Medi schafft die Sensation

Von Dino Reisner

Die wundersame Reise von Medi Bayreuth durch Basketball-Europa geht weiter. Im Achtelfinale der Champions League ließ sich die Mannschaft von Trainer Raoul Korner auch vom türkischen Vizemeister und Mitfavoriten Besiktas Istanbul nicht aufhalten. Nach dem 81:76-Heimsieg vor einer Woche im Hinspiel reichte am Dienstagabend ein 84:84 (37:39) am Bosporus zum Einzug in die Runde der letzten acht Teams.

Asem Marei lieferte, wie die gesamte Mannschaft, eine beeindruckende Vorstellung ab. 15 Punkte standen für den Centerspieler - hier beim Korbleger gegen den Istanbuler Chris Lalanne - am Ende zu Buche. Foto: Sven Ammon Foto: red

Medi setzte sich in der Addition der beiden Ergebnisse mit 165:160 durch und machte damit den größten internationalen Erfolg einer Bayreuther Mannschaft seit 29 Jahren perfekt, als Steiner Bayreuth in der Saison 1988/89 im Europapokal der Pokalsieger ebenfalls ins Viertelfinale vorgedrungen war. Lange Gelegenheit zum Feiern besteht aber nicht: Bereits am Freitag wartet in der Bundesliga die knifflige Auswärtsaufgabe bei Science City Jena.

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Ausschlaggebend für das durchaus als Sensation zu wertende Unentschieden im Rückspiel waren die taktische Disziplin und die Nervenstärke der gesamten Mannschaft. Der etatmäßige Topscorer der Türken, Josh Adams, wurde ebenso aus dem Spiel genommen wie sein US-Landsmann Jon Diebler. Adams konnte sein ersten Punkt erst in der 25. Spielminute von der Freiwurflinie erzielen. Diebler, dem treffsichersten Distanzwerfer der gesamten Champions League, wurden nur drei Versuche von jenseits der 6,75-Meter-Linie gestattet, von denen er auch nur einen verwandeln konnte.

Immer die richtige Antwort parat

Medi behauptete in der stimmungsvollen BJK Akatlar Arena die meiste Zeit einen kleinen Vorsprung. Immer dann, wenn die Partie zu kippen drohte, hatten Trainer Korner und seine Schützlinge eine passende Antwort parat. Dies war erstmals zu Beginn des zweiten Abschnitts der Fall, als Besiktas seine Treffsicherheit fand und mit einem viertelübergreifenden 11:0-Lauf eine 24:20-Führung herausspielte. Nach einer Auszeit eroberten Asem Marei und De’Mon Brooks die Führung zurück.

Kurz vor der Pause hatten die Türken beim Zwischenstand von 37:31 das erste und einzige Mal im gesamten Spiel einen Vorsprung von sechs Punkten herausgeholt, der sie ins Viertelfinale gebracht hätte. Topscorer Gabe York sorgte mit seinem zweiten von insgesamt fünf Dreiern in diesem Spiel jedoch wieder rasch für Beruhigung, James Robinson ließ wenig später einen weiteren Treffer aus der Distanz zum 37:39-Pausenrückstand aus Bayreuther Sicht folgen.

Nach Seitenwechsel zeigte Medi einige Schwächen beim Defensivrebound. Insbesondere der Haitianer Chris Lalanne und der türkische Nationalspieler Sertac Sanli schnappten den Bayreuther Centern ein ums andere Mal den Ball weg. Dies fiel jedoch nicht entscheidend ins Gewicht, da die Leistung in der Offensive stimmte (starke 52 Prozent Trefferquote aus dem Feld).

Mit einer 63:59-Führung ging es in den Schlussabschnitt, in dem die Gastgeber vor der nun immer lauter werdenden Kulisse noch einmal alles in die Waagschale warfen. Nach einem 12:2-Lauf gingen sie in der 35. Minute mit 71:70 ein letztes Mal in Front. Mit einem Ballgewinn gegen Lalanne und einem Fastbreak-Korbleger holte Steve Wachalski das Momentum zurück – es waren die einzigen Punkte des Routiniers in diesem Spiel. Robinson und York ließen zwei weitere Steals folgen, die Besiktas wohl den letzten Glauben an eine Wende raubten.

In der Schlussminute, als Adams noch zwei Verzweiflungs-Dreier verwandelte, konnte sich Medi sogar noch vier verworfene Freiwürfe leisten – an der Sensation konnte dies nichts mehr ändern. Robinson machte mit einem Freiwurf das im Basketball ungewöhnliche Remis perfekt.

Im Viertelfinale gegen Ludwigsburg

Der nächste Gegner von Medi in der Champions League ist ein Rivale aus der Bundesliga: Im Viertelfinale treffen die Bayreuther auf die Riesen Ludwigsburg, die sich im innerdeutschen Achtelfinale gegen die Baskets Oldenburg durchsetzen. Nach dem deutlichen 88:63-Hinspielsieg konnten sich die Schwaben am Dienstagabend zu Hause eine 74:86-Niederlage leisten. Angesetzt sind die Viertelfinalspiele für den 27. / 28. März und 3. / 4. April.