Live-Stream So macht es keinen Sinn

Foto: Eric Waha

KOMMENTAR. Die Übertragungen der Bayreuther Stadtratssitzungen sind ein typischer Fall von: guter Plan, schlechtes Ergebnis.

Für das, was hinten rauskommt, sind Kosten von 2356 Euro pro Sitzung zu viel Geld. So gut die Idee der größeren Transparenz auch ist.

Das Geld erhält der Internetdienstleister TMT. Die Medienexperten haben im September 2017 zwei Kameras sowie Bild- und Tonmischer im Sitzungssaal installiert. Die Möglichkeit einer modernen Übertragung ist also da – wird aber ad absurdum geführt. „Wir können vieles nicht so umsetzen, wie wir es technisch und gestalterisch wollen würden“, sagt TMT-Projektleiter Heiko Popp. So macht Live-Stream keinen Sinn!

Problem Nummer 1: das Standbild. Wer das im Netz sieht, vermutet technische Probleme. Die Wahrheit: Ein halbes Dutzend Stadträte und einige Referenten gaben keine Film-Einwilligung. Das ist ihr Recht – sagen Datenschützer. Verstehen muss man es nicht. Es geht um Menschen, die sich zur Wahl stellten, um öffentlich ihre Meinung zu sagen. Gerade dabei verstecken sie sich dann.

Problem Nummer 2: das fehlende Archiv. Durch die Übertragungen sollen die informiert werden, die Sitzungen nicht vor Ort sehen können. Etwa weil sie mittwochnachmittags arbeiten. Und die haben auch keine Zeit, stundenlang Live-Stream zu schauen. Abends Sitzungsteile in Ruhe nachvollziehen – diese Möglichkeit würden sie vielleicht nutzen.

In Pfaffenhofen geht’s. Dort werden vier Sitzungen archiviert. Und der Nutzer kann einzelne Tagesordnungspunkte anwählen. Noch ein Unterschied: Die Filmfirma zeigt dort den ganzen Sitzungssaal – weil kein Stadtrat widerspricht. Die Zuseher sehen Abstimmungen – in Bayreuth nicht.

Die Unabhängigen haben mit ihrem Antrag die Debatte um die Zukunft des Live-Streams nach der Wahl 2020 eröffnet. Dafür gibt es zwei Optionen: entweder alle wollen eine gescheite Übertragung – oder man hört auf, dafür Steuergeld zu verplempern.

andreas.schmitt@kurier.de

 

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