Anschluss zum oberen Tabellennachbarn Ulm gehalten (88:74).

Wesentlich für diesen Aufwärtstrend war das Ende der Personalsorgen. Am längsten hatte Spielmacher Tyler Larson gefehlt, der nach nur zwei Einsätzen ausgefallen war und nun erst seit zwei Spielen wieder dabei ist. Obwohl der früher für Oldenburg und Frankfurt spielende Amerikaner keine beeindruckenden Statistiken vorweisen kann und vom jungen Bennet Hundt auch insgesamt respektabel vertreten worden ist, sieht Korner die Rückkehr Larsons doch als Verstärkung: „Er hilft dem Team physisch und defensiv, macht es größer und gibt ihm vor allem noch mehr Tiefe.“

Die zunehmenden Alternativen im Kader dürften den Bambergern auch dabei helfen, die Zusatzbelastung durch den gestrigen letzten Einsatz in der Champions League zu verkraften. Sie absolvierten die bedeutungslose Partie bei Dinamo Sassari auf Sardinien auch buchstäblich im Vorübergehen. Per Charter-Flugzeug ging es am selben Tag hin und zurück.

Aber auch auf Bayreuther Seite gibt es eine Alternative mehr, als zuletzt in München (62:83): Matthew Tiby gehört wieder zum Aufgebot, nachdem ihm Korner eine Denkpause verordnet hatte: „Wir hatten ein klärendes Gespräch.“

Makelloser Endspurt wird nötig sein

Wenn Medi Bayreuth gegen Brose Bamberg verliert, wird man sich beim aktuellen Tabellenzehnten wohl kaum noch viele Chancen auf die Playoffs ausrechnen. Nach einem Sieg lohnt sich aber doch immerhin ein genauerer Blick auf die Möglichkeiten.

In diesem Fall würde das Medi-Team auf zwei Punkte an den Nachbarrivalen heran rücken und hätte dann zusammen mit dem Sieg im Hinspiel auch den direkten Gesamtvergleich für sich entschieden. Allerdings haben die Bayreuther schon zwei Spiele mehr ausgetragen und die Bamberger somit zwei Chancen mehr, den Vorsprung zu halten.

Nachdem alle Mannschaften ab Rang neun schon mindestens 16 Mal verloren haben, können die Bamberger nur noch in Gefahr geraten, wenn sie nach einer Niederlage in Bayreuth noch mehr als zwei weitere folgen lassen. Wenn sie es wenigstens schaffen, fünf ihrer verbleibenden Spiele zu gewinnen, könnte sie nur ein Verfolger mit makelloser Siegesserie noch einholen. Ob das realistisch ist, soll ein Blick auf das Restprogramm zeigen:

Brose Bamberg: Vechta (Heimspiel), Oldenburg (Auswärtsspiel), Würzburg (A), Göttingen (H), Ludwigsburg (H), Braunschweig (A), Gießen (H), Crailsheim (H) – Die Überzahl an Heimspiel mag in Zeiten ohne Zuschauer kein ganz so entscheidender Faktor sein. Wesentlicher erscheint, dass fünf Gegner auf einem der letzten sechs Tabellenplätze liegen. Für weniger als fünf Siege und damit am Ende 36:32 Punkte wäre also schon eine Überraschung nötig.

Medi Bayreuth: Ulm (H), Braunschweig (H), Hamburg (H), Weißenfels (A), Frankfurt (H), Göttingen (A) – Keiner der fünf Erstplatzierten ist dabei, und gegen den Tabellensechsten (Hamburg) ist im Hinspiel ein Auswärtssieg gelungen. Die schwerste Aufgabe ist wohl gleich die erste am kommenden Dienstag gegen Ulm (Hinspiel: 76:104). Wenn da eine herausragende Leistung gelingt, erscheint ein Endspurt ohne Niederlage tatsächlich nicht ganz utopisch.

Skyliners Frankfurt: Ludwigsburg (A), Würzburg (A), Weißenfels (H), Bonn (A), Oldenburg (H), Bayreuth (A), Hamburg (H) – Schon beim Tabellenführer Ludwigsburg dürften die Chancen sinken. Zudem haben die Frankfurter den Direktvergleich gegen Bamberg verloren.

Niners Chemnitz: Vechta (A), Crailsheim (H), Hamburg (H), Bonn (A), Gießen (H), Ulm (H), Würzburg (A), Berlin (H) – Es ehrt den Neuling, dass er mit genannt werden muss, zumal er zweimal gegen Bamberg gewonnen hat. Aber Siege gegen vier Playoff-Teams: Nein.

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