Er meidet Menschen, schläft in selbst gezimmerten Unterständen, ernährt sich von Wurzeln und Maden – und das seit sechs Jahren. Seitdem gibt der 61-jährige Tscheche, der im vergangenen halben Jahr 73 Mal in verschiedene Waldhütten rund um Wunsiedel eingebrochen sein soll, der Welt Rätsel auf. Der Kurier sprach mit Menschen, die sein Leben zumindest erahnen können: einer Hüttenbesitzerin, bei der er schon mehrmals eingebrochen ist, dem Polizist, der ihn jagt und einem Survivaltrainer, der auch schon wochenlang in der Wildnis gelebt hat.
Immer wieder besucht der „Waldläufer“, wie die Polizei den flüchtigen Tschechen getauft hat, Familie Fuchs im kleinen Ort Dörflas bei Kirchenlamitz - und lässt dabei etwas mitgehen. „Ein bisschen beunruhigt ist man schon“, sagt Heike Fuchs (47). Besonders seit dem Morgen, an dem sie aus dem Fenster schaute und sah, dass Kleidungsstücke von der Wäscheleine gestohlen worden waren. Genau vor ihrem Haus. Eine Jeans fehlte. Und ein schwarzes Metal-T-Shirt. „Das hatte mein Sohn sich auf einem Festival gekauft. Der hat sich vielleicht geärgert“, sagt Fuchs. Der Hund der Nachbarn hatte nicht angeschlagen.
Lagerfeuerromantik und ab und zu ein paar Pilze sammeln? „Nee“, sagt Sepp Fischer, „Survival ist nicht schön.“ Schon gar nicht, wenn man sich wie der Waldläufer ständig verstecken müsse. „Aber ein paar einfache Tricks gibt es schon“, sagt Fischer. Vor vier Jahren hat der 44-Jährige aus Bad Tölz die Wildnis zu seinem Beruf gemacht, er bringt Menschen bei, wie sie ohne die Zivilisation überleben können. „Kälte und Hunger“, das seien die Hauptprobleme, mit denen der Waldläufer zu kämpfen habe.
Robert Roth sieht das anders. Seit Ostern sind der Polizeihauptkommissar und seine Kollegen dem Waldläufer auf der Spur. Sie kennen seinen Namen, wissen, wie er aussieht, dass er bereits in Tschechien, der Slowakei, in Österreich und in Niederbayern im Wald gelebt hat und dass er ziemlich sicher ungefährlich ist. Wie er es jahrelang in der Wildnis ausgehalten hat, wissen sie nicht. „Auch für uns ist das ungewöhnlich. Wenn wir ihn kriegen, hoffe ich, dass wir ihn ein paar Sachen fragen können.“