Medi kassiert 96:107-Pleite in Gießen

Mangelnde Einsatzbereitschaft war dem Bayreuther Team nicht abzusprechen, wie auch dieser verlorene Zweikampf von Medi-Center Assem Marei (gelbes Trikot) gegen Gießens Guard Jeril Taylor (mit Ball) verdeutlicht. Foto: Eibner Foto: red

Während Medi Bayreuth auf internationaler Bühne von Erfolg zu Erfolg eilt, ist die Mannschaft von Trainer Raoul Korner in der Bundesliga aktuell nur ein Punktelieferant. Die 96:107-Niederlage bei den Gießen 46ers war die dritte in Folge. Die Bayreuther laufen nun Gefahr – angesichts der nächsten schweren Aufgaben gegen Frankfurt und in Bamberg – ihre gute Ausgangsposition im Playoff-Rennen einzubüßen.

Vor allem die abermals schwache Defensivleistung Medi-Teams gab Rätsel auf. Nach Jena (90:107) und Oldenburg (98:102) kassierte die Mannschaft von Trainer Raoul Korner das dritte Mal in Folge über 100 Punkte. Und dabei hatte man doch gedacht, die Bayreuther hätten das Abwehrproblem in den Griff bekommen. Schließlich war der jüngste Erfolg in der Champions-League beim Gastspiel in Ludwigsburg (86:81) auch Ergebnis einer hoch aggressiven Defense gewesen.

Aber national und international, das sind zwei Paar Schuhe, wie auch Raoul Korner nach dem Spiel feststellen musste. „Wir bekommen es momentan einfach nicht hin, den Fokus auf die Bundesliga und die Champions League zu richten“, sagte der Medi Coach, wobei er das Wörtchen „und“ besonders betonte.

DUNK.FM - Alle medi Bayreuth Basketball Spiele live im Audiostream

Dabei schien seine Mannschaft begriffen zu haben, welch harter Brocken auf sie wartet. Die Gießener waren mit der Empfehlung eines 86:70-Siegs in Frankfurt in diese Begegnung gegangen. Die Bayreuther trugen den Vorschusslorbeeren des Gegners Rechnung, indem sie mit hohem Tempo zu Werke gingen und die durch ihr variables Offensivspiel gewonnene Kontrolle in eine 12:8-Führung (4.) ummünzten. Auffälligster Bayreuther Akteur in der Anfangsphase war Center Andreas Seiferth. Der Nationalspieler setzte der großen physische Präsenz von Gießens Center-Koloss John Bryant seine enorme Beweglichkeit entgegen und erzielte so alleine im ersten Viertel acht Punkte. Dass sich daraus aber keine beständige Führung für die Gäste ergab, lag an der nur mäßigen Verteidigung – vor allem gegen die Gießener Halbdistanzschützen. So blieben die 46ers in Schlagdistanz und gingen schließlich vor allem dank ihres Guards Darwin Davis – er selbst steuerte neun Zähler bei – mit einer 30:26-Führung in den zweiten Abschnitt.

Medi Team mit schwacher Trefferquote

Dort begann das anfängliche Offensivspektakel beider Teams zu leiden: Die Gießener leisteten sich viele Ballverluste, auch erzwungen durch den höheren Verteidigungsdruck der Bayreuther, das Medi-Team indes nahm viele Würfe, traf aber nur wenige. Paradebeispiel war Gabe York, der aus allen Lagen schoss, aber erst gegen Ende des zweiten Abschnitts mit sechs Zählern in Folge auch einen nachhaltigen Erfolg vorzuweisen hatte.

So gingen die Bayreuther mit einem durchaus zu reparierenden 47:54-Rückstand ins letzte Viertel, büßten hier aber mit einem Male die Dominanz an den Brettern ein, die sich Seiferth und Assem Marei wechselweise mit großem Aufwand gegen Bryant erarbeitet hatten. Der Gießener Topscorer lief jetzt heiß, pulverisierte das Bayreuther-Spiel unter den Körben und markierte 16 Punkte im dritten Abschnitt. Dass das Medi-Team aus diesem Viertel dennoch als Sieger hervorging, lag an der großen Variabilität. Man fand in der Defensive zwar kein Mittel gegen Bryant, verlagerte das Offensivspiel aber weg von dem Big Man der Hessen. Aus der Halbdistanz fanden Gabe York und der nun mehr und mehr Verantwortung übernehmende Nate Linhart immer wieder gute Lösungen.

