Pegnitzer Passionskonzert Elegant, einfühlsam und expressiv

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Der Aufwand hat sich gelohnt: Keine 24 Stunden nach dem Livestream des Passionskonzerts aus der Bartholomäuskirche in Pegnitz gab es schon über 700 Aufrufe über die Videoplattform Youtube. Mit steigender Tendenz.

Pegnitz - Mehr Publikum hätte Dekanatskantor Jörg Fuhr live wohl auch kaum erreicht. Nun kann ein Livestream zwar niemals ein Konzerterlebnis vor Ort ersetzen, und ob alle Aufrufer das Konzert auch wirklich komplett angesehen haben, ist eher zu bezweifeln. Dennoch war der Livestream allemal besser als eine komplette Absage. Zu viele Konzerte sind in den zurückliegenden Monaten schon ausgefallen.

Er sei froh darüber, dass dieses Konzert stattfindet, „in einer Zeit, in der wir auf so vieles verzichten müssen“, sagte Dekan Markus Rausch in seinen einführenden Worten. Denn gerade in der Passionszeit könne Musik Freude bereit, aber auch Trost und Hoffnung schenken.

Das Motto „In stiller Nacht“ erinnerte dabei erst einmal an die Weihnachtszeit. Doch beim Blick auf das Programm wurde schnell klar, dass es um die Nacht im Garten Gethsemane ging, der Ort des Abschieds Jesu von seinen Jüngern und auch der Schauplatz seiner Festnahme.

Nacht als verbindende Klammer

Die Auswahl der Kompositionen könnte unterschiedlicher kaum sein, hat aber stets die Nacht als verbindende Klammer. So sind es ausschließlich melancholische, nachdenkliche, leise Werke, die in diesem Konzert erklingen, meist introvertiert, weltabgewandt, ja manchmal sogar ganz dieser Welt abhanden gekommen.

Den zentralen Part nimmt der Pianist Jens Fuhr am Flügel ein. Er spielt mehrere Nocturnes, also langsame und ruhige Nachtstücke, die eine Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten enthalten. Jens Fuhr beweist dabei durchgehend einen feinen Klang- und Tastsinn mit viel Zartgefühl und großer Geschmeidigkeit.

Im Nocturne Es-Dur op.9, 2 von Frederic Chopin etwa setzt er auf die Struktur und den melodischen Kern des Werkes und baut weit gezogene stimmige Linien. Einfühlsam spielt Fuhr auch das Nocturne Des-Dur von Claude Debussy. Auch hier lässt er einen einsamen intimen Monolog erklingen und sucht die Stimmungen nächtlicher Natur zu fassen.

Etwas aus der Reihe erklingt ein „Coral“ des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos. Doch auch diese Auswahl ist stimmig und gut durchdacht. Villa-Lobos lebte in den 1920er Jahren eine Zeit lang in Paris und lernte dort die Musik Debussys kennen und lieben.

Ebenfalls französischen Geist atmet das Nocturne Nr. 13 h-Moll, ein Spätwerk von Gabriel Faure. Auch hier überzeugt der Pianist mit kultiviertem Klang, samtig und klanggesättigt, elegant und gemessen im Ausdruck. Auf die eigenwillige Wirkung des Klangs setzt Jens Fuhr auch im Nachtstück Des-Dr, op. 23, 3 von Robert Schumann und im romantisch-virtuos gespielten „Clair de lune“ von Claude Debussy sowie in Franz Schuberts „Leise flehen meine Lieder“.

Das alles würde für einen erfüllten Klavierabend fast schon genügen, doch Dekanatskantor Jörg Fuhr hatte auch noch sechs hochkarätige Gesangssolisten zu bieten, die zusammen einige wunderschöne und klug ausgewählte A-cappella-Sätze aufführten.

Manuela Falk und Konstanze Mielich-Fuhr (beide Sopran), Bernadette Michaldo-Fuhr (Mezzosopran), Stefan Schneider (Tenor), Lorenz Mielich (Bassbariton) und Marzin Popp (Bass) präsentierten A-Cappella-Kunst auf höchstem Niveau. Max Regers „Morgengesang“ etwa oder dessen „Nachtlied“ erklingt schlank ausbalanciert, dennoch kräftig und absolut homogen.

Eines der Höhepunkte war das tief bewegende Werk „In stiller Nacht“ von Johannes Brahms, das den Abend seinen Namen gab. Romantische Klänge auf vokaler wie instrumentaler Ebene – geradlinig und klanglich gebündelt. Ein Werk, das mit seiner hoch konzentrierten Einfachheit überzeugt und gleichzeitig innig-wehmütig tiefe Gefühle anspricht. Dem Solistenensemble gelingt es stilsicher, den schwierigen Grat zwischen schlichtem, ungekünsteltem Timbre und einfühlsamer Textgestaltung zu meistern.

Ein weiterer Höhepunkt des vokalen Teils war Joseph Rheinbergers „Morgenlied“, dargeboten mit expressiver Melodik, ausdrucksstarker Harmonik sowie präziser Umsetzung des Textes.

Mit einem ganz besonderen Stück setzte das Ensemble einen prägnanten Schlusspunkt. Es erklang das wunderschöne Werk „Bleib bei mir, Herr“ des jungen Leipziger Komponisten Paul Heller. Den Chorsatz widmeten die Künstler den 2020 verstorbenen langjährigen Leiter des Betzensteiner Posaunenchors, Reinhardt Potzner, der damit jede Posaunenchorprobe beendet hatte.

 

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