Ein gutes Dutzend Gastronomen, Kulturschaffende, Selbstständige und Zuhörer wählten sich am Mittwochnachmittag ein, um mit Abstand über den erneuten Stillstand zu sprechen. Darunter auch Engin Gülyaprak. Der Inhaber des Engin’s Ponte am Canale Grande betonte, dass es in der Gastro „fast keine Ansteckungen“ gebe. Außerdem würden Hilfsgelder nicht immer so schnell fließen wie propagiert. „Wenn es einem Gastronomen aber schlecht geht, ist jeder Tag wichtig.“

Heiko Oklmann, besser bekannt als MesserMo, schilderte Probleme von Marktleuten und Schaustellern in Zeiten von abgesagten Martini- und Weihnachtsmärkten. Er brachte die Idee ins Spiel, leere Ladenflächen vorübergehend als Ersatz-Verkaufsorte zu nutzen.

Einen großen Umfang der von DU-Stadtrat Gert-Dieter Meier moderierten Diskussion nahmen die Lockdown-Folgen für die Kulturszene ein. Was bringen kostenlose Streaming-Angebote? „Natürlich ist es gut, weiterhin eine Plattform für die Künstler zu haben“, sagte Cedric Hofmann, Geschäftsführer des Zentrums. „Aber ich sehe eine reale Gefahr, wenn kostenlose Streaming-Angebote überhand nehmen.“ Dies bleibe bei den Menschen hängen und sie würden sich fragen, warum sie nächstes Jahr wieder 15 Euro für ein Konzert zahlen sollen. Auch Kultur gegen Spenden sei auf Dauer keine Lösung. „Das deckt definitiv nicht die entstehenden Kosten.“

Matthias Mayer, Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Motion, lobte die Bayreutherinnen und Bayreuther: „Ich habe nicht das Gefühl, dass sie ihre Kulturschaffenden vergessen haben.“

Diese Bereitschaft der Bevölkerung sei eminent wichtig. „Wir müssen massiv dafür werben, dass die kleinen Angebote, die es noch geben wird, genutzt werden.“ Gerade in der Vorweihnachtszeit sei Kreativität gefragt. „Wie es danach weiter geht, weiß noch keiner.“

Moderator Meier fragte, ob es Wünsche an die Kommune und die Vertreter des Stadtrats gebe. Zentrums-Geschäftsführer Hofmann brachte ein Zeichen gegen die Senkung des Kulturetats ins Spiel. In Bamberg seien die Gelder um 25 Prozent reduziert worden. „Der Bayreuther Stadtrat könnte beschließen, das nicht zu tun.“

Das Geld werde bald wieder gebraucht, zeigte sich Gülyaprak zuversichtlich. „Es wird besser. Der Impfstoff wird helfen und die Politik wird lernen, mit dem Virus umzugehen ohne Angst zu verbreiten.“ Schließlich scheitere nichts an der Kreativität der Bands und Kulturschaffenden, sondern „einfach an den Vorgaben rund um das Virus“, sagte Motion-Mann Mayer.

Deshalb lautete das Fazit der DU-Vorsitzenden Magdalena Aderhold: „Am meisten ist allen geholfen, wenn wir auf die Lage aufmerksam machen und sensibilisieren. Schließlich wollen wir volle Säle, wenn es wieder losgeht.“