York und Marei im Schlussviertel stark

So durfte man beim 72:76 zum Start ins Schlussviertel durchaus noch Hoffnung haben. Die wurden mit dem Fortschreiten des Schlussabschnitts auch immer größer. Denn die Gäste ließen sich trotz der weiterhin hohen Trefferquote der Gießener nie abschütteln, was vor allem an Gabe York und auch Assem Marei lag. Der Ägypter dachte gar nicht daran, gegen Bryant klein beizugeben. Ebenso wenig York. Der warf munter weiter. Und als er zwei Dreier in Folge getroffen hatte, war 2:29 Minuten vor Schluss der Ausgleich (94:94) hergestellt.

Das Momentum aber bekam das Medi-Team nicht, weil sich James Robinson und dann auch noch Linhart zwei Offensivfouls in Folge leisteten und zudem Forward Jamar Abrams nach Belieben traf. So zogen die Hessen wieder davon und hatten neben Bryant mit Abrams einen zweiten Matchwinner. Ihre hohe Trefferquote mit 14 getroffenen von 22 Würfen aus dem Feld war symptomatisch für die Gießener Mannschaft, hatte aber auch eine Kehrseite: die Defensivarbeit des Gegners.

Gießen 46ers

Taylor (10 Punkte / 15:38 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 9), AGVA (13 / 18:47/ -12), LANDIS (0 / 16:50 / 10), DAVIS (14 / 33:52 / 14), Lischka (9 / 22:46 / 18), Hollins (16 / 24:32 / 8), ABRAMS (21/ 24:10 / 0), Marin (0 / 4:58 / /8), MC CONNELL (13 / 29:23 / 9),BRYANT (24 / 38:27 / 16); Feldwurfquote: 35/60 (58 Prozent), davon 12/24 Dreier (50 Prozent): Hollins (4/6), Abrams (3/5), Davis (2/6), Ava (1/1), Taylor (1/1), Lischka (1/2); Freiwürfe: 25/28 (89 Prozent); Rebounds: 30 defensiv, 5 offensiv (Bryant 11/4); Ballgewinne: 5; Ballverluste: 14 (Lischka 4); Assists: 24(Bryant 5, Davis 4, Agva 4); Effektivität: 132 (Bryant 36, Abrams 26, Agva 17, Taylor 17, Hollins 15).

Medi Bayreuth

JAMES ROBINSON (8 Punkte / 26:22 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -3, John Cox (4 /14:36 / -7), NATE LINHART (12 / 32:16 / 3), ANDREAS SEIFERTH (10 / 18:43 / -13), Steve Wachalski (11 / 20:55 / -9), DE’MON BROOKS (5 / 19:05 / 23), GABE YORK (27 / 35:10 / -9), Marius Adler: (0 / 0:13 Min / 0), Assem Marei (17 / 21:17/ 2).

Feldwurfquote: 37/79 (47 Prozent), davon 7/17 Dreier (41 Prozent): Wachalski (3/4), York (3/6), Brooks (1/1); Freiwürfe: 15/20 (75 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 13 offensiv (Marei 3/4), Linhart (5/2), York (5/1); Ballgewinne: 9 (Marei 4); Ballverluste: 8 (Linhart 3); Assists: 21(Linhart 6, York 5); Effektivität: 107 (York 25, Marei 23, Linhart 16).

SR: Matip, Fritz, Krüper;

Zuschauer: 3468.

Stationen: 8:12 (4.), 18:18 (8.), 28:24 (1. Viertel), 37:32 (13.), 47:43 (18.), 54:47 (Halbzeit), 64:60 (25.), 70:66 (28.), 76:72 (3. Viertel), 80:77 (32.), 91:86 (35.), 94:94 (38.), 101:94 (39.), 107:96 (Ende).

Stimmen

Ingo Freyer (Trainer Gießen): „Wir hatten in den letzten Wochen sehr schwierige Heimspiele. Ich bin froh, dass wir endlich auch gegen einen solchen Topgegner zuhause gewinnen konnten. Es ist nicht einfach, gegen solche Mannschaften zu spielen, daher tut es unheimlich gut, solch einen Sieg einzufahren. Und es hilft uns auch für die kommenden Aufgaben.“

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Glückwunsch zu einem verdienten Sieg an Ingo und sein Team. Wir haben es heute nicht geschafft, Gießen zu stoppen. 106 kassierte Punkte sind zuviel, 96 eigene sollten eigentlich reichen. In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme mit der Transition, in der zweiten dann mit John Bryant.“