Mainleus Anwohner verhindern Handy-Funkturm im Ort

Mit Protestschildern drücken Anwohner ihren Unmut aus. Bei der Bürgerversammlung haben sie ihre Bedenken gegen die Pläne der Deutschen Telekom vorgebracht. Der Sendemast wird als Folge des Widerstands nun nicht gebaut. Foto: Stefan Linß

MAINLEUS. Die entscheidende Aussage kam recht spät am Abend und hatte großen Applaus zur Folge. Nach zähem Ringen formulierte Karin Erhard von der Deutschen Telekom den Satz, der bei den Bürgern Jubel auslöste: „Wir werden den Standort nicht weiter verfolgen.“ Damit hat die Mainleuser Bürgerinitative ihr erstes Ziel erreicht. 

Die Freude bei den Anwohnern in Schwarzach und Schmeilsdorf war groß. Sie verließen die Bürgerversammlung, bei der die Betreiber und Fachleute das Projekt einer neuen Sendeanlage für den Mobilfunk vorgestellt haben, als gefühlte Sieger.

Telekom-Kommunalreferentin Karin Ehrhardt hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass der Mobilfunkbetreiber gar kein allzu großes Interesse daran hat, an dem umstrittenen Funkturm festzuhalten. „Unser Herzblut hängt nicht an dem Standort“, sagte sie. „Wir werden unser Budget auch woanders einsetzen können.“ 

Furcht vor Strahlung: Anwohner protestieren seit Monaten gegen das Vorhaben. Sie fürchten vor allem die elektromagnetische Strahlung und als Folgen neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch eine Wertminderung ihrer Anwesen. Auf einer privaten Wiese zwischen Schmeilsdorf und Schwarzach sollte die 36 Meter hohe Anlage mit drei Antennen errichtet werden. Gut 200 Bürger sind am Dienstag in die Schwarzacher Mehrzweckhalle gekommen, um sich über das Projekt zu informieren. 

Besserer Empfang: Bislang versorge die Telekom in Mainleus nur den Hauptort. In Schwarzach und Schmeilsdorf seien Beschwerden von Anwohnern an das Unternehmen herangetragen worden. Deshalb sollte eine neue Basisstation her, die mit drei Antennen im Dorf einen besseren LTE-Empfang gebracht hätte. Aus der Politik sei verstärkt der Wunsch an den Netzbetreiber herangetragen worden, die Funklöcher auf dem Lande zu schließen. Obwohl es eigentlich gar nicht vorgesehen war, sollte auch Schwarzach einen Mobilfunkmast bekommen. Die Basisstation hätte LTE 1500 leisten können, jedoch nicht das neue 5G.

Die Handy-Immissionen: Der geplante Funkturm erfüllte die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte, die auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation beruhen, betonte die Telekom-Referentin. Zur Strahlung erklärte sie, dass die Endgeräte niedrigere Immissionen abgeben, wenn die Entfernung zum Antennenmast schwindet. Die Details dazu nannte Thomas Kurz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Er schilderte, wie elektromagnetische Felder zustande kommen. Während die Antennen der Basisstation auf vergleichsweise geringem Niveau Strahlung verursachen, sei die Immission des Handys um den Faktor 1000 bis 10.000 höher.

Lücken schließen: Der Protest der Anwohner richtet sich besonders gegen den Standort mitten im Ort. Eine Alternative wäre aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht zu realisieren, sagte Karin Ehrhardt. Die Telekom-Referentin betonte: „Wir wollen niemandem etwas Böses.“ Aber die Netzanbieter müssen ihre Verpflichtungen erfüllen, um die Versorgungslücken zu schließen.

Kein weiterer Ausbau: Vor dem Hintergrund der Proteste gebe es wohl keine Chance, den Funkmast zu verwirklichen. Die Konsequenz sei, dass die Telekom an dem Standort auch in den kommenden Jahren keinen Ausbau mehr planen kann, selbst wenn er gewünscht wäre. Die Deutsche Funkturm GmbH, die für die Deutsche Telekom das Netz erweitern soll, werde ihren Bauantrag für Schwarzach zurückziehen. 

Oliver Hempfling, Jurist am Landratsamt Kulmbach, sprach den Mainleusern zunächst seinen Respekt aus. Er lobte es, dass sich so viele Menschen dafür einsetzen und interessieren, was in ihrer Umgebung passiert. Das Landratsamt habe bei den Baugenehmigungen eine eher undankbare Rolle. Entscheidende Frage sei, ob der Antrag aus rechtlicher Sicht passt. Die Behörde könne auch bei Mobilfunkmasten nicht steuernd eingreifen. Das sei Aufgabe der Bauleitplanung der Gemeinde. 

Camelia Sancu, die Leiterin des Gesundheitsamtes im Landkreis Kulmbach, sprach über die Wirkungen von elektromagnetischen Wellen auf den Körper. Mobilfunk, Bluetooth und WLAN gelten als möglicherweise krebserregend und stehen damit hinsichtlich des Gefährdungspotenzials auf einer Stufe mit Blei, Autoabgasen und Schimmelpilzen. Wichtig sei es, dass besonders im Schlaf die Quellen für die Strahlung gemieden werden. 

130 Unterschriften: Die Bürgerinitiative überreichte an Bürgermeister Robert Bosch mehr als 130 Unterschriften von Menschen, die erreichen wollen, dass Mainleus ein Mobilfunk-Konzept mit minimaler Strahlenbelastung in die Wege leitet.

 

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