Mälzerei in Kulmbach Nachbarn fühlen sich übergangen

Wie geht es weiter auf dem Gelände der alten Mälzerei, nachdem Nachbarn die Unterschrift für einen Wohnblock verweigern? Foto: Gabriele Fölsche

KULMBACH. Die Diskussionen um den Abriss der Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße und den geplanten Neubau eines Apartmenthauses gehen weiter. Es gibt Gerüchte, der Bauherr habe gar das Interesse an dem Projekt verloren.

Die Drösel-Gruppe aus Rosenheim hat für ihr Vorhaben jedenfalls die grundsätzliche Zustimmung des Stadtrats. Doch die gilt nur, wenn es in Bezug auf das Bauvorhaben rechtlich keine Hürden gibt. Die, so sieht es jedenfalls aus, könnte es aber durchaus geben. Nachbarn sagen, der Rosenheimer Bauträger brauche etwa 300 Quadratmeter ihres Grundstücks als Abstandsfläche für sein Neubauprojekt. Doch Jürgen Drösel sei nicht bereit, die dafür geforderte Ausgleichszahlung zuzusagen. So lange, sagen die drei inzwischen anwaltlich vertretenen Wohnungseigentümer aus der Nachbarschaft, seien sie nicht bereit, mit ihrer Unterschrift dem Projekt grünes Licht zu geben.

Zur Not kommt es zum Prozess

Für sie gehe es um viel, sagt einer der Eigentümer: „18 Balkone würden auf der Grenze errichtet, etwa 50 Fenster und Fenstertüren würden künftig zu uns herüberschauen. Jeder Nachbar kann künftig die Zuckerstückchen zählen, die ich früh in meinen Kaffee plumpsen lasse.“ Konkret aussprechen will es der Kulmbacher, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zwar nicht. Aber er lässt anklingen, dass er es auch auf einen Prozess ankommen lassen würde: „Eine Baugenehmigung hat die Firma Drösel-Bau nach unserer Kenntnis nicht erhalten. Es würde uns wundern, wenn dies geschähe, ohne dass wir unsere Zustimmung gegeben haben. Wir würden dann entsprechend reagieren.“

Der Wertverlust ist ausschlaggebend

Die drei Nachbarn, die sich von dem Kulmbacher Anwalt Stefan Kollerer vertreten lassen, stimmen dem Abbruch der alten Mälzerei und auch dem Neubau grundsätzlich zu, sagt einer der Eigentümer. „Aber dafür, dass unser Grundstück, das jetzt Bauland ist, in diesem Bereich für uns nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden kann, wollen wir einen finanziellen Ausgleich.“ Der Bodenrichtwert in dieser Lage beträgt nach Angaben des Nachbarn 165 Euro pro Quadratmeter. „Die Firma Drösel macht aus unseren 300 Quadratmetern Bauland fast wertloses Grünland, selbstredend nicht mehr bebaubar. Jeder kann diesen Wertverlust leicht berechnen.“ Natürlich leide zudem das gesamte Grundstück wertmäßig unter dieser Abstandsflächenübernahme, auch der Wert der sechs Eigentumswohnungen an sich werde gemindert. Und das seien noch nicht einmal alle Nachteile. Die Firma Drösel habe das Mälzerei-Grundstück nach einer vom Stadtrat positiv beschiedenen Bauvoranfrage erworben.

Gespräch zwischen Firma und Stadt Kulmbach am 27. September

Von Anfang an sei klargewesen, dass die nötigen Abstandsflächen auf das Grundstück fallen sollen, das unter anderem ihm gehört, sagt der Anlieger. Doch das Unternehmen sei von Anfang an mit den Nachbarn nicht besonders freundlich umgegangen: „Ich bin verärgert über die respektlose und freche Art, wie der Anwalt von Herrn Drösel unseren ersten Vorschlag ablehnte und auch über die Dreistigkeit, mit der die Architektin bereits auf dem Deckblatt des Bauantrages beschloss: Die Abstandsflächen fallen auf das Nachbargrundstück! Und das, ohne ein Gespräch mit uns geführt zu haben und wohl den Blick fest auf das zweifellos hohe sechsstellige Honorar gerichtet. Kurz nach unserer Ablehnung kam ein Zweizeiler, doch bitte ‚da, wo das Kreuzchen ist‘, zu unterschreiben. Ich erwähne das, weil’s gar so lustig ist“, sagt der Nachbar sarkastisch und ergänzt: „Man darf gespannt sein, was bei dem Gespräch zwischen dem Anwalt der Firma Drösel und dem der Stadt Kulmbach am 27. September herauskommt.“

Firmeneigentümer schweigt

Simon Ries, Büroleiter von Oberbürgermeister Henry Schramm, bestätigt, dass es keine Baugenehmigung gibt. „Grundsätzlich ist es möglich, Bauvorhaben, die die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsflächen nicht einhalten, unter Erteilung einer entsprechenden Abweichung zu genehmigen. Eine Zustimmung der Nachbarn ist dafür nicht zwingend erforderlich. Diesen stünde in einem solchen Fall der Klageweg offen. Generell ist die Stadt Kulmbach immer bemüht, Einvernehmen zwischen den beteiligten Parteien herzustellen. In diesem Sinne laufen auch beim Bauvorhaben Mälzerei Müller momentan Gespräche. Eine Baugenehmigung wurde noch nicht erteilt.“ Von Jürgen Drösel war zu dem Thema keine Stellungnahme zu bekommen. Eine Mitarbeiterin ließ ausrichten, ihr Chef habe aufgrund verschiedener Termine keine Zeit.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading